Skip to Content

Category Archives: Debatte

Wald- und Holzfonds brennen teils lichterloh

Landshut, 16.04.2018 (Ein Kommentar von Edmund Pelikan): Vor etwa einem Jahr fuhr der Holzfonds Lignum noblis – ein direktinvestierender Rundholzanbieter – gegen die Wand. Das war eine ähnliche Überraschung wie die 2018 bekanntgewordene Insolvenz des Containeranbieters P&R.

Der Branchendienst KMI GmbH hat nun die Probleme des Waldfonds von Nordcapital offengelegt. Noch 2007 und 2008 galten Waldfonds als interessante Immobilienfondsalternative. Das Beispiel Nordcapital zeigt, dass die damals vorherrschende Funktion eines Emissionshauses als (fachdummen) Kapitalsammelstelle sich heute rächt. Die Fehler reichen von der Auswahl des falschen Fachpartners, der nicht ausreichenden Prüfung von Restitutionsansprüche der rumänischen Waldgrundstücke bis zu einer falschen Bewirtschaftungsstrategie.

Allein bei dem Waldfonds 1 von Nordcapital konnten 60 Millionen Euro von 2.800 Investoren eingesammelt werden. Von den etwa 35 bis 40 Prozent Sollausschüttungen sollen bisher lediglich 9,5 Prozent geflossen sein. Eigentlich sollten 2020 schon wieder alle Waldgrundstücke verkauft sein. Das ist nach heutiger Ausgangslage eine Illusion. Fassen wir zusammen: Nordcapital hinkt sowohl bei finanziellen als auch bei juristischen Themen des Waldfonds 1 weit hinterher. Vielleicht haben die von der BeteiligungsReport Redaktion oft kritisierten Anlegerschutzanwälte recht, dass Nordcapital als Fondsverwalter bisher bei diesem Waldfonds wohl versagt hat.
Quelle: epk media

0 Continue Reading →

Fabian Langaard ergänzt die Jury des Wettbewerbs „Jugend wirtschaftet!“

Fabian Langaard

Pressemitteilung der Stiftung Finanzbildung vom 12.04.2018

Landshut, 12.04.2018 – Inzwischen zum achten Mal fördert die Stiftung Finanzbildung mit ihrem Wettbewerb „Jugend wirtschaftet!“ die Auseinandersetzung mit finanzökonomischen Themen in der Oberstufe von Gymnasien, Fach- und Berufsoberschulen. Dabei können die Absolventen ihre Facharbeiten beziehungsweise Seminararbeiten zum Wettbewerb einreichen, wenn sich diese rund um den Themenkomplex Finanzen und Wirtschaft drehen.

Manche Wirtschaftsphilologen und Fachlehrer stellen sich regelrecht bereits auf den Wettbewerb ein und bieten Seminarthemen dazu an. Durch gezielte Hinweise sowohl in Rundschreiben des Kultusministeriums als auch des bayerischen Wirtschaftsphilologenverbandes steigt die Zahl der eingereichten Arbeiten kontinuierlich. Jurymitglieder müssen somit jedes Jahr bis zu 1.000 Seiten Fachliteratur würdigen. Deshalb ist es auch notwendig, die Jury zu erweitern.

Dieses Jahr wird nun der Young Professional Fabian Langaard (29) in die Jury berufen. Nach seinem Abitur in Landshut, seinem Bachelor in Volkswirtschaft an der Universität in St. Gallen und an der Columbia University New York sowie seinem Master in „International Political Economy“ am King’s College London rundete er seine Ausbildung an der London Business School mit dem Schwerpunktbereich Private Equity ab. Danach arbeitete der heute 29-Jährige in verschiedenen Positionen bei Hedgefonds und im internationalen M&A/Private Equity-Bereich von der Schweiz und von Norwegen aus. Heute hat er diverse Verwaltungsrats- und Aufsichtsratspositionen inne.

