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Category Archives: Debatte

Gothaer Anlegerstudie 2020: Frauen machen sich stark für Nachhaltigkeit

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Köln, 27. April 2020 – Geld ist Geld? Nicht für jeden. Denn nicht nur, wofür es ausgegeben wird, ist sehr unterschiedlich. Auch bei der Frage, wie es angelegt wird, gibt es große Unterschiede, beispielsweise zwischen den Geschlechtern. 47 Prozent der deutschen Frauen messen dem Klima- und Umweltschutz bei der Geldanlage die größte Bedeutung zu. Bei der Investitionsbereitschaft in nachhaltige Geldanlagen liegen die Männer mit 57 Prozent vorn. Zudem haben Frauen bei der Geldanlage ein höheres Sicherheitsbedürfnis (55 Prozent) als Männer (48 Prozent).

Das sind einige Ergebnisse einer repräsentativen Studie zum Anlageverhalten der Deutschen, die die Gothaer Asset Management AG (GoAM) von der forsa Politik- und Sozialforschung im Januar 2020 bereits zum elften Mal durchführen ließ.

Umwelt- und Klimaschutz bei der Geldanlage ist vor allem bei Frauen ein Thema

Das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz ist bei Frauen besonders ausgeprägt. Auf die Frage, welche Facette von Nachhaltigkeit – Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder verantwortungsvolle Unternehmensführung – ihnen am wichtigsten sei, nannten 47 Prozent der deutschen Frauen den Umwelt- und Klimaschutz. Die Männer liegen mit knapp sechs Prozentpunkten dahinter (41 Prozent). Jeweils 28 Prozent der deutschen Frauen und Männer messen bei der Geldanlage der sozialen Gerechtigkeit die zweitgrößte Bedeutung zu. Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung ist nur 22 Prozent der befragten Frauen am wichtigsten. Die Männer liegen dabei mit vier Prozentpunkten mehr weiter vorne (26 Prozent).

Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit bei den befragten Frauen hoch im Kurs steht, sind sie bei der Investition in nachhaltige Geldanlagen etwas zurückhaltender als Männer. Die Hälfte der weiblichen Befragten wäre bereit, zugunsten der Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten, bei den Männern sind es 57 Prozent. Zusammengefasst: 47 Prozent der Frauen sehen Umwelt- und Klimaschutz als wichtigste Facette von Nachhaltigkeit. Noch mehr, nämlich 50 Prozent, sind bereit trotz geringerer in nachhaltige Geldanlagen Rendite zu investieren.

Insgesamt investieren derzeit erst sechs Prozent der Deutschen in nachhaltige Fonds. „Aus den Ergebnissen unserer Befragung lässt sich aber ein neuer Zukunftstrend bei der Geldanlage ablesen, der wahrscheinlich mit der politischen Debatte zum Klimawandel in den letzten Monaten zusammenhängt. Besonders für Frauen hat der Umwelt- und Klimaschutz offensichtlich einen hohen Stellenwert, die Hälfte von ihnen ist sogar bereit in nachhaltige Geldanlagen zu investieren, wenn sie dafür auf eine höhere Rendite verzichten müssten“, erläutert Carmen Daub, Fondsmanagerin bei der Gothaer Asset Management AG.

Für Frauen steht die Sicherheit der Geldanlage an erster Stelle

Wie legen die Deutschen ihr Geld an? Nach wie vor ist das Sparbuch mit aktuell 48 Prozent die erste Wahl. Bei den Frauen sind es sogar 50 Prozent, die diese Form der Geldanlage nutzen (2019: 49 Prozent). Auch bei den männlichen Befragten steht das Sparbuch mit 46 Prozent an erster Stelle (2019: 47 Prozent). Auf Platz zwei rangieren Immobilien mit 32 Prozent, allerdings sind Frauen hier mit 29 Prozent deutlich zurückhaltender als Männer (35 Prozent).

Wie legen die Deutschen ihr Geld an? Nach wie vor ist das Sparbuch mit aktuell 48 Prozent die erste Wahl. Bei den Frauen sind es sogar 50 Prozent, die diese Form der Geldanlage nutzen (2019: 49 Prozent). Auch bei den männlichen Befragten steht das Sparbuch mit 46 Prozent an erster Stelle (2019: 47 Prozent). Auf Platz zwei rangieren Immobilien mit 32 Prozent, allerdings sind Frauen hier mit 29 Prozent deutlich zurückhaltender als Männer (35 Prozent).

Frauen setzten stattdessen eher auf (Kapital-)Lebensversicherungen, im Vergleich zum Vorjahr ist hier bei den Frauen (32 Prozent) ein leichter Anstieg zu verzeichnen (2019: 30 Prozent).

