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Category Archives: Forensik

German Pellets: Insolvenz zieht immer weitere Kreise

© shutterstockGerman Pellets: Mehrere Tochterfirmen haben nun auch Insolvenz anmelden müssen!

München, Berlin 26. Februar 2016 – Das Drama um German Pellets zieht immer weitere Kreise.

Nachdem am 10. Februar 2016 der Mutterkonzern Insolvenz anmelden musste, sind nun auch zahlreiche Tochterfirmen von der Insolvenz betroffen.

Das Amtsgericht Schwerin hat über die Vermögen der nachstehend aufgeführten Gesellschaften die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und folgende vorläufige Insolvenzverwalter bestellt:

  • German Pellets GmbH – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde
  • German Pellets Genussrechte GmbH – Herr Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz
  • German Pellets Beteiligungs GmbH – Herr Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz
  • German Pellets Supply GmbH & Co. KG – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde
  • German Pellets Sachsen GmbH – Frau Rechtsanwältin Bettina Schmudde

 

Ab Montag, den 29.02.2016 können sich alle Anleger, die in Anleihen oder Genussscheine bei German Pellets investiert haben, auf der Seite von German Pellets als betroffene Anleihegläubiger oder Inhaber von Genussscheinen registrieren lassen. Dies ist der erste Schritt, seine Forderungen im Insolvenzverfahren geltend zu machen.

Die Kanzlei CLLB Rechtsanwälte rät dringend jedem betroffenen Anleger von der Möglichkeit der Registrierung Gebrauch zu machen, um seine Rechte im Insolvenzverfahren frühzeitig zu sichern.

 

Quelle: CLLB Rechtsanwälte Cocron

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Zwei Finanzbetrüger

Geldanlage

©Shutterstock

Landshut, 15.10.2015 – Stellen Sie sich vor: Sie treffen einen guten Freund, um mit ihm ein wenig über interessante Neuigkeiten zu plaudern. Dieser berichtet Ihnen begeistert von einem neuen Anlagesystem eines angesehenen Börsenmaklers, der eine Investmentfirma besitzt. Weiterhin erzählt er stolz, dass er nun sein gesamtes Vermögen bei diesem Makler angelegt hat, der dieses wiederum in Aktien investiert. Jedem Anleger werden 15 % Zinsen versprochen und Sie werden sofort gefragt, ob Sie Ihr Geld nicht auch dort anlegen möchten? Schließlich kann man sein Kapital in kurzer Zeit ohne Aufwand um einen beeindruckenden Prozentsatz vermehren – was würden Sie antworten?

Mit diesem Ansatz wurden ab Ende des 20. Jahrhunderts Tausende, vor allem wohlhabende Bürger zum Anlegen verführt. Die Rede ist vom amerikanischen Milliardenbetrüger sowie ehemaligen Finanzmakler Bernard Madoff. Er wurde 1938 in New York City geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, nachdem das Sportgeschäft seines Vaters pleite ging. 1960 gründete er die Investment Securities, eine Investmentfirma, die Anlagegelder von vermögenden Kunden verwaltete und in Aktien anlegte. Viele wohlhabende Stiftungen vertrauten Madoff ihr Geld an, da er und seine Frau Spender für zahlreiche wohltätige und kulturelle Einrichtungen sowie Mitglieder im Vorstand vieler Theater, Stiftungen und Colleges waren. Dadurch wurde er als äußerst vertrauenswürdig eingestuft. Doch es sollte zu dem ersten wirklich globalen Betrugsfall kommen. Der Auslöser hierfür ist im Jahr 1987 zu vermerken, als der Aktienmarkt infolge des Börsencrashes still stand. Madoff hatte zu viel Geld von anderen Leuten, aber zu wenige Möglichkeiten, es sinnvoll zu investieren. Somit packte er das Geld in Staatsanleihen mit 2 Prozent pro Jahr – versicherte seinen Anlegern weiterhin Renditen von 15 Prozent. Von da an bezahlte er versprochene Gewinne aus immer neuen Kundeneinlagen aus. Heute würde man diese Strategie als „Ponzi scheme“ oder Schneeballsystem bezeichnen. Als 2007 einer seiner Kunden im Zuge der Finanzkrise mehrere Milliarden an Einlagen zurückforderte, brach sein System zusammen. Ende 2008 wurde er verhaftet. Rund 51 Milliarden Euro und 4800 Geschädigte sind die Bilanz. Deutschland musste einen Schaden von über einer Milliarde Euro hinnehmen. Der Fall betraf im April 2009 weltweit rund drei Millionen Personen direkt oder indirekt. Etwa 45.000 Anwälte sollen sich zu dieser Zeit mit dem Fall befasst haben. Bernard Madoff wurde schließlich am 29. Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Der heute 75-Jährige ist inzwischen ein beliebter Häftling, da er Mitgefangenen clevere Anlagetipps gibt.

