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Category Archives: Historie

Islamic Banking

– Banking nach Allahs Vorstellungen Iran_bazar

Diejenigen, die Zins nehmen, werden nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist (so dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann). Dies wird ihre Strafe dafür sein, dass sie sagen: ‚Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.‘ Aber Gott hat das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.

Der Koran, Sure 2,275

Es gibt heute im Jahr 2016 ca. 1,6 Milliarden Muslime auf dieser Welt, womit sie ungefähr 23 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, wie eine Studie der Universität von Puerto Rico zeigt. Da es im Islam recht strenge Regeln zum Umgang mit Geldgeschäften gibt, haben sich viele – meist westliche – Großbanken lange davor gedrückt diesen Markt zu erschließen. Mittlerweile kommen die größten Staatsfonds der Welt aus islamischen Staaten. Der weltweit größte Staatsfonds ist der ADIA-Staatsfonds (aus den Vereinigten Arabischen Emiraten) mit etwa 875 Milliarden Dollar. Da in den letzten Jahren hohe Beteiligungen an westlichen Unternehmen und Konzerne aufgefallen sind, steigt das Interesse für das Scharia-konforme Investment stark.

Die erste Islam-Bank ist in den 70er Jahren entstanden, heute geht man von etwa 300 Banken in 75 Ländern aus, die den Regeln des Islams entsprechen. Das Global Islamic Finance Magazine spricht von einem weltweit zu verwaltenden Gesamtvermögen von 1,2 Billionen Dollar. Auch internationale Banken wie die Deutsche Bank, die Citibank oder HSBC beteiligen sich am Islamic Banking.
Die Regeln, die dabei befolgt werden müssen, sind streng. In erster Linie gibt es das Zinsverbot im Islam, aber auch Unternehmen, die mit Alkohol, Tabak, Waffen, Glückspiel und/oder Pornografie handeln, sind tabu. In Islamischen Finanzmodellen gilt das Gebot der Risikoteilung, Finanzprodukte müssen so konzipiert sein, dass ein Gewinn für die Übernahme des Risikos gezahlt werden kann. Investitionen sollen der Gemeinschaft dienen. Investments müssen von anerkannten islamischen Gelehrten das Einhalten dieser Regeln attestiert bekommen, um als „halal“, also erlaubt, zu gelten.

Die Schwierigkeiten, die für in europäischen Staaten wie Deutschland oder Frankreich lebende Muslimen entstehen, sind weitgreifend. Verzinste Sparkonten und verzinste Kredite sind verboten. Selbst Immobilienfinanzierungen und Versicherungen sind problematisch. Mit der Zeit wurden von Islam-Banken Möglichkeiten gefunden, eine Produktpalette anbieten zu können, die den Regeln des Islams entspricht und trotzdem regulären Anlageprodukten nahekommt.

Scharia-konforme Finanzinstrumente:

Takaful: Ist ein Konzept der Versicherung, das auf Gemeinwohl ausgelegt ist. Es wird nur eine Gebühr an den Betreiber abgegeben, was übrigbleibt, wird wieder ausgezahlt, bei Verlusten muss jeder Versicherte Geld nachzahlen. Damit dient es der Vorsorge und der Absicherung von Risiken.

Sukuk: Sind Anleihen ähnliche Beteiligungen, die sich an das Zinsverbot halten. Die meist nur in großer Stückzahl für Großinvestoren angeboten werden.

Murabaha: Ist die islamische Form der Finanzierung. Die Bank agiert als Zwischenhändler, sie kauft also die Immobilie und verkauft sie dann an den eigentlichen Käufer mit einem Aufschlag weiter. Da das Zinsgeschäft zu einem Handelsgeschäft wird, entspricht es der Scharia. Der Nachteil ist, dass in Deutschland in diesem Fall zweimal Immobiliensteuer gezahlt werden muss.

Muscharaka: Wird zur Projektfinanzierung eingesetzt. Ein Partner, der sich an der Finanzierung beteiligt, wird in Raten ausgezahlt und erhält zusätzlich eine Gebühr. So kann das Zinsverbot eingehalten werden.

Mudaraba: Entspricht der Beteiligungsfinanzierung. Der Kapitalgeber hat keinen Einfluss auf die Geschäftsführung und wird mit einem Anteil am Gewinn ausbezahlt. Dazu muss eine detaillierte Bewertung im Vorfeld vorgenommen werden.