„Fabian Langaard bringt einen wichtigen praxisbasierten Erfahrungsschatz in die Jury ein“, so Edmund Pelikan, Stiftungsgeschäftsführer und Vorsitzender der Jury, und unterstreicht: „Er ist eine wunderbare Ergänzung zu den Jurykollegen Professor Erwin Blum, Unternehmerin Karin Hildebrandt, Versicherungsvorstand Dr. Stefan Kunowski, M&L-Unternehmensberatungschef Matthias Mauer, Landtagsabgeordneten und Banker Helmut Radlmeier und FNG-Chef Volker Weber. Wir begrüßen ihn herzlich und danken ihm für sein ehrenamtliches Engagement.“

Wie jedes Jahr werden auch 2018 im Wettbewerb „Jugend wirtschaftet!“ bis zu sechs Auszeichnungen für die besten Arbeiten mit dem „Klaus-Hildebrand-Preis“ prämiert und etwa 1.000 Euro Preisgeld vergeben. Traditionell werden die Ehrungen und Geldpreise an der Abiturfeier durch die Lehrkräfte Ende Juni 2018 überreicht werden.

 

 

0 Continue Reading →

Fundamental Capital kooperiert mit FondsDISCOUNT.de

Fundamental-Capital_Gruppenbild

Willich, 20. März 2018 – Der Online-Vermögensverwalter Fundamental Capital, spezialisiert auf Anlagestrategien, die mithilfe von Algorithmen und Einzeltiteln umgesetzt werden, kooperiert ab sofort mit FondsDISCOUNT.de, einem unabhängigen Online-Fondsvermittler der wallstreet:online capital AG.

Kunden von FondsDISCOUNT.de können dabei durch die Einbindung von Fundamental Capital in dessen Angebot mit wenigen Klicks ihr Kapital dort anlegen.

„Wir freuen uns, dass wir mit FondsDISCOUNT.de einen der führenden Vermittler von Geldanlage-Produkten gewinnen konnten. Die Zusammenarbeit eröffnet uns eine weitere Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Uwe Zimmer, Geschäftsführer von Fundamental Capital.

„Wir sind froh, mit Fundamental Capital einen innovativen Partner gefunden zu haben, mit dem wir unser Produkt- und Serviceportfolio um eine neue Facette erweitern können – die des Technologie-getriebenen, aktiven Value-Investierens. Besonders freue ich mich darüber, dass wir einen Robo-Advisor anbieten, der mehr kann, als nur nach ETFs zu suchen. Einerseits ist Fundamental Capital einzelaktien- statt indexbasiert und erwirbt für seine Kunden „echte“, also physische Aktien. Hinter diesen Anlageentscheidungen steht ein intelligenter Algorithmus, der rund um die Uhr 60.000 Aktien weltweit überprüft und bei der richtigen, weil günstigen Gelegenheit die Wertpapiere kauft. Zudem steht hinter dem ganzen Prozess ein ausgereiftes System zur Risikoanalyse“, sagt Thomas Soltau, Vorstand der wallstreet:online capital AG und Vertriebsleiter bei FondsDISCOUNT.de.

Nachdem Fundamental Capital im November 2017 in den Markt eingetreten ist, erschließt sich das Fintech-Unternehmen durch die neue Kooperation nun zusätzliche Kundensegmente. Als echte B2B-Partnerschaft ist die Zusammenarbeit mit FondsDISCOUNT.de dabei auch richtungsweisend für zukünftige Geschäftsbeziehungen von Fundamental Capital – geplant sind weitere Vertriebskooperationen im In- und Ausland.

Quelle: Fundamental Capital 

0 Continue Reading →

Gute Zeiten für Anleger

München, 8. März 2018 – Seit 50 Jahren ist Gottfried Heller in der Vermögensverwaltung erfolgreich tätig. Der langjährige Partner der Börsenlegende André Kostolany teilt nun in seinem neuen Buch „Die Revolution der Geldanlage“ sein Erfolgsrezept, wie jeder sein Geld risikoarm und gleichzeitig renditestark anlegen kann. „Die Zeiten für Anleger waren noch nie so vielversprechend wie heute“, sagt Gottfried Heller. „Mit einfachen Mitteln, wenig Zeitaufwand und niedrigen Transaktionskosten kann sich heute jeder an der Börse engagieren und den Grundstock zu einem nachhaltigen privaten Wohlstand legen.“

In den Mittelpunkt seiner Revolution der Geldanlage stellt Heller Indexfonds, sogenannte ETFs. Das Entscheidende: Anleger müssen hier selbst aktiv werden, denn Finanzdienstleister empfehlen sie nur selten. Kein Wunder, daran ist für Banken nur wenig zu verdienen, für die Anleger dafür umso mehr.