Aber Finanzbetrüger gab es zu jeder Zeit. Ein zum Teil vergleichbarer Fall ist der der Adele Spitzeder. Sie wurde 1832 in Berlin geboren, besuchte teure Privatschulen und lebte über ihre Verhältnisse in verschiedenen Hotels. Verschuldet und ohne Einkommen versuchte sie sich als Bankerin. Aus dem Augenblick heraus versprach sie einem Zimmermann zehn Prozent Zinsen im Monat für 100 Gulden und zahlte ihm die ersten beiden Monatszinsen sofort aus. Dies sprach sich schnell herum, wodurch weitere einfache Leute ihr Geld zu diesen Konditionen bei ihr anlegen wollten. Adele gründete mit ihrer Lebensgefährtin die Spitzedersche Privatbank in München, die in kürzester Zeit zum Großunternehmen wurde. Wie Madoff verschaffte sie sich mit großzügigen Spenden Vertrauen, lockte mit hohen Zinssätzen und lebte verschwenderisch. Auch das System war dasselbe. Angeforderte Auszahlungen wurden mit dem Geld, das Andere angelegt hatten, ausbezahlt. Im Gegensatz zu Madoff, war ihr Unternehmen ein einziges Chaos. Das Geld lag sackweise in ihrer Villa, unqualifizierte Mitarbeiter bedienten sich laufend daran, und eine Buchführung gab es nicht. Ebenso die Dauer des Betrugs ist sehr unterschiedlich. Während Madoff mindestens 15 Jahre lang sein Schneeballsystem halten konnte, brachte Spitzeder es gerade einmal auf drei Jahre. Denn Gegner von ihr brachten 60 Gläubiger dazu, gleichzeitig ihr Geld zurückzufordern. Die Bank brach zusammen, insgesamt wurden 31.000 Anleger um acht Millionen Gulden geprellt, was heute einem Wert von 3,5 Millionen Euro entsprechen würde. Manche begangen Selbstmord. Auch Gemeinden waren ruiniert. Parallel dazu stürzten Bankensysteme und Wirtschaft in die Gründerkrise. Am 12. November 1872 wurde Adele Spitzeder zu drei Jahren Haft verurteilt. Nachdem sie ihre Strafe abgesessen hatte, trat sie unter dem Namen Adele Vio als Volkssängerin auf, bis sie im Oktober 1895 an Herzversagen starb.

Was würden Sie jetzt auf die Frage Ihres Freundes antworten?

Philipp Brunner, Schülerredakteur

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Der Vater des Schneeballs

Charles-Ponzi-nachgezeichnetLandshut, 03.09.2015 – Anlagebetrug ist allgegenwärtig. Allein im Jahr 2013 untersuchten die deutschen Staatsanwaltschaften bereits zwei große Fälle mit Großrazzien mit Schwerpunkt Frankfurt und Dresden. Der vermutete Schadenswert für Anleger liegt zusammen weit über 500 Millionen Euro. Im Dezember 2013 ging ein Prozess durch die Presse, bei dem die Frau des FC Bayern-Doktors Müller-Wohlfahrt Betrügern aufgesessen ist und voraussichtlich 570.000 Euro verlor. Die Masche: Man versprach eine Rendite von 60 Prozent durch Rohstoffspekulationen.

Finanzbetrug und die entsprechenden Gegenmaßnahmen in Form der Finanzforensik sind so alt wie das Thema Geld selbst. Früher wurde „nur“ zum Beispiel bei Goldmünzen minderwertiges Metall beigemischt. Aber mit der zunehmenden Komplexität der Finanzwelt wurden auch die Betrügereien schwieriger zu entlarven.

Das zeigt das erste Beispiel von Charles Ponzi (1882 bis 1949) aus unserer Serie Finanzforensik:
Ponzi war ein italienischer Einwanderer, der den Überlieferungen nach mit nur 2,50 Dollar in Kanada 1903 ankam. Nach ersten Konflikten mit der Justiz siedelte er nach Boston um. Ende 1919 war es dann soweit: Er gründete die „Old Colony Foreign Exchange Company“. Das Geschäftsmodell sollte der Handel mit Bezugskupons für internationale Post-Antwortscheine sein. Die Idee war, dass der Rückkauf der zunächst an die Währungen Europas gekoppelten Rückportokupons durch den Währungsverlust nach dem ersten Weltkrieg zum Bruchteil des in den USA üblichen Preises möglich wäre.

Verbunden war die Geschäftsidee mit einem Renditeversprechen von 50 Prozent innerhalb von 45 Tagen. Anstatt aber vorsichtig beziehungsweise misstrauisch zu werden, überschwemmten Anleger Ponzi mit Geld. Dieser hielt sich aber gar nicht mehr mit der Investition in die Rückportokupons auf, sondern zahlte die Zinsen an die bisherigen Anleger aus dem „frischen“ Geld der neuen Anleger. Heute wird diese Art von Betrug Schneeballsystem genannt. Im Angelsächsischen hat sich der Begriff „Ponzi-Scheme“ dafür eingebürgert, und so wurde Charles Ponzis zweifelhafter Ruhm als krimineller Erfinder des Schneeballsystems zementiert.

Ein Journalist der „Boston Post“ hatte mit gesundem Menschenverstand einmal nachgerechnet und in einem Zeitungsbericht Zweifel angemeldet, dass das System rechnerisch funktionieren könne. Die Folge zeichnete sich im Juli 1920 ab. Erste Anleger forderten ihr Geld zurück, und eine Buchprüfung wurde angeordnet. Damit brach das System zusammen. Etwa 40.000 Anleger verloren weitgehend ihr Geld, denn von 15 Millionen US-Dollar waren nur noch 1,5 Millionen da. In etwa entspräche dieser Schaden heute 150 Millionen Dollar. Nach einer Haftstrafe und weiteren Betrügereien wurde er 1934 nach Italien abgeschoben. – Edmund Pelikan
Kurzinfo zum Betrugsfall Charles Ponzi:

Zeitraum:
1919/1920

Betrugsart:
Schneeballsystem

Masche zur Manipulation:
Exorbitant überhöhte Rendite

Anlegerpsychologie:
Aktivierung von Gier beim Anleger

Kritische Fragen zur Vermeidung:
– Wie kommt diese Rendite zustande?
– Worin wird investiert?
– Kommen die „Zinsen“ oder „Ausschüttungen“ aus Ertrag?
– Wo liegen die Risiken?
– Welche Sicherheiten werden geboten?

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