Idschara: Ist eine Art Leasingsystem. Der finanzierte Gegenstand wird für eine Gebühr überlassen, bleibt aber im Eigentum des Finanziers, der Leasingnehmer wird lediglich Nutzer.

Qard Hassan: Bezeichnet eine Islam-konforme Geldverleihung bei der keine Gebühren oder Zinsen anfallen. Wird meist nur in Engpässen als mildtätige Leihgabe angeboten.

Zusätzlich macht das Gebot, dass einem Geldgeschäft immer realwirtschaftliche Werte zugrunde liegen müssen, das Islamic Banking, besonders nach einigen Talfahrten der Börse, verbrieften Ramschhypoteken und riskanten Kreditderivaten, auch für Nicht-Muslime zusehends attraktiver. Es gibt in Deutschland keine islamisch geprägte Bank, die das ganz Programm anbietet, aber die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat sich bereits mehrfach offen für Islamic Banking gezeigt.

David Stegmaier, Schülerredakteur

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Finanzhistorie – Die Formel der Superreichen

©shutterstock.de

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Das sind sie, die fünf reichsten Menschen weltweit im Jahr 2016 (nach Vermögen in Milliarden US-Dollar):

Platz 1: Bill Gates (USA): 76,4
Platz 2: Armancio Ortega (Spanien): 73,2
Platz 3: Warren Buffet (USA): 66,2
Platz 4: Jeff Bezos (USA): 63,1
Platz 5: Mark Zuckerberg (USA): 51,2

Keine große Überraschung also, Bill Gates führt die Liste ja bereits seit Jahren an. In Deutschland hingegen gab es heuer einen Wechsel auf dem Thron des reichsten Deutschen!

Das US-Magazin „Forbes“ krönte Georg Schäffler zum reichsten Deutschen mit einem Vermögen von 26,9 Milliarden US-Dollar.

Doch einer stellt die Superreichen von heute in den Schatten: Jakob Fugger! Auf heutige Verhältnisse hochgerechnet betrug sein Vermögen rund 400 Milliarden US-Dollar. Was erlaubte es Jakob Fugger, innerhalb einer relativ kurzen Zeit so unermesslich reich zu werden? Gibt es eine Formel, die die Milliardäre verbindet?

Nun ja, es gibt zumindest einige Parallelen, die Jakob Fugger mit den heutigen Milliardären verbindet. Sie alle verbringen eine große Managementleistung und schaffen es, ihre Mitarbeiter dadurch zu Höchstleistungen anzutreiben. Außerdem scheuen sie sich alle nicht, zu spekulieren, denn durch Arbeit allein sind sie nicht so reich geworden! Oft muss man in kritischen Momenten extreme Risiken eingehen. Diese Spekulationen gingen bei den obigen Milliardären auch manchmal schief, doch meistens gewannen sie und häuften so ein gigantisches Vermögen an!

Einiges davon lässt sich für eigene Investments übernehmen, aber letztendlich muss man bedenken: Es gehört auch ein Quäntchen Glück dazu, ein solch gigantisches Vermögen aufzubauen.

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Das Steuermärchen von Astrid Lindgren – Heute aktueller denn Je

Astrid Lindgren

Astrid Lindgren

Landshut, 10.11.2015 – Sie ist schon fast zwei Jahre alt und alle kennen sie, den einen begeistert sie noch weiterhin, andere bekommen schon langsam genug von ihr. Ein einziges Wort reicht, damit die meisten jedenfalls an genau dasselbe denken. Umparken. Einfacher und effizienter könnte eine Werbung nicht sein. Da hat sich das Marketing-Team von Opel aber was wirklich Feines ausgedacht. Einen anderen Blickwinkel ausprobieren, ganz und gar gegen die allgemein verbreitete Meinung soll man sich tatsächlich seine eigene bilden. Schließlich könnte der Vorhandene falsch sein. Solch eine Situation gab es schon einmal, nur in einem unserer Nachbarstaaten und zu einem viel früherem Zeitpunkt.

