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Category Archives: Wissen

German Pellets: Insolvenz zieht immer weitere Kreise

© shutterstockGerman Pellets: Mehrere Tochterfirmen haben nun auch Insolvenz anmelden müssen!

München, Berlin 26. Februar 2016 – Das Drama um German Pellets zieht immer weitere Kreise.

Nachdem am 10. Februar 2016 der Mutterkonzern Insolvenz anmelden musste, sind nun auch zahlreiche Tochterfirmen von der Insolvenz betroffen.

Das Amtsgericht Schwerin hat über die Vermögen der nachstehend aufgeführten Gesellschaften die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und folgende vorläufige Insolvenzverwalter bestellt:

  • German Pellets GmbH – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde
  • German Pellets Genussrechte GmbH – Herr Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz
  • German Pellets Beteiligungs GmbH – Herr Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz
  • German Pellets Supply GmbH & Co. KG – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde
  • German Pellets Sachsen GmbH – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde

 

Ab Montag, den 29.02.2016 können sich alle Anleger, die in Anleihen oder Genussscheine bei German Pellets investiert haben, auf der Seite von German Pellets als betroffene Anleihegläubiger oder Inhaber von Genussscheinen registrieren lassen. Dies ist der erste Schritt, seine Forderungen im Insolvenzverfahren geltend zu machen.

Die Kanzlei CLLB Rechtsanwälte rät dringend jedem betroffenen Anleger von der Möglichkeit der Registrierung Gebrauch zu machen, um seine Rechte im Insolvenzverfahren frühzeitig zu sichern.

 

Quelle: CLLB Rechtsanwälte Cocron

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Wie Banken ihre Kunden loswerden – Der Bausparvertrag

©Shutterstock

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Landshut, 03.02.2016 – Haus oder Wohnung? Bauen, Kaufen oder lieber Mieten? Reparatur gefällig? Oder lediglich das eigene Vermögen erweitern? Mit einem Bausparvertrag ist dies alles möglich, doch was sich genau dahinter verbirgt und welche Risiken aufkommen können, sollte man schon vorher abklären.

 

Wie es der Begriff schon sagt, spart man, um irgendwann in 10, 20 Jahren zu bauen. Dazu wird erst einmal eine Bausparsumme festgelegt, welche sowohl das anzusparende Guthaben als auch das Darlehen beinhaltet. Diese stehen je nach Vertrag meist im Verhältnis 50:50 oder 40:60 zueinander. Ist der Kredit zuteilungsreif, kann er zusammen mit dem Gesparten ausgezahlt werden oder aber man sieht davon ab, um fleißig weiterzusparen. Wirklich attraktiv wird der Bausparvertrag durch seine vertraglich gesicherten hohen Guthabenzinsen von im Einzelfall, bis zu 2,3 Prozent bei Darlehensverzicht und der vielen Möglichkeiten, vom Staat gefördert zu werden. So kann man sich bei einem Jahreseinkommen von unter 25.600 Euro bis zu 45 Euro Wohnungsbauprämie an Unterstützung vom Staat einholen. Selbst der Arbeitgeber kann bis zu 480 Euro jährlich als Vermögenswirksame Leistungen dazugeben. Ebenfalls staatlich bezuschusst wird der Bausparvertrag durch bis zu 154 Euro Riester-Zulage.

Leider wissen nur wenige, dass man das darin gesparte Geld auch zu anderen Zwecken als dem Hausbau nutzen kann. Zum Beispiel um sich eine Wohnung zu kaufen oder eine Modernisierung beziehungsweise Reparatur vorzunehmen und sogar zur Schuldentilgung bei Wohneigentum, aber wie schon erwähnt ist auch eine Vermögensbildung möglich.

Schließt man einen Vertrag ab, noch bevor man 25 Jahre alt wird, so kann man das Gesparte mit all den sich darin befindenden Vorteilen auch für einen Urlaub, ein neues Auto oder die Studiengebühren ausgeben. Also etwas ganz anderes als den Bau oder Erwerb einer Immobilie.

Beste Voraussetzungen auf ein schnelles Vermögenswachstum haben vor allem Auszubildende und Berufseinsteiger unter 25 Jahren, da für diese Personengruppe alle staatlichen Förderungen, bei Beachtung der Einkommensgrenzen, die aber kaum ein Azubi oder Anfänger erreichen kann, gelten. Wir wissen also: Heutzutage einen Bausparvertrag abzuschließen ist schön und gut und für junge Leute durchaus lohnenswert.

 

Das dachte man sich vor 20 Jahren sicherlich auch… und plötzlich ist es aus?