Doch warum sind besonders das Sparbuch und Lebensversicherung eine so beliebte Geldanlage bei den Deutschen? Es ist der Wunsch nach Sicherheit. Insgesamt messen 55 Prozent der befragten Frauen und 48 Prozent der Männer der Sicherheit der Geldanlage die größte Bedeutung zu. Allerdings ist dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken: 2019 sprachen sich noch 60 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer für die Sicherheit als wichtigsten Aspekt aus.

Flexibilität in der Anlage spielt jeweils für 31 Prozent der Frauen und Männer die wichtigste Rolle (2019: 29 Prozent). Der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich aber beim Thema Rendite: Während die Rendite für 15 Prozent der männlichen Befragten ein wichtiges Kriterium ist (2019: 12 Prozent), ist sie nur für fünf Prozent der befragten Frauen ausschlaggebend (2019: 6 Prozent).

Quelle: Gothaer (Pressemitteilung vom 27.04.2020)

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Beispiellose Veränderungen, die zu einer neuen globalen Gesellschaft führen

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von Alexander Roose, CIO Fundamental Equity bei DPAM

Seit den am 23. März erreichten Tiefstständen haben sich die Aktienmärkte um rund 20% erholt, was auf das Rebalancing der Portfolios von Pensionsfonds und das verlangsamte Wachstum der Infektionsraten in den zuerst betroffenen EU-Ländern zurückzuführen ist. Auch die Anleihenmärkte sind wieder auf die Beine gekommen. Unternehmen refinanzieren ihre bestehenden Schulden auf den US-Märkten für Unternehmensanleihen in rasantem Tempo. Ausschlaggebend dafür war die Ankündigung der Fed, 30 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital aus dem ‚Exchange Stabilization Fund‘ (ESF) des Finanzministeriums einzusetzen, um Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating zu kaufen. Zuletzt hatten wir betont, dass der direkte Ankauf von Unternehmensanleihen durch die Fed von größter Bedeutung ist, um sicherzustellen, dass die Liquiditätskrise nicht zu einer ausgewachsenen Bonitätskrise führt. Experten sind sich immer noch im Unklaren, ob die Fed auch die Finanzierungskosten für High-Yield-Emittenten senken sollte. Allerdings könnte dies einen gefährlichen Präzedenzfall und auch ein moralisches Risiko schaffen.
Darüber hinaus ist die Fed nun dem Weg der japanischen Notenbank gefolgt, indem sie die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt und einen Teil des zwei Billionen USD schweren Pakets des
‚Coronavirus Aid, Relief and Economic Security (CARES) Act‘ direkt finanziert und mehr als 450 Milliarden USD an Eigenkapital aus dem ESF freigibt. Das CARES-Gesetz richtet sich mit Direktzahlungen hauptsächlich an Einzelpersonen/Familien mit mittlerem Einkommen (30% des Pakets) sowie an große (25%) und kleine
(19%) Unternehmen. In den USA ist zudem von einem zusätzlichen Wirtschaftspaket von insgesamt einer Billion USD die Rede, das auf Infrastrukturinvestitionen abzielt. In Europa sind die auf nationaler Ebene ergriffenen fiskalischen Maßnahmen von beeindruckender Größenordnung (in % des BIP), auch wenn sie in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich ausfallen. Wie in den USA übertreffen sie bei weitem die während und nach der Großen Finanzkrise (GFC) unternommenen Anstrengungen.
Die Achillesferse des europäischen Projekts bleibt der Mangel an fiskalischer Solidarität. Zwar befürwortet die Mehrheit der EU-Mitglieder die Ausgabe von speziellen ‚Corona-Anleihen‘, während andere
(Deutschland, Österreich und die Niederlande) lieber den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) nutzen würden, der ihrer Ansicht nach zu diesem Zweck geschaffen wurde. Wie so oft erwarten wir am Ende einen Kompromiss der EU-Finanzminister, um ein Finanzpaket für die gesamte Eurozone umzusetzen. Das Gefühl der Dringlichkeit ist groß, und alle EU-Mitglieder sollten sich bewusst sein, dass die Last der Covid-19-Krise von allen gleichermaßen getragen werden sollte. Dies ist ein entscheidender Moment für das
‘europäische Projekt’.
Zusätzlich zu diesen weltweit durchgeführten ‚Whatever it takes‘-Maßnahmen wurden zunehmend Aktionspläne für eine räumliche Distanzierung sozialer Kontakte ausgearbeitet. Es gibt mittlerweile ermutigende Anzeichen dafür, dass die Epidemie in einigen Ländern unter Kontrolle kommt. Bedeutet dies, dass wir unsere frühere Empfehlung „Zu spät, um Aktien zu verkaufen“ zugunsten von „Zeit, um Aktien zu kaufen“ aufgeben? Nein, noch nicht ganz, denn wir gehen davon aus, dass wir noch nicht über den Berg sind, und zwar aus folgenden Gründen:
Selbst wenn die Märkte beginnen, ihre Aufmerksamkeit auf Ausstiegsstrategien aus dem Lockdown zu lenken (Österreich hat als erstes Land einen Normalisierungsprozess eingeleitet), erwarten wir, dass diese sehr allmählich und maßvoll erfolgen, da Epidemiologen vor dem Risiko einer zweiten Welle der Krankheit im Herbst und dem Risiko eines Re-Imports des Virus bei Aufhebung der Reisebeschränkungen warnen.