1976. Das Jahr, in dem die Politik der Schweden sich radikal änderte. Über vier Jahrzehnte hinweg kassierte die Regierung im Norden von ihren Bürgern Steuern. Hohe Steuern. Einigen waren die 85 Prozent an Spitzeneinkommenssteuer schon zu viel, aber Mitglieder der dort herrschenden Sozialdemokraten hießen das sogar noch gut. Jeder müsse schließlich seinen Teil zum Wohlfahrtsstaat beitragen. Doch ein neues Steuergesetz sollte alsbald auch jene Meinungen ändern. Ab sofort mussten Selbstständige, genau wie Arbeitsnehmer, zusätzliche Sozialabgaben leisten. In diesen Bereich fielen ebenfalls Schriftsteller, wie Schwedens wohl bekannteste Autorin Astrid Lindgren. Diese hat sich damals, der neuen Regelung gemäß, eine Gesamtabgabe von 102 Prozent ihres Einkommens ausgerechnet, was dann selbst der überzeugten Sozialdemokratin nicht mehr ganz geheuer war. Lindgren erkannte, dass die vorherrschende Regierungspartei ihre zugeteilte Macht in allen Maßen ausnutzte. Diese neu gewonnene Erkenntnis behielt sie natürlich nicht für sich, sondern veröffentlichte ihren Standpunkt in Form einer Satire, in der am weitesten verbreiteten schwedischen Zeitung, dem „Expressen“.

Sie schrieb ein Märchen, wie sie es selbst nannte, in dem unschwer zu erkennen ist, dass es eigentlich um Astrid Lindgren und ihre Enttäuschung gegenüber dem Staat geht. Somit ist auch die Protagonistin Pomperipossa eine erfolgreiche Kinderbuchautorin und nicht nur in ihrem Fantasieland Monismanien bekannt. Sie ist, ebenso wie ihre Erschafferin, rundum glücklich mit ihrem Leben. Zahlt fleißig alle Steuern und erfindet immer wieder neue Geschichten. Bis der Märchenfigur eines Tages zu Ohren kommt, dass die Regierung 102 Prozent ihres Einkommens verlangen könnte, da jene schließlich sehr viel verdiene. Prompt rechnet sie sich aus, wie viel für sie wohl noch übrig bleiben mag (5000 Kronen, also ungefähr 500 Euro), doch was sie nicht merkt, sie hat sich verrechnet. Die arme Pomperipossa verfällt in tiefe Trauer, die ideologischen Grundsätze ihres hochgepriesenen Wohlfahrtsstaates wurden zerstört. Mit einem Schlag wird ihr bewusst, wie zweifelhaft dieser eigentlich ist, doch sich ganz loszulösen gelingt ihr nicht. Sie sucht nach Wegen, wie ihr der Staat helfen könnte. Als ihr schließlich auffällt, in welch einem betagten Alter sie sich bereits befindet, fordert sie von der Regierung ihre Wohlfahrt an. Nun glaubt sich die Hauptdarstellerin in finanzieller Stabilität zur Ruh setzen zu können, und es umgibt sie sogar ein leichter Hauch von Gleichgültigkeit was den Staat betrifft. In einem, wahrscheinlich zeitlich versetzten, Postskriptum wird die Reaktion Pomperipossas auf die amtliche Ausrechnung ihrer Einkommenssteuer, welche zeigt, sie müsse eigentlich noch draufzahlen, geschildert. In einer aggressiven Wortwahl verlangt sie nach den von ihr selbst ausgerechneten 5000 Kronen. Die sie erfüllende Wut gegenüber dem Staat verleitet sie sogar dazu, an illegale Machenschaften zu denken.

Diese Worte, geschrieben von einer überaus bekannten Autorin und Sozialdemokratin, feuerten bei den alltäglichen Zeitungslesern in weiten Kreisen Schwedens die Glut der Unzufriedenheit an. Pünktlich zur baldigen Wahl des nächsten Reichstags, wohl gemerkt. Es war die Chance etwas zu verändern, nicht nur für Lindgren, sondern auch für alle, und jene wurde so sehr es nur möglich war genutzt. Die Kinderbuchautorin setzte sich stark für die Abwahl der bestehenden Regierungspartei ein und mit Worten wie „Fast ein halbes Jahrhundert herrscht die sozialdemokratische Partei; das grenzt schon an eine Diktatur mit Zustimmung des Volkes“ animierte sie die Bürger zum Umdenken. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, bürgerliche Parteien erhielten eine Mehrheit im Reichstag, sie bildeten eine Koalitionsregierung ganz ohne die Sozialdemokraten. Zusammen mit der Reduzierung des Wohlfahrtsstaates konnten auch die Steuern gesenkt werden.

Eine Demokratin blieb Astrid Lindgren weiterhin, doch der Glaube an den Sozialismus hat sie verlassen.