Damals war doch alles besser. Da gab es noch den Bausparvertrag mit vier bis fünf Prozent, was ihn zu einer noch viel beliebteren Geldanlage als heute machte. Die meisten beabsichtigten dabei überhaupt nicht den Erwerb bzw. Bau einer Immobilie oder das Einlösen des Darlehens für sonstige Zwecke bei Zuteilungsreife. Einfach nur über die nächsten Jahre hinweg sparen und das zu Super-Zinsen war das Ziel der Anleger. Zum großen Unglück der Banken, schließlich müssen die vereinbarten hohen Zinsen auch weiterhin, trotz jetzigem Zinstief, ausgezahlt werden, denn „pacta sunt servanda“, d.h. die Verträge müssen eingehalten werden. Aus dem Blickwinkel der Geldinstitute sieht es in etwa so aus: Sie müssen viel Geld zu einem sehr hohem Prozentsatz auf bereits laufende Verträge geben, ohne durch noch höhere Darlehenszinsen einen Gewinn für sich zu erwirtschaften. Es wäre ja kaum einer bereit, einen Vertrag zu unterzeichnen, bei dem er sein Erspartes zu einem niedrigen Zinssatz einzahlt, um dann bei Zuteilungsreife einen Kredit aufzunehmen, der mit über fünf Prozent verzinst wäre. Die somit einzig übrigbleibende Lösung scheint hier wie folgt zu sein: Dem Kunden kündigen, denn wo kein Vertrag ist, da muss man auch nichts einhalten. Man könnte jetzt meinen, der Verbraucher soll doch immer geschützt werden, aber Unternehmen wie Banken und Bausparkassen stehen unter einem ganz besonderen Schutzschild, nämlich dem politischen. An eine so hohe Position kommt ein simpler Kleinunternehmer nicht so leicht ran und erst recht kein gewöhnlicher Arbeitnehmer.

Das Landgericht Mainz hat es bereits vorgemacht – und einige dem hinterher – als es entschied, dass ein seit über zehn Jahren zuteilungsreifer Bausparvertrag auf den auch schon lange keine Einzahlung erfolgte, zu recht gekündigt wurde. Der Kläger hat nach keinem Darlehen gebeten und sparte auch nicht durch weitere Zahlungen an, also sagt man: Er hat das Darlehen mit der Zuteilungsreife bereits empfangen. Das ist auch nach § 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB interpretierbar. Diese Urteilsvergabe sehen viele weitere Bausparkassen als einen vertretbaren Grundstein für ein Vertragsende.

Doch es gibt auch Gerichte, die zugunsten der Verbraucher urteilen, wie das Amtsgericht Ludwigsburg im Fall einer Kündigung von Seiten der Wüstenrot Bausparkasse, bei dem der Richter durch den Mangel eines Kündigungsrechts für den Kläger entschied. Bei der Berufung in der nächst höheren Instanz, dem Landgericht Stuttgart, wurde kein anderer Beschluss gefasst. Ein ähnliches Verfahren spielte sich im Landgericht Karlsruhe ab, wo gleichfalls die Kündigung der Badenia Bausparkasse als unwirksam erklärt wurde.

Insgesamt ist ersichtlich, dass es weitere Komplikationen hinsichtlich der Rechtssprechung geben wird, solange kein höchstrichterliches Urteil des Bundesgerichtshofes oder gar ein dementsprechendes Gesetz in Kraft tritt.

 

Autorin: Thomanek Laura, Schülerredakteurin bei epk media GmbH & Co. KG.

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ARD und ZDF – objektiv ist relativ: Genau 62 Menschen gehört die halbe Welt

Landshut, 02.02.2016 – Der Terroranschlag auf die SatirezeitscMedien-unter-der-Lupehrift Charlie Hebdo jährt sich und damit kommen den meisten die schrecklichen Nachrichten aus Fernsehen, Funk und Zeitung wieder in den Kopf. Auch erinnern wir uns an den riesigen Trauerzug, dem sich anderthalb Millionen Menschen angeschlossen haben, allen voran Regierungschefs aus 50 Nationen. So sah jedenfalls das Bild zunächst aus, doch der Anschein hielt nicht allzu lange. Dank geschickter Kameraführung und dem dazu passenden Text der Reporter war die Täuschung fast perfekt. Aber eben nur fast. Denn ein paar Tage darauf ereilten uns Fotos, welche genauestens bewiesen, dass die Staatsoberhäupter nicht mal in der Nähe der Demonstranten waren.

Der Grund dafür ist ein überaus logischer: Sicherheit. Vier Tage nach einem Terroranschlag war die Gefahr weiterhin groß, und es wäre schier unmöglich gewesen, so viele bedeutende Politiker in einer Menschenmenge diesen Ausmaßes noch beschützen zu können. Das ist auch für die meisten gewiss verständlich. Die Frage bleibt nur: Warum nicht gleich so?

Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender sollten doch darauf bedacht sein, ihre Nachrichten objektiv und mit der best möglichen Richtigkeit an ihre Zuschauer weiterzuleiten. Aber selbst öffentlich-rechtliche Nachrichtendienste wie ARD und ZDF, haben sich zuerst gleichfalls zu den propagandistischen Bildern verleiten lassen. Leider war es nicht das letzte Mal, dass diese Newsportale Bericht erstatten, ohne zuvor den Wahrheitsgehalt zu recherchieren und zu hinterfragen.