Der Leser erfährt nicht nur, warum Indexfonds in den Mittelpunkt der Privatanlage gehören. Heller erklärt auch, was bei Depots beachtet werden muss, wie jeder mit Indexfonds in aufstrebende Märkte investieren und wie die private Altersvorsorge mit ETFs gesichert werden kann. Vor allem erklärt er das alles in einfachen Worten und mit Beispielen, auch für Einsteiger bestens verständlich.
Dabei spart Heller aber auch nicht an Kritik – egal ob Euro, Riester Rente oder Nullzinspolitik. Deutliche Worte findet er zur Altersvorsorge. Deutschland trage hier die rote Laterne und das sei eine Schande. „Die Amerikaner, Skandinavier, Schweizer, Österreicher und sogar die Franzosen sind uns um Welten voraus. Unsere Rente ist ein Schönwettermodell auf Sand gebaut.“ Aber die Politik verweigere sich sinnvollen Lösungen.

Schon heute gilt die Rente in Deutschland im internationalen Vergleich als niedrig, dieser Zustand wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschlechtern. „Vor diesem Hintergrund ist es geradezu sträflich, dass die Chancen Vermögen aufzubauen verschiedenen Bevölkerungsgruppen komplett verwehrt werden.“
Ohne Aktien ist keine vernünftige Vorsorge möglich. Sie ist langfristig die mit Abstand ertragreichste Anlageklasse. Das hat sie in den letzten beiden Jahrzehnten bewiesen.
Obwohl in dieser Zeitspanne so viele Finanzkrisen und Kurseinbrüche wie nie zuvor die Börsen und die Anleger erschüttert haben, konnten Aktienanleger per saldo attraktive Renditen aus Kursgewinnen und Dividenden erzielen.

In seinem neuen Buch stellt Gottfried Heller in leicht verständlicher Sprache bequem nachvollziehbare Strategien vor. Sie basieren auf neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch auf seinen Erfahrungen, die sich in seinen 50 Jahren in der Vermögensverwaltung und an den Finanzmärkten erfolgreich bewährt haben.

Quelle: wordstatt GmbH (Pressemitteilung vom 08.03.18)

0 Continue Reading →

AXA Studie: Fast jeder Zweite würde gern an der Börse anlegen – sieht aber Risiken wie im Spielcasino

© shutterstock

AXA Studie: Fast jeder Zweite würde gern an der Börse anlegen – sieht aber Risiken wie im Spielcasino

In Deutschland zeigt sich ein auffälliger Widerspruch. Laut „Deutsches Aktieninstitut“ besitzt nur etwa jeder siebte Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds. Dagegen glauben exakt 42 Prozent aller Erwachsenen, dass „eine Geldanlage an der Börse hochinteressant ist.“ Unter Männern sind es sogar 51 Prozent (Frauen 34 Prozent). Ebenso stehen Aktienfonds klar an erster Stelle, wenn die Deutschen gefragt werden, welche Geldanlage langfristig die besten Chancen zum Vermögensaufbau verspricht.