• Die wirtschaftlichen Schäden sind beispiellos. Da die Berichtssaison für das erste Quartal vor der Tür steht, könnte bald mehr Klarheit über die tatsächlichen schlimmen Auswirkungen dieser Krise auf Unternehmensgewinne und -verluste bzw. die Bilanzen der Unternehmen bestehen und die Marktteilnehmer dementsprechend zu einer vorsichtigeren Haltung veranlassen.
• Positiv ist zu vermerken, dass sich die Krankenhauseinweisungen in New York früher als erwartet verlangsamt haben. Angesichts unzureichender landesweiter Sperrmaßnahmen muss allerdings angenommen werden, dass die Entwicklung in New York nicht repräsentativ für die gesamten USA ist.
• Das Verbrauchervertrauen wird aufgrund der gleichzeitigen Wirkung steigender Gesundheitskosten und einer geringeren Kaufkraft, letztere vor allem verursacht durch die schwere Rezession im beschäftigungsintensiven Dienstleistungssektor, stark beeinträchtigt werden. Daher erwarten wir, dass sich die Verbraucher beim Konsum weiterhin zurückhalten werden, sobald die Sperren aufgehoben sind.
• Viele Bereiche stehen unter spürbarem Stress, wie der Markt für High-Yield-Anleihen oder die Währungen der Schwellenländer. Ohne eine umfassende Vereinbarung zwischen den OPEC-Mitgliedern und den USA über eine Drosselung der Ölförderung könnten hochverzinsliche Anleihen des Energiesektors im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar stark unter Druck geraten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir keine V-förmige, aber eine möglicherweise U-förmige Erholung erwarten. Wir schließen uns nicht den Ansichten einiger Strategen an, die Parallelen zur GFC ziehen. Wie bereits in früheren Stellungnahmen erwähnt, ist diese Krise nicht systemischer Natur, die Banken sind besser kapitalisiert, und die zuständigen Behörden sind mit ihrer Geld- und Fiskalpolitik stärker am Ball. Was die Bewertungen anbelangt, dürften die Kurs-Gewinn-Multiplikatoren am Tiefpunkt des Marktes, der hoffentlich hinter uns liegt, im Vergleich zu 2008/09 höher sein aufgrund des bedeutenden Unterschieds bei den realen Anleiherenditen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Covid-19-Krise ist der Katalysator für die Einleitung einer radikalen Fiskalpolitik, die sich an der linksgerichteten Politik in der westlichen Welt orientiert. Und es könnte noch mehr davon auf den Weg gebracht werden. Unkonventionelle fiskalische Maßnahmen könnten dazu beitragen, die wachsende Ungleichheit zu bewältigen, ein Phänomen, das teilweise durch die Inflation der Vermögenspreise nach der GFC verstärkt wurde, als die quantitative Lockerung zu einem dauerhaften geldpolitischen Instrument wurde. Aktuell werden immer mehr Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen zurückgestellt, da der gesellschaftliche Druck zunimmt, Unternehmens-Cashflows von den Aktionären abzuziehen. Und dabei wird es wahrscheinlich nicht bleiben.
Auch Steuergerechtigkeit und gerechte Bezahlung von Arbeitnehmern sind politische Themen, die eine breitere Unterstützung finden werden. Einerseits werden die Regierungen das durch die Auswirkungen der Covid-19-Krise entstandene Steuerloch durch höhere Unternehmenssteuern stopfen. Auf der anderen Seite werden sie die Ausgaben im Gesundheitswesen erhöhen, um künftige medizinische Notfälle besser bewältigen zu können. Somit wird die Rolle der Regierungen wichtiger werden. Bei der Investition in Unternehmen muss diese Dynamik bei der Titelauswahl sowohl aus fundamentalen als auch aus Nachhaltigkeitsgründen längerfristig berücksichtigt werden. Hier liegt die Chance für aktive, nachhaltige und research-orientierte Vermögensverwalter wie DPAM.

Quelle: Degroof Petercam Asset Management S.A.

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IWF-Prognose Corona zwingt die Weltwirtschaft in die Knie

von Matthias Janson,   15.04.2020

Die globale Wirtschaft wird von der Corona-Pandemie mit voller Wucht getroffen. Wie die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigt, schrumpft das weltweite Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr im Vergleich zu 2019 schätzungsweise um drei Prozent. Zum Vergleich: in der Finanzkrise 2008/2009 betrug der Rückgang lediglich -0,1 Prozent. Dies verdeutlicht das dramatische Ausmaß der gegenwärtigen Krisensituation. Im direkten Vergleich der drei großen Wirtschaftsblöcke China, USA und der Eurozone müssen die beiden letztgenannten laut IWF mit den stärksten Einbußen rechnen. China darf mit einem kleinen Wachstum rechnen, dass aber nicht ausreichen wird, um die Weltwirtschaft hinreichend zu stimulieren. Ein Lichtblick: für 2021 rechnet der IWF wieder mit einem deutlichen Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts. Für die Eurozone beträgt das Plus demnach 4,7 Prozent, für China gar 9,2 Prozent.