62. Exakter könnte das Ergebnis der alljährlichen Studie von Oxfam wohl nicht ausfallen. Demnach besitzen die 62 reichsten Menschen der Welt genauso viel wie 3,6 Milliarden, was die ärmsten 50 Prozent der Welt ausmachen. Oxfam beruft sich dabei auf die Zahlen des Global Wealth Reports der Bank Credit Suisse sowie die der Zeitschrift Forbes. Es ist jedoch fraglich, wie genau diese sein können. Schließlich will jeder seine Privatsphäre, gerade beim Thema Finanzen und Kapital, wahren. Das gilt genauso für Multimilliardäre. Schaut man sich noch die Liste der sogenannten Superreichen an, so haben alle eines gemeinsam: Sie machen ihr großes Geld mit großen Firmen und deren Aktien. Kurz und knapp: Sie sind Unternehmer. Wenn also das Vermögen von einer Aktie abhängt, kann der Wert dessen wirklich so genau gemessen werden? Und wenn jetzt noch für die Studie die Währung geändert werden muss plus die oben genannte Verschwiegenheit dazukommt?

Leider haben nur zwei der vielen Medien diese Nachricht hinterfragt. Zum einen die Frankfurter Allgemeine, deren Autor Phillip Plickert, die von Oxfam beschriebene Situation durch absurde Vergleiche des alltäglichen Lebens dem Leser klarstellen möchte. Zum anderen der Redakteur Bastian Brinkmann von der Süddeutschen Zeitung. Er erklärt das Vorgehen der Hilfsorganisation bei der Erstellung dieser Studie. Dabei wirft er einige berechtigte Zweifel zur Verbindung der verschiedenen Quellen auf. Kaum sind ihre negativen Meinungen draußen, findet man schon den ersten Kritiker der Kritiker, welcher versucht, alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Dabei fällt auf, dass allen drei Berichten ein Fakt gemeinsam bleibt: Man kann die Vermögenswerte nicht genau berechnen.

Im Gegensatz dazu strahlten die öffentlich-rechtlichen Sender eine kaum überarbeitete Version des Artikels, den Oxfam veröffentlichte, aus. Sie erwähnten in keinem Wort, dass die Anzahl der Superreichen in jeglicher Hinsicht falsch oder möglicherweise unkorrekt ist. Nicht einmal eine kleine Einschränkung bei der Wortwahl war vorzufinden.

Wäre es nicht besser, wenn man ausgerechnet von diesen vom Rundfunkstaatsvertrag getragenen Nachrichtenportalen eine objektivere und durchdachtere Berichterstattung erwarten und erhoffen könnte?

Doch der Begriff objektiv ist anscheinend relativ.

Autorin: Laura Thomanek, Schülerredakteurin bei epk media GmbH & Co. KG

 

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Das Steuermärchen von Astrid Lindgren – Heute aktueller denn Je

Astrid Lindgren

Astrid Lindgren

Landshut, 10.11.2015 – Sie ist schon fast zwei Jahre alt und alle kennen sie, den einen begeistert sie noch weiterhin, andere bekommen schon langsam genug von ihr. Ein einziges Wort reicht, damit die meisten jedenfalls an genau dasselbe denken. Umparken. Einfacher und effizienter könnte eine Werbung nicht sein. Da hat sich das Marketing-Team von Opel aber was wirklich Feines ausgedacht. Einen anderen Blickwinkel ausprobieren, ganz und gar gegen die allgemein verbreitete Meinung soll man sich tatsächlich seine eigene bilden. Schließlich könnte der Vorhandene falsch sein. Solch eine Situation gab es schon einmal, nur in einem unserer Nachbarstaaten und zu einem viel früherem Zeitpunkt.

1976. Das Jahr, in dem die Politik der Schweden sich radikal änderte. Über vier Jahrzehnte hinweg kassierte die Regierung im Norden von ihren Bürgern Steuern. Hohe Steuern. Einigen waren die 85 Prozent an Spitzeneinkommenssteuer schon zu viel, aber Mitglieder der dort herrschenden Sozialdemokraten hießen das sogar noch gut. Jeder müsse schließlich seinen Teil zum Wohlfahrtsstaat beitragen. Doch ein neues Steuergesetz sollte alsbald auch jene Meinungen ändern. Ab sofort mussten Selbstständige, genau wie Arbeitsnehmer, zusätzliche Sozialabgaben leisten. In diesen Bereich fielen ebenfalls Schriftsteller, wie Schwedens wohl bekannteste Autorin Astrid Lindgren. Diese hat sich damals, der neuen Regelung gemäß, eine Gesamtabgabe von 102 Prozent ihres Einkommens ausgerechnet, was dann selbst der überzeugten Sozialdemokratin nicht mehr ganz geheuer war. Lindgren erkannte, dass die vorherrschende Regierungspartei ihre zugeteilte Macht in allen Maßen ausnutzte. Diese neu gewonnene Erkenntnis behielt sie natürlich nicht für sich, sondern veröffentlichte ihren Standpunkt in Form einer Satire, in der am weitesten verbreiteten schwedischen Zeitung, dem „Expressen“.