Jetzt mag der eine oder andere sagen, dass wir weder in Schweden noch im Jahre 1976 sind und dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Aber ist so ein leichter Perspektivenwechsel, ein Umdenken, Umparken, nicht immer und in allen Lebenslagen ratsam? Gerade in Zeiten von Finanzkrisen, Problemen mit der Staatsverschuldung und Flüchtlingsdiskussionen?

Hier finden Sie das ganze Märchen von Pomperipossa in voller Länge:
Märchen Pomperipossa

Autorin: Laura Thomanek, Schülerredakteurin bei epk media GmbH & Co. KG

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Eine etwas andere Finanzkrise

©pixelio.de, Fotograf: Joujou

Landshut, 15.10.2015 – Das 17. Jahrhundert ist das goldene Zeitalter Hollands. Ein reicher Kaufmann erwarb eine Tulpenzwiebel für etwa 500 Gulden. Selbstverständlich diente sie nur zur Verzierung. Als ihm kurz danach ein Bootsmann Waren lieferte, lud er diesen zu einem Essen ein. Der Bote fand einen prächtig gedeckten Tisch vor, von dem er einen frischen Hering und eine Kanne Bier speiste. Nun sah er die Zwiebel liegen, hielt sie für eine gewöhnliche und verzehrte sie in aller Ruhe zu einem weiteren Hering. Diese Mahlzeit kostete den Kaufmann ein kleines Vermögen. Man spricht von der Zeit des Tulpenwahnsinns.

Zeitleiste_TulpenzwiebelDer Auslöser ist im Jahr 1593 zu vermerken, als der Franzose Charles de L’Écluse eine Tulpenzwiebel in die Niederlande importiert hatte. Wenige Jahre später wurden Wohlhabende auf die ursprünglich türkische Pflanze aufmerksam. Sie legten sich private Gärten zu, in denen die Tulpenzwiebeln gezüchtet wurden. Hier traf man sich, unterhielt sich begeistert über diese neuen, exotischen Exemplare, und es entstand ein Tauschgeschäft zwischen den Züchtern.

Aufgrund der hohen Beliebtheit sowie der Seltenheit der Tulipan, entwickelte sie sich zu einem finanziell kostbaren Gut. Künstler ließen die Zwiebel mit in ihre Werke einfließen, andere sammelten sie in Wunderkammern, ein Sammlungskonzept der frühen Museumsgeschichte. Anfang der 1630er Jahre waren erste Preisanstiege zu bemerken, bis die Preise in den Folgejahren
auf ein extrem hohes Niveau explodierten. Die „Semper Augustus“, eine besondere Tulpenzwiebel, war 1624 noch für
1000 Gulden zu erwerben, 1637 benötigte man dafür die 30-fache Menge an Geld. Die teuersten Tulpen kosteten bis zu
30.000 Gulden. Zum Vergleich: Ein Haus bekam man zu diesem Zeitpunkt für 10.000 Gulden, und das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug etwa 150 Gulden.

Spätestens 1634 betraten Spekulanten den Markt, die Tulpen nicht nur in der Hoffnung kauften, sie zu späterer Zeit selbst in ihren Garten zu setzen, sondern sie erwarben, um diese bei steigenden Preisen mit Gewinn zu verkaufen. Solange die Preise stiegen, konnte man quasi nur gewinnen. Auf diese Weise wurden damals viele zum Millionär. Bis am 5. Februar 1637 bei einer der regelmäßigen Versteigerungen keine der angebotenen Pflanzen zu dem erwarteten Preis verkauft werden konnte. Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem das Angebot größer als die Nachfrage war. Die Folgen waren logisch: Binnen weniger Tage brach in den gesamten Niederlanden der Markt zusammen. Der Wert der Tulpen fiel um 95 Prozent. Alle versuchten vergebens ihre Tulpen loszuwerden, Kredite konnten nicht mehr zurückgezahlt werden und wurden nicht mehr gewährt. Viele Händler verloren ihr gesamtes Vermögen, wenn sie es in Tulpen investiert hatten.

Es ist der erste Wirtschaftscrash der Geschichte, bei dem die Wirtschaft in Holland für mehrere Jahre zum Erliegen kam.
Der Staat verbot, die Tulpenzwiebel als Wertobjekt zu handeln und untersagte jede weitere Spekulation. Die Blumenhändler und Gemeinden veranstalteten Treffen und versuchten, einen Weg aus der Krise zu finden. Es wurde Hilfe vom Staat gefordert. Doch dieser entschied sich dazu, nicht zu helfen. Der Staat vertrat die Meinung, dass die Händler selbst ihre Schuld tragen sollen.
Hätte man sich da wohl besser für 2500 Gulden, dem durchschnittlichen Preis einer Tulpe, 15.000 Kilogramm Weizen, 24.000 Kilogramm Roggen, vier fette Ochsen, acht fette Schweine, zwölf fette Schafe, 400 Liter Wein, 4000 Liter Bier, zwei Fässer Butter, 1.000 Pfund Käse, ein Bett, einen Anzug und einen silbernen Trinkbecher anstatt einer einzigen Tulpenzwiebel gekauft.