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Einfache Grundregeln für die Geldanlage

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Die meisten Deutschen vermeiden es, sich mit Finanzfragen zu beschäftigen. Umfragen zufolge gehen sie lieber zum Zahnarzt als zum Bank- oder Finanzberater. Aber auch digitale Angebote rufen wenig Interesse hervor. Doch die Augen vor vermeintlich unangenehmen Realitäten zu verschließen, ist keine Lösung. Schon länger gibt es so gut wie keine Zinsen auf Sparbüchern oder für Anleihen. Parallel lag die Inflation im Februar bei 1,5 Prozent. Damit verlieren die Ersparnisse auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten stetig an Wert. Die Deutschen sparen sich also ärmer, so die Aktion „Finanzwissen für alle“ der Fondsgesellschaften.

Diese drei Grundregeln sollten Sparer bei der Geldanlage beachten: In einem ersten Schritt sollten sich die Anleger zunächst über ihr Sparziel, die geplante Anlagedauer und ihre persönliche Risikoakzeptanz klar werden, bevor sie sich für eine Anlage entscheiden. Die Geldanlagen müssen zu den individuellen Zielen passen. Denn die verschiedenen Sparmöglichkeiten unterscheiden sich hinsichtlich Sicherheit, Liquidität und Rendite. Höhere Renditen sind nur realistisch, wenn Sparer einen längeren Zeithorizont und zwischenzeitliche Wertschwankungen akzeptieren. Wer beispielsweise langfristig denkt und Wertschwankungen verkraftet, kann in Aktienfonds investieren. Sparer, die dagegen risikoscheuer sind, benötigen wertstabilere Anlagen. Der Sparer kann zusammen mit einem Anlageberater entsprechend seiner Risikobereitschaft eine für ihn geeignete Quote von Anlagen festlegen.

Die zweite Regel betrifft die Anlagedauer. Wer früh anfängt zu sparen, kann mithilfe des Zinseszinseffektes einen soliden Kapitalstock aufbauen. Ein Beispiel: Aus 10.000 Euro werden bei jährlich durchschnittlich fünf Prozent Rendite nach 20 Jahren mehr als 26.000 Euro und nach 40 Jahren bereits rund 70.000 Euro. Es werden also Erträge angesammelt, die sich immer und immer wieder verzinsen. Neben dem Zeitfaktor ist auch die Höhe der Rendite für den Anlageerfolg entscheidend. Kleine Unterschiede wirken auch hier über längere Laufzeiten enorm. Daher ist es besonders für jüngere Sparer sinnvoll, in riskantere und damit höher rentierliche Anlagen wie Aktienfonds zu investieren. Jüngere Sparer haben mehr Zeit, das Geld am Kapitalmarkt für sich arbeiten zu lassen. Zwischenzeitliche Rückschläge an den Märkten können sie besser aussitzen als etwa Rentner, die mit ihren Ersparnissen ihren Lebensabend gestalten wollen.

Die dritte Regel, die Anleger stets beachten sollten, ist: „Lege nicht alle Eier in einen Korb.“ Schon Wirtschaftsnobelpreisträger Harry M. Markowitz plädierte mit dieser Regel auf eine breite Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlageklassen oder Wertpapiere. Dabei hat sich in einem ersten Schritt die Faustformel ein Drittel Aktien, ein Drittel Anleihen und ein Drittel Immobilien bewährt. Welche Mischung es genau wird, hängt natürlich von den persönlichen Zielen und der eigenen Lebenssituation ab. Um seine Ersparnisse wirkungsvoll zu schützen, sollten Sparer außerdem nicht nur auf eine Region, z.B. Deutschland, setzen, sondern ihr Geld idealerweise weltweit über verschiedene Anlageklassen investieren.

Quelle: BVI

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Buchtipp: Warum bekomm’ das Kindergeld nicht ich?

© Reclam

Warum gruseln wir uns so gerne und feiern Halloween? Warum darf Papa beim Fußball so rumschreien? Warum gibt es heute noch Könige? Wir alle kennen diese Fragen unserer Kinder vom Esstisch, vom Fernsehsofa oder aus dem Kinderbett beim Gute-Nacht-Sagen. Manchmal haben wir selbst noch nicht darüber nachgedacht. Oft fällt uns die passende Antwort erst viel zu spät ein.