Sie schrieb ein Märchen, wie sie es selbst nannte, in dem unschwer zu erkennen ist, dass es eigentlich um Astrid Lindgren und ihre Enttäuschung gegenüber dem Staat geht. Somit ist auch die Protagonistin Pomperipossa eine erfolgreiche Kinderbuchautorin und nicht nur in ihrem Fantasieland Monismanien bekannt. Sie ist, ebenso wie ihre Erschafferin, rundum glücklich mit ihrem Leben. Zahlt fleißig alle Steuern und erfindet immer wieder neue Geschichten. Bis der Märchenfigur eines Tages zu Ohren kommt, dass die Regierung 102 Prozent ihres Einkommens verlangen könnte, da jene schließlich sehr viel verdiene. Prompt rechnet sie sich aus, wie viel für sie wohl noch übrig bleiben mag (5000 Kronen, also ungefähr 500 Euro), doch was sie nicht merkt, sie hat sich verrechnet. Die arme Pomperipossa verfällt in tiefe Trauer, die ideologischen Grundsätze ihres hochgepriesenen Wohlfahrtsstaates wurden zerstört. Mit einem Schlag wird ihr bewusst, wie zweifelhaft dieser eigentlich ist, doch sich ganz loszulösen gelingt ihr nicht. Sie sucht nach Wegen, wie ihr der Staat helfen könnte. Als ihr schließlich auffällt, in welch einem betagten Alter sie sich bereits befindet, fordert sie von der Regierung ihre Wohlfahrt an. Nun glaubt sich die Hauptdarstellerin in finanzieller Stabilität zur Ruh setzen zu können, und es umgibt sie sogar ein leichter Hauch von Gleichgültigkeit was den Staat betrifft. In einem, wahrscheinlich zeitlich versetzten, Postskriptum wird die Reaktion Pomperipossas auf die amtliche Ausrechnung ihrer Einkommenssteuer, welche zeigt, sie müsse eigentlich noch draufzahlen, geschildert. In einer aggressiven Wortwahl verlangt sie nach den von ihr selbst ausgerechneten 5000 Kronen. Die sie erfüllende Wut gegenüber dem Staat verleitet sie sogar dazu, an illegale Machenschaften zu denken.

Diese Worte, geschrieben von einer überaus bekannten Autorin und Sozialdemokratin, feuerten bei den alltäglichen Zeitungslesern in weiten Kreisen Schwedens die Glut der Unzufriedenheit an. Pünktlich zur baldigen Wahl des nächsten Reichstags, wohl gemerkt. Es war die Chance etwas zu verändern, nicht nur für Lindgren, sondern auch für alle, und jene wurde so sehr es nur möglich war genutzt. Die Kinderbuchautorin setzte sich stark für die Abwahl der bestehenden Regierungspartei ein und mit Worten wie „Fast ein halbes Jahrhundert herrscht die sozialdemokratische Partei; das grenzt schon an eine Diktatur mit Zustimmung des Volkes“ animierte sie die Bürger zum Umdenken. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, bürgerliche Parteien erhielten eine Mehrheit im Reichstag, sie bildeten eine Koalitionsregierung ganz ohne die Sozialdemokraten. Zusammen mit der Reduzierung des Wohlfahrtsstaates konnten auch die Steuern gesenkt werden.

Eine Demokratin blieb Astrid Lindgren weiterhin, doch der Glaube an den Sozialismus hat sie verlassen.

Jetzt mag der eine oder andere sagen, dass wir weder in Schweden noch im Jahre 1976 sind und dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Aber ist so ein leichter Perspektivenwechsel, ein Umdenken, Umparken, nicht immer und in allen Lebenslagen ratsam? Gerade in Zeiten von Finanzkrisen, Problemen mit der Staatsverschuldung und Flüchtlingsdiskussionen?

Hier finden Sie das ganze Märchen von Pomperipossa in voller Länge:
Märchen Pomperipossa

Autorin: Laura Thomanek, Schülerredakteurin bei epk media GmbH & Co. KG

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Entwurf eines Gesetzes zur Novellierung von Finanzmarktvorschriften aufgrund europäischer Rechtsakte (Finanzmarktnovellierungsgesetz)

Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen

court gavel on top of a law bookBerlin,  19. Oktober 2015 – Das Bundesministerium der Finanzen hat am 16. Oktober 2015 den Ländern und Verbänden den Referentenentwurf eines Gesetzes zur Novellierung von Finanzmarktvorschriften aufgrund europäischer Rechtsakte (Finanzmarktnovellierungsgesetz) zur Konsultation zugeleitet.

Das Finanzmarktnovellierungsgesetz setzt die Vorgaben der überarbeiteten Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) nebst der dazugehörigen Verordnung (MiFIR), der überarbeiteten Marktmissbrauchsrichtlinie und -verordnung (CSMAD, MAR), der EU-Verordnung über Zentralverwahrer (CSDR) und der Verordnung über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIP-VO) in nationales Recht um.

Zur Umsetzung dieser EU-Regelungen sind Anpassungen im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), Kreditwesengesetz (KWG) und Börsengesetz (BörsG) erforderlich. Hinzu kommen Änderungen U.A. im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) sowie zahlreiche geringfügige Folgeänderungen in anderen Vorschriften, da das Gesetz zum Anlass genommen wird, das WpHG zur besseren Übersichtlichkeit neu zu nummerieren.