Bundesweit vier von zehn Erwachsenen sagen schließlich: „Ich würde gern Geld an der Börse anlegen, mit fehlt aber das Wissen dazu.“

Die Erklärung, warum erst so wenige an der Börse Geld anlegen, kann eine aufrüttelnde Erkenntnis geben. So glauben 58 Prozent der Deutschen, mit einer Geldanlage an der Börse „unkontrollierbare Risiken einzugehen.“ Fast die Hälfte (46 Prozent) ist sogar der Meinung, dass „Geldanlage an der Börse genauso riskant ist wie ins Spielcasino zu gehen.“

„Mythen statt Fakten dominieren die Vorstellung von der Börse, weshalb sich die Deutschen viele Chancen verbauen. Insgesamt hat die nun schon Jahre andauernde Niedrigzinsphase aber offenbar ein Umdenken in Deutschland eingeleitet. Nur die Umsetzung der Erkenntnis hakt noch“, resümiert Dr. Patrick Dahmen, verantwortlich für das Lebensversicherungsgeschäft im Vorstand der AXA Konzern AG, das Ergebnis einer neuen Fokusbefragung im Rahmen des AXA Deutschlandreport 2017.

„German Angst“ hemmt den deutschen Anleger

Fast die Hälfte aller Bundesbürger schätzt die Wahrscheinlichkeit auf mindestens 50 Prozent, für Aktien an der Börse auch nach 20 Jahren Anlagedauer weniger zu bekommen, als investiert wurde. Besonders häufig ist diese Meinung in Thüringen, am seltensten in Bayern vertreten. Fakt ist dagegen: Laut „Deutsches Aktieninstitut“ hat es seit 1965 noch nie einen einzigen 20-Jahres-Zeitraum mit Verlust für ein Portfolio mit DAX-Aktien gegeben. Vielmehr waren in der Reget Renditen deutlich über der Inflationsrate und sogar oft zweistellig möglich. Wie groß trotz solcher Fakten die Furcht vor Verlusten ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der AXA Fokusbefragung. Demnach wäre die Mehrheit aller Deutschen (54 Prozent) bereit, an der Börse dann zu investieren, wenn es eine Garantie für das eingesetzte Kapital gibt. Jeder Dritte ist aber nicht bereit, für eine solche Garantie etwas zu bezahlen.

„Wir sehen diese Vorbehalte und bieten daher unterschiedliche Sicherheiten in unseren Produkten. Es gibt Angebote, in denen Garantien sinnvoll sind und dem Kundenbedarf entsprechen. Doch auch mit anderen Sicherungsmechanismen lässt sich das Schwankungsrisiko an den Börsen wirksam und kostengünstig begrenzen“, so Dr. Patrick Dahmen.

Große Unterschiede innerhalb Deutschlands

Die repräsentative Befragung offenbart große regionale Unterschiede im Bundesländervergleich, aber auch Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern sowie Altersgruppen. „Geld an der Börse anzulegen, lehne ich aus Prinzip ab.“ Dieser Aussage stimmen immer noch bundesweit drei von zehn Erwachsenen zu. Während es aber in Hamburg und Bayern nur 21 Prozent sind, pflichten dem in Thüringen mehr als doppelt so viele und insgesamt fast die Hälfte aller Befragten bei (44 Prozent). Interessant ist die Ursachenforschung. Kaum jemand will die Börse als „unseriös“ bezeichnen. Mit nur 14 Prozent wird diese Meinung bundesweit nur sehr selten vertreten. Stark dominiert dagegen das Gefühl, dass „Geldanlage an der Börse nur etwas für Experten ist.“ Sechs von zehn Befragten sind dieser Meinung. In Thüringen wird hierbei erneut der bundesweite Spitzenwert mit 70 Prozent gemessen. Frauen sehen das mit 64 Prozent deutlich häufiger als Männer (55 Prozent) und die über 55-Jährigen mit 68 Prozent deutlich häufiger als die unter 55-Jährigen (54 Prozent).

Die Älteren vertrauen am stärksten auf ihr Glück

Als wichtigstes Kriterium für gute Anlageergebnisse nennen die Deutschen „ein gutes Anlageprodukt“.

85 Prozent halten das für „sehr wichtig“ oder „wichtig“. An zweiter Stelle steht „Geduld“ (83 Prozent). Schlicht an „Glück“ glauben bundesweit 61 Prozent. Dabei vertrauen die Älteren jedoch intensiver auf ihr Glück bei der Geldanlage als die Jüngeren. Denn fast jeder dritte (30 Prozent) der über 55-Jährigen stuft Glück sogar als „sehr wichtig“ für gute Anlageergebnisse ein. Unter den jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren teilen nur halb so viele (15 Prozent) diese Einschätzung. Generation Z zeigt sich in Punkto Geldanlage demnach um einiges rationaler.