Warum bekomm’ das Kindergeld nicht ich? – Antworten auf neugierige Kinderfragen, erschienen im Reclam-Verlag
Hrsg.: Kaube, Jürgen; Küchemann, Fridtjof
Ill.: Schmid, Stefan
176 S. 12 Ill.
ISBN: 978-3-15-020482-5
11,95 €

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Veröffentlichung der ersten Studie zu der Reaktion von Family Offices auf die Coronakrise

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München, 26.03.2020 – Listenchampion, hat die weltweit erste Studie zu der Reaktion bedeutender Family Offices auf die aktuelle Coronakrise veröffentlicht.

Die Mehrheit der Studienteilnehmer blickt optimistisch in die Zukunft: 60% erwarten eine erheblich bessere Situation an den Finanzmärkten in 12 Monaten, 26,7% eine leicht verbesserte Situation. Nur 13,3% der Führungskräfte von Family Offices erwarten keine signifikant positive Veränderung an den Finanzmärkten.

Mit Blick auf unterschiedliche Assetklassen erwarten mit 66,7% die Mehrheit der Befragten die schwersten finanziellen Schäden an den Finanzmärkten, während 13,3% die größten Schwierigkeiten im Venture Capital Bereich sehen. Die Portfolios der befragten Family Offices performten in der Krise besser als die meisten Aktienmärkte: 57,1% der Teilnehmer verzeichnen einen Einbruch zwischen -10% und 0% im Zeitraum zwischen dem 25. Februar 2020 und dem 16. März 2020. Lediglich 7,1% mussten Rückgänge zwischen -30% und -20% hinnehmen.

Die Mehrheit der Family Offices ist bereits damit beschäftigt, zukünftige Investitionsmöglichkeiten, wie beispielsweise Distressed Equity oder Anleihen zu evaluieren. Ein Großteil legt den Fokus auf Tech Aktien wie Facebook, Apple, Netflix oder Google. Auch Nahrungsmittelkonzerne stehen hoch im Kurs. Andere Family Offices wiederum bereiten Private Equity Käufe vor.

Die Studie wurde mit einer selektiven Auswahl von 15 Family Offices aus den Vereinigten Staaten und Europa durchgeführt. 53,3% der Teilnehmer waren Führungskräfte von bedeutenden Multi Family Offices, 46,7% von Single Family Offices.

Listenchampion ist das führende Portal für hochwertige Branchen- und Investorenlisten. Der Fokus des Research Teams liegt auf schwer durchschaubaren Industrien, wobei die Family Offices Branche in Europa besonders im Fokus steht.

Quelle: Listenchampion

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Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei” ist

Von Matthias Horx

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Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird”, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:
Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Strasse bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?
Oder sogar besser?
Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fussballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivial-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, über-flüssig machen…
Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?
RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam in dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.
Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO&sub2;-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset.
Cool down!
Musik auf den Balkonen!
So geht Zukunft.

Quelle: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de

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Schwellenländer und das Coronavirus – veränderte Bedingungen 2020

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 Pittsburgh, 19.03.2020 – Die Lockerung der Geldpolitik und eine Pause bei den Handelsspannungen trugen dazu bei, dass das globale Wachstum zu Beginn dieses Jahres eine Wende nahm. Während die strukturelle Wachstumsentwicklung für die Schwellenländer intakt bleibt, gibt es weiterhin einen gewaltigen Mix diverser Herausforderungen. Dazu zählt insbesondere das Coronavirus, das in diesem Jahr das Wachstum dämpfen dürfte. Kunjal Gala, Global Emerging Markets Co-Portfoliomanager bei Federated Hermes ordnet dies für die Schwellenländer weiter ein.

Globale Konjunkturabschwächung war zunächst kein Thema – doch das Coronavirus und die volatilen Energiemärkte ändern den Ausblick

Das globale Wachstum im Jahr 2019 verlangsamte sich auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise. Grund dafür waren die Handelsbarrieren und eine zyklische Konjunkturabschwächung bei Energie, Rohstoffen und Autos. Die Schwellenländer waren davon nicht ausgenommen: Das Wachstum verlangsamte sich in China und Indien, während Argentinien und die Türkei sogar von politischen und finanziellen Turbulenzen betroffen waren.
Doch mit dem Jahresbeginn begann es aufwärts zu gehen, da die gelockerte Geldpolitik eine weitere Konjunkturabschwächung zu verhindern schien. Die Zentralbanken in aller Welt haben aggressiv auf die schwache Wirtschaftsdynamik reagiert und das Verbrauchervertrauen blieb stabil, wobei die intakten Arbeitsmärkte Gehälter und Konsum stützten.
Der Ausbruch des Coronavirus hat diese Aussichten jedoch eingetrübt. Fabrikschließungen und Reisebeschränkungen werden sich erheblich auf die Produktion auswirken: Das chinesische BIP wird im ersten Quartal wahrscheinlich schrumpfen und könnte im Laufe des Jahres um einige Prozentpunkte niedriger sein.