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

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Catella untersucht BIG DATA in der Immobilienwirtschaft – Digitalisierung oftmals unterschätzt, Innovationssprünge erwartet

DatenFrankfurt, 19 Oktober 2015 – In einer aktuellen Studie „BIG DATA in der Immobilienwirtschaft – Chance oder Branchenbedrohung?“ haben die Analysten von Catella den Status Quo und die Zukunftsfähigkeit der europäischen Immobilienbranche vor dem Hintergrund der Digitalisierung untersucht. Die Umfrage bei 468 europäischen Immobilienunternehmen hat dabei interessante Ergebnisse zu Tage gefördert.

Zentrales Ergebnis: „Big Data wird als relevant und revolutionär angesehen für die zukünftige Entwicklung der Immobilienbranche“, so Dr. Thomas Beyerle, Chefanalyst von Catella. „Zwar produzieren alle befragten Unternehmen Daten zuhauf, doch nur ein geringer Teil setzt diese umfassend als Prozesselement in die Leistungserstellung, in die Prognose und strategische Planung ein“. Bei den meisten Unternehmen haben die Daten eher einen flüchtigen Charakter und sind nur teilweise auf die Gebäude selbst fokussiert. Doch gerade Immobilien werden mehr denn je zum Softwareproduzenten und wirken damit direkt auf die Unternehmen – obwohl Gebäude seit Jahrtausenden der Begriff für Hardware schlichthin waren.

Weitere wichtige Ergebnisse:

  • Die Mehrzahl der Unternehmen trifft aktuell Entscheidungen zu 60,4% auf Basis von Erfahrungswerten, lediglich ein Viertel (23,4%) gab an sich primär auf Datenbasis zu entscheiden. Die Kombination „Daten & Erfahrung“ wurde von 11,7% gewählt
  • Als größte Transparenzdefizite an den Immobilienmärkten werden gesehen „Keine standardisierten Daten/Erhebungsmethoden“ (34,2%), „keine zentrale Datenquelle“ (21,1% und „keine Datenlage auf Teilmarktebene“ (19,2%)
  • Gefragt nach den größten sektoralen Veränderungen durch die fortschreitende Digitalisierung, erwarten 30,5% der Befragten Strukturbrüche im Bereich Immobilieninvestment, gefolgt von 23,8% bei der Transaktionsberatung. Lediglich 5,7% erwarten eine messbare Veränderung im Bereich Immobilienfinanzierung
  • Das größte Potenzial von Big Data wird gesehen im Bereich der Verbesserung der Entscheidungsfindung (77 Nennungen), gefolgt von Transparenz an den Immobilienmärkten (67) sowie der Risikominimierung (57)

Gerade in der Differenzierung auf Gebäude-, Dienstleistungs- und Marktebene werden die Vorteile von Big Data sichtbar: Auf Gebäudeebene können große Mengen an technischen Daten aufgezeichnet und in Echtzeit analysiert werden. Auf der Dienstleistungsebene kann durch transparente Kundenprofile ein verbesserter und auf den Klienten zugeschnittener Kundenservice angeboten werden. Auf Marktebene können Finanz- und Investment- und Marktdaten ähnlich wie bei Big Data Anwendungen im Finanzsektor unterstützend zur Kaufentscheidung und Risikoeinschätzung verwendet werden, so die Autoren der Catella Studie.

Dies wird zu Veränderungen in den Prognoseverfahren führen, Fragen nach dem immobilienwirtschaften Outsourcing oder make or buy werden auf der Agenda der Entscheider ganz oben stehen. Nicht nur neue Berufsbilder wie z.B. der Data Scientist werden entstehen, eine veränderte Preisgestaltung oder eine personalisierte Immobilienwerbung stehen auf der Liste der Veränderungen in den kommenden Jahren, so die Analysten. „Gerade in der kundenorientierten Spezialisierung und transparenter Preisgestaltung sehen wir einen sehr großen Strukturbruch auf die Branche zukommen“, so Beyerle. Aber auch Fragen zu den Eigentumsstrukturen der Daten werden beantwortet werden müssen. Die Gefahr der Entstehung von Datenoligopolen in der Branche wirkt dabei latent.

Doch die Catella Analysten geben sich überzeugt, dass gerade in der Immobilienwirtschaft die Möglichkeiten von Innovationssprüngen durch vermehrten Dateneinsatz gewaltig sind. Dies setzt zwangsweise voraus, dass nicht nur profane Dinge wie Verfügbarkeit der Daten, einheitliche Standards oder schlicht Transparenz die Entwicklung fördern, sondern die Erkenntnis, dass Daten der Schlüssel zum langfristigen wirtschaftlichen Erfolg sind. Absehbar ist bereits heute, dass diese neuen digital orientierten Immobilienunternehmen eine neue Wettbewerbssituation ausrufen mit Alteingesessenen.

Weitere Ergebnisse entnehmen Sie bitte der Studie

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Abbildung: In welchem Sektor der Immobilienwirtschaft erwarten Sie die größten Veränderungen durch Big Data?