Philipp Brunner, Schülerredakteur

 

 

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Von den Goldenen Zwanzigern direkt in die Krise

Oldtimer_Kletr_bea_alt_farbeLandshut, 03.09.2015 – Der Begriff „Goldene Zwanziger“ bezieht sich auf den Zeitabschnitt zwischen 1924 und 1929. Veranschaulicht wird der wirtschaftliche Aufschwung der weltweiten Konjunktur und steht außerdem für eine Blütezeit der deutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft. Das Ende der Goldenen Jahre kam mit der Weltwirtschaftskrise 1929.

Entwicklung ging von den USA aus. Die Unterhaltungsindustrie wuchs, Konzerte, Kino und Theater sowie Luxusgüter wie z. B. Autos wurden billiger und somit für jeden erschwinglich. Musik wie Klassik, Schlager und Jazz erfreuten sich großer Beliebtheit.

Auch Sport füllte die Freizeit der Bevölkerung. Durch Ratenzahlungen wurden die Schuldenprobleme gemindert. Die Frau war zu dieser Zeit in immer mehr Berufen anzutreffen. Die Arbeitszeiten wurden verkürzt, sodass man mehr Zeit für Familie und Kinder hatte, und es entstand eine neue Lust zu leben, jedoch auch nur für die Ober- und Mittelschicht. Die sozial Benachteiligten lebten auch in den Zwanzigern in Not und Armut.

Nach diesem anfänglichen Wohlstand traf Deutschland die Wirtschaftskrise. Grund dafür waren unter anderem die instabile Währung sowie die hohen Reparationszahlungen, die geleistet werden mussten. Dies war nur durch Aufnahme von Krediten möglich, die man aber nicht zurückzahlen konnte. Vor allem stellten die kurzfristigen Kredite ein großes Problem dar, da sie innerhalb von drei Monaten zurückgezahlt werden mussten. Bis 1929 wurden diese aber regelmäßig verlängert. Auch das Warenangebot überstieg immer mehr die Nachfrage. Die Krise in Deutschland machte sich auch im Ausland bemerkbar. Vor allem in den USA, wo es am 29. Oktober 1929 zum Börsencrash kam.

Die Warnsignale für die weitere Entwicklung der Krise wurden zwar wahrgenommen, blieben jedoch vorerst unberücksichtigt. In den Zwanziger Jahren stieg der Dow Jones auf bis zu 331 Punkten (1923 lag er bei 100 Punkten). Man glaubte an einen ewigen Wohlstand. Aufgrund dieser Fehleinschätzung spekulierten neben den Großanlegern und den Firmen auch etliche Kleinanleger, die viel riskierten. Millionen Menschen nahmen kurzfristig hohe Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen. Diese erhofften sich, alles mit dem daraus fließenden Gewinnen zurückzahlen zu können. Die jetzt existierende Börsenaufsicht und die entsprechenden Gesetze gab es zu dieser Zeit noch nicht. Heutzutage wird der Handel beispielsweise bei einem Kursabsturz bestimmter Aktien kurzzeitig gestoppt, um die Lage stabilisieren zu können. Warnungen, die im Vorfeld stattfanden, wurden als Schwarzmalerei abgetan. Dementsprechend wurde noch am 16. Oktober verkündet, dass der Höhenflug der Aktienkurse weiterhin bestehen bleiben wird. Erst als der Dow Jones innerhalb von drei Tagen deutlich niedriger wurde, brach Nervosität aus. Das Risiko, das man eingegangen ist, war nicht mehr zu vertreten. Bis zum 19. Oktober hatte der Dow Jones 15 Prozent verloren. Banken und Investmentfirmen begannen mit Stützungskäufen (=nicht auf Gewinn zielende Anlage, dient der Stabilisierung des betreffenden Marktes). Die Kleinanleger gingen es vorerst noch gelassen an. Die Kurse lagen zu diesem Zeitpunkt noch auf hohem Niveau, setzten jedoch immer weiter zurück. Es folgte eine Woche voll Hektik und Angst.