Nicht nur das Coronovirus bremst Wirtschaft aus

Zu Beginn des Jahres war man sich einig, dass die Welt im Jahr 2020 eine Rezession vermeiden wird. Obwohl die globalen Wachstumsprognosen als Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus gesenkt wurden, gibt es immer noch mehrere Risiken, die die Aussichten weiter trüben.

– Das US-amerikanische Finanzdefizit für das Haushaltsjahr 2019 ist um 26 Prozent gewachsen und wird 2020 wahrscheinlich einen Rekordwert von 1 Billion US-Dollar erreichen. Mangelnde Maßnahmen zur Konsumbelebung könnten die Wirtschaft in einer Zeit, in der sich das geldpolitische Instrumentarium erschöpft, ziemlich allein dastehen lassen.

– Eine weitere Eskalation der Handelsspannungen kann nicht ausgeschlossen werden. Der Wettbewerb zwischen den USA und China ist von strategischer Bedeutung und umfasst Technologie, Militär und den globalen Einfluss.

– Während die globale Schuldenquote seit 2017 gesunken ist, bauen sich die Unternehmens- und Staatsschulden weiter auf – bis zur potenziellen Belastungsgrenze.

– Die jüngste Volatilität des Ölpreises könnte zu einem Anstieg bei Anleihen in diesem Sektor führen und die Investitionsstimmung dämpfen.

Klar ist: Die politischen Entscheidungsträger weltweit versuchen, diesen Abschwung abzuwenden. Allerdings könnte jede Aufregung, die durch verstärkte steuerliche Impulse oder eine Lockerung der Geldpolitik ausgelöst wird, der letzte Aufbäumen sein, da eine Rezession unvermeidlich scheint. Der Markt ist davon ausgegangen, dass ihn die Zentralbanken vor Volatilität schützen und Haushaltsausgaben in den Vordergrund treten. Aber im Gegensatz zur Geldpolitik bewegt sich die Steuer- und Finanzpolitik langsam und wird durch Regierungen eingeschränkt.

Mit aktiver Fiskalpolitik gegen das Virus

Auf lange Sicht gibt es eindeutig größere Risiken für die Weltwirtschaft. Während das Coronavirus einen großen Gegenwind für das kurzfristige Wachstum darstellt, sind die Gesamtauswirkungen auf das globale BIP auf lange Sicht überschaubar. Vieles hängt von der haushaltspolitischen Reaktion auf die Epidemie ab. So unterstützt die chinesische Regierung beispielsweise die betroffenen Wirtschaftssegmente und räumt den Infrastrukturausgaben Vorrang ein. Das dürfte sicherstellen, dass das Wachstum nur vorübergehend beeinträchtigt wird. Wenn jedoch der Ausbruch des Virus und das jüngste Scheitern der Gespräche innerhalb der OPEC die Wirtschaftstätigkeit im Großen und Ganzen stört, wird das globale BIP mit einem erheblichen Produktivitäts- und Produktionsverlust zum Stillstand kommen.

Die Schwellenländer sehen sich mit den gleichen gemischten Botschaften konfrontiert wie der Rest der Welt. Ihr strukturelles Wachstum ist jedoch nach wie vor intakt und wird durch die Urbanisierung, eine aufstrebende Mittelschicht und die Digitalisierung vorangetrieben. Dennoch ist noch ein weiter Weg zurückzulegen, bis die Gewinnmargen der Schwellenländer wieder das Vorkrisenniveau erreichen – sie liegen derzeit 400 Basispunkte unter denen von 2008.

Es gibt auch eine große Bewertungslücke zwischen den Schwellen- und Industrieländern. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für Schwellenländer wird mit einem Abschlag von 21 Prozent gegenüber Industrieländern gehandelt, während sich der Kurs-Buchwert-Rabatt auf 37 Prozent erhöht hat. Sofern der Buchwert von Schwellenländern nicht plötzlich überbewertet wurde, ist die einzige Rechtfertigung, die uns einfällt, die Ansicht, dass ein Kursrückgang mehr Schaden bei der Eigenkapitalrendite der Schwellenländer anrichten wird. Dieser überdurchschnittliche Abschlag könnte künftig eine Chance darstellen.

Der Aufschwung zu Jahresbeginn darf zwar nicht ignoriert werden, lässt sich aber weitgehend durch eine immer lockere Geldpolitik und eine wahrscheinlich vorübergehende Pause bei den Handelsspannungen erklären. Obwohl einige Schwellenländer Anzeichen für einen Aufschwung zeigen, bleiben die Herausforderungen dennoch weiter bestehen – und das Coronavirus sowie die Disruption auf dem Energiemarkt werden eine dramatische Erholung in diesem Jahr verhindern. Die Mehrheit der Schwellenländer sind Ölimporteure und werden von einem niedrigeren Ölpreis profitieren. Die gedämpften Rohstoffpreise spiegeln jedoch das schwache grundlegende Nachfrageumfeld wider, das einen Gegenwind für die Rentabilität der Unternehmen darstellt und sich auf ihre Investitionspläne auswirkt.