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Abbildung: Welches Potenzial bietet Ihrer Meinung nach der Einsatz von Big Data in der Immobilienwirtschaft?

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Quelle: Catella
Fotoquelle: © www.shutterstock.com

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DER GARANTIEZINS

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Was ist das und warum lässt man ihn verschwinden?

Landshut, 15.10.2015 – Am 30.10 ist es wieder mal so weit, der internationale Weltspartag steht an und mit ihm die unterschiedlichsten Angebote verschiedener Banken und Versicherungen. Manch ein Institut macht aus dem einen Tag gleich eine ganze Woche, wäre auch nicht anders zu erwarten im „Land der Sparer“.

Jeder Deutsche hat im Schnitt mindestens eine Lebensversicherung abgeschlossen und erhofft sich, nach regelmäßigem Sparen, eine durch den Garantiezins bestimmte Rendite. Doch bekommt er sie wirklich? Was genau ist überhaupt dieser Garantiezins, dass er die Bevölkerung unter anderem dazu verleitet, über 90 Millionen Verträge zu unterzeichnen?

Es handelt sich hierbei um den Zinssatz, der für den Sparanteil gilt und nicht auf die gesamte Versicherungsprämie gewährt wird. Dieser Garantiezins lag bis 2004 bei über 3 Prozent und fiel dann konstant auf 1,25 Prozent in diesem Jahr. Die derzeitige Finanzkrise stellt jedoch ein Problem dar für die Auszahlung jener prozentual hoch angesetzten Versicherungen, da diese nicht mehr zu erwirtschaften sind. So will der Gesetzgeber den Garantiezins, auch Höchstrechnungszins genannt, bis zum nächsten Jahr rechtlich gesehen abschaffen.

Die Einführung von Solvency II Anfang 2016, wodurch die Versicherungsaufsichtsgesetze geändert werden, spielt in diesem Konflikt eine überaus wichtige Rolle. Demnach wird der Garantiezins als Aufsichtsmaßnahme nicht mehr weiter gebraucht, doch war gerade dieser für die meisten Anleger einer Lebensversicherung der entscheidende Punkt. Wer schon eine solche Versicherung hat, muss sich vor Veränderungen nicht fürchten, denn diese betreffen lediglich die zukünftigen Anleger. Diese wird es aber umso härter treffen, denn wenn jeder Versicherer den Zins erst selbst bestimmen kann, ist der Markt kaum noch zu überblicken. Schon steigt der Konkurrenzkampf, der Wettbewerb beginnt und nur die stärksten Versicherer können dabei gewinnen. Dass die Kundschaft sich auch weiterhin auf ihre Verzinsung verlassen möchte, wird dabei nicht übersehen. Denn Fakt ist, die Garantiezusage zu einem festen Zinssatz beruht nicht allein auf einer staatlichen Verordnung, sondern könnte aus ebendiesen Wettbewerbsgründen von einer besonders finanzstarken Versicherung freiwillig vertraglich mit dem Kunden vereinbart werden.

Ob man dann nach all den Abänderungen noch den Sparwillen der Deutschen weiterhin an der großen Zahl abgeschlossener Lebensversicherungen messen kann, bleibt abzuwarten bis zum nächsten Weltspartag.

Laura Thomanek, Schülerredakteurin

Link zur Musterseite im Magazin „economissimus“:
Der Garantiezins Artikel

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Eine etwas andere Finanzkrise

©pixelio.de, Fotograf: Joujou

Landshut, 15.10.2015 – Das 17. Jahrhundert ist das goldene Zeitalter Hollands. Ein reicher Kaufmann erwarb eine Tulpenzwiebel für etwa 500 Gulden. Selbstverständlich diente sie nur zur Verzierung. Als ihm kurz danach ein Bootsmann Waren lieferte, lud er diesen zu einem Essen ein. Der Bote fand einen prächtig gedeckten Tisch vor, von dem er einen frischen Hering und eine Kanne Bier speiste. Nun sah er die Zwiebel liegen, hielt sie für eine gewöhnliche und verzehrte sie in aller Ruhe zu einem weiteren Hering. Diese Mahlzeit kostete den Kaufmann ein kleines Vermögen. Man spricht von der Zeit des Tulpenwahnsinns.

Zeitleiste_TulpenzwiebelDer Auslöser ist im Jahr 1593 zu vermerken, als der Franzose Charles de L’Écluse eine Tulpenzwiebel in die Niederlande importiert hatte. Wenige Jahre später wurden Wohlhabende auf die ursprünglich türkische Pflanze aufmerksam. Sie legten sich private Gärten zu, in denen die Tulpenzwiebeln gezüchtet wurden. Hier traf man sich, unterhielt sich begeistert über diese neuen, exotischen Exemplare, und es entstand ein Tauschgeschäft zwischen den Züchtern.