Am 24. Oktober 1929 begann der Handel erst ruhig, was sich gegen 11 Uhr schlagartig und ohne erkennbaren Auslöser änderte. Vermutet wird jedoch, dass der Rückzug der britischen Investitionen an der Wall Street, durch den Bankrott des Londoner Spekulanten Clarence Hatry, ausschlaggebend war. Als die europäischen Börsen davon erfuhren, reagierten diese zunächst optimistisch, da sie erwarteten, dass die amerikanischen Kreditgeber künftig ihr Geld wieder nach Europa verleihen würden, anstatt es an der Wall Street zu investieren. In den kommenden Tagen stürzten die Kurse immer rasanter bis zum endgültigen Crash – den Schwarzen Freitag. Viele Anleger blieben hoch verschuldet zurück, zudem mussten einige Firmen Bankrott anmelden. Das Ganze führte zu Massenentlassungen. In Europa brachen die Aktienmärkte ebenfalls zusammen. Gravierend war die Tatsache, dass viele Länder noch Schulden gegenüber den USA hatten und diese ihr Geld zurückzogen. Die Weltwirtschaftskrise setzte ein. Die Deutschen traf es am härtesten, da sie nicht nur hoch verschuldet waren, sondern auch durch die darauf folgende Sparpolitik mit einer Deflation zu kämpfen hatten. Um zukünftig einen derartigen Börsencrash zu vermeiden, richtete der Kongress einen Untersuchungsausschuss ein, der neue Handelsregelungen aufstellte.

In letzter Zeit machen immer mehr Gerüchte um einen bevorstehenden Börsencrash die Runde. Grund dafür sind etliche Parallelen, die man bei der Gegenüberstellung zum Schwarzen Freitag erschließen kann. Laut einer Grafik (Chart of Doom) verlaufen die Kurse fast schon identisch zu denen am Black Friday, das Einzige, was noch fehle, sei der rasante Absturz. Zudem werden jetzt, wie damals, diese Schocknachrichten als Schwarzmalerei abgetan. Die Krim-Krise sowie die Konjunkturprobleme in China, die langfristig als bedrohlich angesehen werden, beeindrucken nur die wenigsten. Ein weiterer Punkt ist, dass Russlands Leitindex RTS auf den tiefsten Stand seit vier Jahren steht, was bedeutet, dass hiervon eine gravierende Weltwirtschaftskrise ausgehen könnte, sobald Russland keine Schulden mehr begleichen wird. Noch eine Gemeinsamkeit sei auch die Neigung zu spekulieren. Experten sind sich jedoch einig, dass keine neue Krise von Amerika ausgehen würde. Das Land sei, dank billiger Energie, auf den besten Weg der Reindustrialisierung und gebe der Weltwirtschaft neue Impulse. Außerdem sei die Skala der Grafik so angepasst worden, dass sie wirklich der von 1929 ähnlich sei. Wenn man sich jedoch die unterschiedlichen Voraussetzungen ansieht, bricht diese Parallele zusammen. Damals hatte die US-Notenbank den Leitzins angehoben und damit das Geld verteuert, um der Spekulationswut entgegenzuwirken – was heute nicht der Fall ist. Der jetzige Leitzins liegt bei 0,25 Prozent und wird vorerst auch dabei belassen. Dadurch können zum Beispiel günstige Kredite vergeben werden. Ein weiterer Unterschied zu damals ist, dass die Spekulation an der Börse noch keine breiten Bevölkerungsschichten erfasst hat. Außer in den USA, wo 50 Prozent der Erwachsenen eine indirekte (z. B. Fonds) oder direkte Aktie besitzen. In Europa sei die Börseneuphorie gering. In Deutschland sind nicht mal zehn Prozent der Menschen an Aktien interessiert. Durch die Erfahrungen der Vergangenheit wie z. B. die T-Aktie (damaliger Wert: 120-130€; Jetztwert: ca. 10 Euro) erhofft sich kaum einer mehr, das schnelle Geld an der Börse zu verdienen und damit Reichtum zu ergattern.

Als Fazit betrachte ich das Ganze als ein ständiges Auf und Ab und glaube nicht daran, dass der ganze Wirbel sich bewahrheiten wird. Heute verfügen wir über Gesetze, die in Krisenfälle die Börsen vor einen 1929-Crash bewahren können. – Bianca Buzzi, Schülerredakteurin

 

„Chart of Doom“

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