Fazit und Ausblick: Treiberthemen beachten

Wir konzentrieren uns mit unseren Investments weiterhin auf die langfristigen strukturellen Themen, wie etwa 5G, Digitalisierung, IoT, Gesundheitswesen, wachsende Mittelschicht und Infrastruktur. Von diesen erwarten wir, dass sie der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit der globalen Ausbreitung des Coronavirus und den schwachen Rohstoffmärkten trotzen, – und potenzielle Probleme der Anleihequalität abmildern werden.

Quelle: Federated Hermes (Pressemitteilung vom 19.03.2020)

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Coronavirus – der neue Schwarze Schwan

Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income, und Fondsmanager Harry Richards bei Jupiter Asset Management informieren über aktuelle Entwicklungen an den Anleihemärkten, die heftigen Kursausschläge der vergangenen Tage, die Performance der Strategie und den aktuellen Ausblick.

© pixabay

London, 18.3.2020 – Wir hielten einen globalen Deflationsschock seit Langem für ein reelles Risiko. Dadurch war unsere Strategie mit einer Allokation von über 40 Prozent in Staatsanleihen der Ratingklassen AAA und AA bereits vorsichtig positioniert, wobei Short-Positionen in CDS-Körben und Währungsabsicherungen einen zusätzlichen Puffer darstellten. In der Folge weist unsere Strategie in der aktuellen Phase eine sehr gute relative Performance aus.

Das Coronavirus ist ein Extremereignis – ein sogenannter Schwarzer Schwan –, das viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt und zu einer abrupten Risikoneubepreisung geführt hat. Obwohl risikoreichere Anlagen an einigen Tagen stark zulegen konnten, haben wir es weiter mit einem ausgeprägten Risk-off-Umfeld zu tun. In Europa und den USA scheint die Ausbreitung des Virus noch relativ am Anfang zu stehen. „Shutdowns“ wie in vielen Ländern bereits eingeführt, dürften auch andernorts folgen.
Wir sind überzeugt, dass die bisherige geld- und fiskalpolitische Reaktion zu kurz greift und Zentralbanken und Regierungen noch stärker gefordert sein werden, um der Wirtschaft und den Märkten unter die Arme zu greifen. Die Zentralbanken tun, „was immer nötig ist“, verfügen aber einfach nicht über die notwendigen Instrumente, um einen globalen Angebots-/Nachfrageschock zu adressieren. Die Märkte haben am Montagmorgen negativ auf die angekündigten Maßnahmen der US-Notenbank reagiert. Die Investoren erwarten fiskalpolitische Unterstützung, aber die bislang angekündigten haushaltspolitischen Maßnahmen werden nicht ausreichen, um einem massiven deflationären Schock effektiv zu begegnen.

Wir sind in den letzten Tagen sehr vorsichtig an den Märkten tätig geworden und haben selektiv Anlagechancen bei Anleihen mit sehr kurzen Laufzeiten genutzt. Insgesamt warten wir jedoch ab und halten erst einmal Abstand von einem höheren Beta, da wir davon ausgehen, dass es noch etwas dauern wird, bis groß angelegte, koordinierte fiskalpolitische Maßnahmen verkündet werden.

Daher fühlen wir uns mit der aktuellen Positionierung in unserer Strategie wohl. Wir behalten die turbulenten Märkte genau im Auge – jederzeit bereit, die Flexibilität der Strategie zu nutzen, um das Portfolio angesichts neuer Risiken und Chancen anzupassen. Dadurch, dass wir mit einer defensiven Ausrichtung in diese Phase gestartet sind, haben wir ausreichenden Spielraum, um von starken Abverkäufen zu profitieren, zum richtigen Zeitpunkt schnell zu agieren und den Fonds so mit Blick auf die kommenden Jahre optimal aufzustellen.

Quelle: Jupiter (Pressemitteilung vom 18.03.2020)

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Nicht überall wo nachhaltige Geldanlage draufsteht ist auch nachhaltig drin – Was nachhaltige Fonds unterscheidet

© Shutterstock

Das Thema nachhaltige Geldanlage wird zu einem immer größeren Trend und sowohl die öffentliche Diskussion rund um die Klimakrise, als auch die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten steigen. Aber wo nachhaltig drauf-steht, ist leider nicht immer nachhaltig drin. Selbst weitverbreitete „Nachhaltigkeitsan-sätze“, wie einfache ESG-Ausschlusskriterien oder Best-in-Class-Verfahren, greifen viel zu kurz, denn teils werden einfach nur die „schlimmsten“ Unternehmen aussortiert. So kann es sein, dass „nachhaltige“ Fonds in Unternehmen aus Sektoren wie Atomkraft, Rüstung oder fossilen Energien investieren, weil die Unternehmen im Branchenvergleich „am wenigsten schädlich“ sind.