Aufgrund der hohen Beliebtheit sowie der Seltenheit der Tulipan, entwickelte sie sich zu einem finanziell kostbaren Gut. Künstler ließen die Zwiebel mit in ihre Werke einfließen, andere sammelten sie in Wunderkammern, ein Sammlungskonzept der frühen Museumsgeschichte. Anfang der 1630er Jahre waren erste Preisanstiege zu bemerken, bis die Preise in den Folgejahren
auf ein extrem hohes Niveau explodierten. Die „Semper Augustus“, eine besondere Tulpenzwiebel, war 1624 noch für
1000 Gulden zu erwerben, 1637 benötigte man dafür die 30-fache Menge an Geld. Die teuersten Tulpen kosteten bis zu
30.000 Gulden. Zum Vergleich: Ein Haus bekam man zu diesem Zeitpunkt für 10.000 Gulden, und das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug etwa 150 Gulden.

Spätestens 1634 betraten Spekulanten den Markt, die Tulpen nicht nur in der Hoffnung kauften, sie zu späterer Zeit selbst in ihren Garten zu setzen, sondern sie erwarben, um diese bei steigenden Preisen mit Gewinn zu verkaufen. Solange die Preise stiegen, konnte man quasi nur gewinnen. Auf diese Weise wurden damals viele zum Millionär. Bis am 5. Februar 1637 bei einer der regelmäßigen Versteigerungen keine der angebotenen Pflanzen zu dem erwarteten Preis verkauft werden konnte. Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem das Angebot größer als die Nachfrage war. Die Folgen waren logisch: Binnen weniger Tage brach in den gesamten Niederlanden der Markt zusammen. Der Wert der Tulpen fiel um 95 Prozent. Alle versuchten vergebens ihre Tulpen loszuwerden, Kredite konnten nicht mehr zurückgezahlt werden und wurden nicht mehr gewährt. Viele Händler verloren ihr gesamtes Vermögen, wenn sie es in Tulpen investiert hatten.

Es ist der erste Wirtschaftscrash der Geschichte, bei dem die Wirtschaft in Holland für mehrere Jahre zum Erliegen kam.
Der Staat verbot, die Tulpenzwiebel als Wertobjekt zu handeln und untersagte jede weitere Spekulation. Die Blumenhändler und Gemeinden veranstalteten Treffen und versuchten, einen Weg aus der Krise zu finden. Es wurde Hilfe vom Staat gefordert. Doch dieser entschied sich dazu, nicht zu helfen. Der Staat vertrat die Meinung, dass die Händler selbst ihre Schuld tragen sollen.
Hätte man sich da wohl besser für 2500 Gulden, dem durchschnittlichen Preis einer Tulpe, 15.000 Kilogramm Weizen, 24.000 Kilogramm Roggen, vier fette Ochsen, acht fette Schweine, zwölf fette Schafe, 400 Liter Wein, 4000 Liter Bier, zwei Fässer Butter, 1.000 Pfund Käse, ein Bett, einen Anzug und einen silbernen Trinkbecher anstatt einer einzigen Tulpenzwiebel gekauft.

Philipp Brunner, Schülerredakteur

 

 

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Zwei Finanzbetrüger

Geldanlage

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Landshut, 15.10.2015 – Stellen Sie sich vor: Sie treffen einen guten Freund, um mit ihm ein wenig über interessante Neuigkeiten zu plaudern. Dieser berichtet Ihnen begeistert von einem neuen Anlagesystem eines angesehenen Börsenmaklers, der eine Investmentfirma besitzt. Weiterhin erzählt er stolz, dass er nun sein gesamtes Vermögen bei diesem Makler angelegt hat, der dieses wiederum in Aktien investiert. Jedem Anleger werden 15 % Zinsen versprochen und Sie werden sofort gefragt, ob Sie Ihr Geld nicht auch dort anlegen möchten? Schließlich kann man sein Kapital in kurzer Zeit ohne Aufwand um einen beeindruckenden Prozentsatz vermehren – was würden Sie antworten?

Mit diesem Ansatz wurden ab Ende des 20. Jahrhunderts Tausende, vor allem wohlhabende Bürger zum Anlegen verführt. Die Rede ist vom amerikanischen Milliardenbetrüger sowie ehemaligen Finanzmakler Bernard Madoff. Er wurde 1938 in New York City geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, nachdem das Sportgeschäft seines Vaters pleite ging. 1960 gründete er die Investment Securities, eine Investmentfirma, die Anlagegelder von vermögenden Kunden verwaltete und in Aktien anlegte. Viele wohlhabende Stiftungen vertrauten Madoff ihr Geld an, da er und seine Frau Spender für zahlreiche wohltätige und kulturelle Einrichtungen sowie Mitglieder im Vorstand vieler Theater, Stiftungen und Colleges waren. Dadurch wurde er als äußerst vertrauenswürdig eingestuft. Doch es sollte zu dem ersten wirklich globalen Betrugsfall kommen. Der Auslöser hierfür ist im Jahr 1987 zu vermerken, als der Aktienmarkt infolge des Börsencrashes still stand. Madoff hatte zu viel Geld von anderen Leuten, aber zu wenige Möglichkeiten, es sinnvoll zu investieren. Somit packte er das Geld in Staatsanleihen mit 2 Prozent pro Jahr – versicherte seinen Anlegern weiterhin Renditen von 15 Prozent. Von da an bezahlte er versprochene Gewinne aus immer neuen Kundeneinlagen aus. Heute würde man diese Strategie als „Ponzi scheme“ oder Schneeballsystem bezeichnen. Als 2007 einer seiner Kunden im Zuge der Finanzkrise mehrere Milliarden an Einlagen zurückforderte, brach sein System zusammen. Ende 2008 wurde er verhaftet. Rund 51 Milliarden Euro und 4800 Geschädigte sind die Bilanz. Deutschland musste einen Schaden von über einer Milliarde Euro hinnehmen. Der Fall betraf im April 2009 weltweit rund drei Millionen Personen direkt oder indirekt. Etwa 45.000 Anwälte sollen sich zu dieser Zeit mit dem Fall befasst haben. Bernard Madoff wurde schließlich am 29. Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Der heute 75-Jährige ist inzwischen ein beliebter Häftling, da er Mitgefangenen clevere Anlagetipps gibt.