Nicht nur die Schlechtesten ausschließen, sondern die Besten auswählen

Was es stattdessen braucht, sind Investitionen in Unternehmen, die eine messbare posi-tive Wirkung im Bereich der Pariser Klimaziele und den Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) haben und Produkte entwickeln und anbieten, die Lösungen für die zukünftigen Herausforderungen von Mensch und Umwelt bieten. Nur von solchen Anlagestrategien geht eine positive transformative Wirkung aus und sie kommen dem zunehmenden Wunsch vieler Anleger nach, die in wirklich nachhaltige Investmentfonds investieren und mit ihrem Geld eben nicht bestimmte Branchen und Geschäftsfelder unterstützen und von deren Gewinnen profitieren wollen. Mit diesem Wunsch müssen Anleger auch nicht auf Rendite verzichten, denn mehrere Studien haben gezeigt, dass sich nachhaltige Strategien auch positiv auf die finanzielle Rendite auswirken: Der Fokus auf nachhaltige Unternehmen im Investmentportfolio be-deutet eher eine Beschränkung des Risikos als der Rendite, da nachhaltige Unternehmen tendenziell stabilere und positive Wirtschaftsergebnisse erbringen.

Vermeidung von Greenwashing durch Reporting – nicht nur finanzieller Kennzahlen

Mit Veröffentlichung der EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungs-pflichten im Finanzdienstleistungssektor Ende November 2019 wurde ein erster wichti-ger Schritt zur Vermeidung von Greenwashing getan. Aber damit Anleger leichter erkennen können, wie nachhaltig ein Fonds ist, bedarf es neben Transparenz über die Zusammensetzung der Portfolios auch Reportings über die Wirkung der Fonds.
Dadurch werden Transparenz und Vergleichbarkeit geschaffen und das Ziel von wirklich nachhaltiger Geldanlage deutlich gemacht: Nicht nur einen möglichst kleinen negativen Fußabdruck zu hinterlassen, sondern durch gezielte Investments in ausgewählte Unter-nehmen einen möglichst großen positive Beitrag z.B. zur Erreichung der SDGs zu leisten und damit Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen zu unterstützen.

Beispiel für Wirkungsreporting

Am Beispiel der Fonds von Triodos Investment Management (Triodos-IM) kann man er-kennen, wie sich die Auswirkung von Investmentfonds darstellen lässt. Alle Triodos-Fonds werden auf ihren ökologischen Fußabdruck hin mit anderen Benchmark-Fonds verglichen: Beispielsweise hat der Triodos Global Equites Impact Fund einen im Ver-gleich zum Benchmark MSCI World um 66% geringeren CO²-, einen um 55% geringeren Wasser- und einen um 51% geringeren Müll-Fußabdruck. Bei einem Investment von 10.000 Euro macht das pro Jahr schon eine Ersparnis von umgerechnet etwa einer Auto-fahrt von 8.000 km, über 3.000 Duschen und sechs Mülltonnen aus.
Durch den speziellen Investmentansatz, der sich an sieben Transformationsbereichen orientiert, wird gezielt in Unternehmen investiert, die einen nachweislich messbaren Beitrag zum Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft leisten. In einem Vergleich mit dem MSCI World und dem MCSI World ESG Index zeigt sich der deutlich höhere Beitrag z.B. auf die SDGs.

Können ETFs genauso nachhaltig sein wie gemanagte Fonds?

Bei Exchange Traded Funds (ETFs) werden oft sehr niederschwellige Maßstäbe für Nach-haltigkeitskriterien angelegt und Best-in-Class-Ansätze verwendet. Dass passive Abbil-den eines Index hat dann zufolge, dass zum Beispiel Aktien von Öl- und Kohlekonzernen in einem vermeintlich nachhaltigen ETF landen können. „Tatsächliche nachhaltige Transformation geht von gemanagten Fonds aus, die gezielt in sorgfältig ausgewählte Unter-nehmen investieren. Best in Class reicht nicht aus“, sagt Hans Stegeman, Head of Invest-ment Analysis and Economics von Triodos-IM.
Aber nicht nur darin unterscheiden sich Investmentfonds mit umfangreichem Research und Ausschlusskriterien, wie die von Triodos-IM, wesentlich von vielen anderen „grünen“ Fonds und insbesondere von ETFs. Neben der Auswahl von Unternehmen, die zu einer progressiven positiven Entwicklung beitragen und auch hohen ESG-Kriterien ent-sprechen, entsteht dadurch eine positive Wirkung, dass in Form von Engagement, z.B. durch Stimmrechtswahrnehmung auf Hauptversammlungen und öffentliche Stellung-nahmen, Einfluss auf die Unternehmen genommen wird.

Quelle: Triodos Bank N.V. (Pressemitteilung vom 03.03.2020)

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