Aber Finanzbetrüger gab es zu jeder Zeit. Ein zum Teil vergleichbarer Fall ist der der Adele Spitzeder. Sie wurde 1832 in Berlin geboren, besuchte teure Privatschulen und lebte über ihre Verhältnisse in verschiedenen Hotels. Verschuldet und ohne Einkommen versuchte sie sich als Bankerin. Aus dem Augenblick heraus versprach sie einem Zimmermann zehn Prozent Zinsen im Monat für 100 Gulden und zahlte ihm die ersten beiden Monatszinsen sofort aus. Dies sprach sich schnell herum, wodurch weitere einfache Leute ihr Geld zu diesen Konditionen bei ihr anlegen wollten. Adele gründete mit ihrer Lebensgefährtin die Spitzedersche Privatbank in München, die in kürzester Zeit zum Großunternehmen wurde. Wie Madoff verschaffte sie sich mit großzügigen Spenden Vertrauen, lockte mit hohen Zinssätzen und lebte verschwenderisch. Auch das System war dasselbe. Angeforderte Auszahlungen wurden mit dem Geld, das Andere angelegt hatten, ausbezahlt. Im Gegensatz zu Madoff, war ihr Unternehmen ein einziges Chaos. Das Geld lag sackweise in ihrer Villa, unqualifizierte Mitarbeiter bedienten sich laufend daran, und eine Buchführung gab es nicht. Ebenso die Dauer des Betrugs ist sehr unterschiedlich. Während Madoff mindestens 15 Jahre lang sein Schneeballsystem halten konnte, brachte Spitzeder es gerade einmal auf drei Jahre. Denn Gegner von ihr brachten 60 Gläubiger dazu, gleichzeitig ihr Geld zurückzufordern. Die Bank brach zusammen, insgesamt wurden 31.000 Anleger um acht Millionen Gulden geprellt, was heute einem Wert von 3,5 Millionen Euro entsprechen würde. Manche begangen Selbstmord. Auch Gemeinden waren ruiniert. Parallel dazu stürzten Bankensysteme und Wirtschaft in die Gründerkrise. Am 12. November 1872 wurde Adele Spitzeder zu drei Jahren Haft verurteilt. Nachdem sie ihre Strafe abgesessen hatte, trat sie unter dem Namen Adele Vio als Volkssängerin auf, bis sie im Oktober 1895 an Herzversagen starb.

Was würden Sie jetzt auf die Frage Ihres Freundes antworten?

Philipp Brunner, Schülerredakteur

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Wer braucht schon Finanzwissen?

FrageViele sagen schließlich, ich will Arzt oder Musiker werden, was habe ich da mit Finanzen am Hut. Das wirkt zwar auf den ersten Blick so, der Gedanke ist aber falsch. Denn der niedergelassene Arzt ist nicht nur Mediziner, sondern auch Unternehmer mit zahlreichen Angestellten. Und ein freiberuflicher Musiker sollte auch die Finanzen im Griff haben, sonst ist bald Schluss mit lustig. Oft hört man, dass Schauspieler oder andere Promis pleite sind. Sie haben vergessen, Steuern zu zahlen oder sich an den kostspieligen Lebenswandel erfolgreicher Zeiten gewöhnt!

Erste Grundregel heißt immer:
Nicht mehr auszugeben als man einnimmt!
Zweite Grundregel:
Alle Geldempfehlungen nachprüfen, die Fremde und auch Freunde einem geben! Nur was man selbst versteht und nachvollziehen kann, ist für eine Finanzanlage geeignet! Wenn du beraten wirst, achte immer auf das Eigeninteresse des Finanzberaters.
Dritte Grundregel:
Setze dich mit deinen Finanzen immer selbst auseinander, auch wenn es dich nervt! Es ist zwar nicht sicher, ob alles mit den Finanzen dann klappt. Aber du verhinderst, besch… zu werden. Du kannst das!

Deshalb ist in allen Berufen und auch im Privaten Finanzwissen Pflicht. Und deshalb sagt die Stiftung Finanzbildung: Finanzbildung ist systemrelevant!

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