Über den Themenfokus „Anlageverhalten der Deutschen 2017“

Der Themenfokus ‚Anlageverhalten der Deutschen 2017‘ wurde im Rahmen des AXA Deutschland-Report zu Ruhestandsplanung und -management durch insgesamt 2.103 Online-lnterviews erhoben. Befragt wurde die Wohnbevölkerung repräsentativ in allen 16 Bundesländern. Die Ergebnisse wurden zudem zur Ableitung bundesweiter Aussagen bevölkerungsrepräsentativ gesamtgewichtet. Die Befragung wurde im Oktober 2017 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt.

Weitere Ergebnisse und Informationen finden Sie unter: www.axa.de/deutschland-report

0 Continue Reading →

Jerome Powell betritt die Bühne

Von Olivier de Berranger, Chief Investment Officer bei La Financière de l’Echiquier

Am 5. Februar übernahm Jerome Powell den Fed-Vorsitz und schlüpfte mit einer doppelten Anhörung vor dem Kongress in der vergangenen Woche endgültig in die Rolle des Gouverneurs der US-Notenbank. Ein von den Märkten erwarteter erster großer Auftritt, denn diese möchten gerne die künftige Richtung der Fed-Geldpolitik erfahren.
Dieser erste Auftritt des Princeton-Absolventen erfolgte zweigeteilt vor jeder Kammer des Kongresses.
Zuerst eine kurze Rede, die mit den Mitgliedern des Offenmarktausschusses abgefasst wurde, um den Konsens des Gouverneursrates zu verdeutlichen. Es ging um die Stabilität des Arbeitsmarktes und den Willen der Fed, die Normalisierung der Geldpolitik fortzusetzen, erst recht seit der Verabschiedung der US- Steuerreform. Es gab jedoch wenig neue Inhalte und die Äußerungen glichen inhaltlich denen von Janet Yellen bei ihrer letzten Anhörung vor dem Kongress im Juli.
Die anschließende Frage-Antwort-Runde erwies sich als viel interessanter, denn Powell schlug hierbei unerwartet restriktive Töne an. Er verwies insbesondere darauf, seine persönlichen Wachstumsprognosen seit der Verabschiedung der Steuerreform, die eine beachtliche Zunahme der Binnennachfrage auslöste, nach oben korrigiert zu haben. Dieses Vertrauen in die Robustheit der US-Konjunktur wurde von den Anlegern als Anzeichen einer Wende zu einer restriktiveren Geldpolitik aufgefasst, die vier Leitzinsanhebungen in diesem Jahr glaubwürdig erscheinen lässt. Die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme stieg von 24,4 % auf 35 %. Die langfristigen Zinsen stiegen ebenfalls und erreichten während des Auftritts von Powell einen Stand von 2,92 %.
Die Wahrnehmung wird durch den von Powell erwarteten Anstieg des Lohndrucks noch verstärkt. Bei seinem Auftritt vor dem Senat wies er jedoch darauf hin, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses keinerlei „Anhaltspunkte“ sähen, die das Szenario einer überhitzten US-Konjunktur befürchten ließen. Überdies wischte er die jüngste Rückkehr der Volatilität mit der Begründung beiseite, dass die Fed den Aktienmarkt nicht steuere, bestätigte aber zugleich, ein wachsames Auge auf die Reaktionen des Anleihemarktes zu haben.
Powell folgt somit der Linie, die Janet Yellen bereits zum Ende ihres Mandats vorgegeben hatte. Die Fed wird ihre Zinssätze zur Vermeidung von Not-Interventionen weiterhin schrittweise, aber regelmäßig anheben müssen. Unsere zentrale Annahme eines Szenarios mit vier Zinsanhebungen in diesem Jahr nimmt damit noch etwas schärfere Konturen an – lediglich eine jähe Reaktion des Anleihemarktes, die das Finanzsystem destabilisieren würde, könnte die US-Notenbank zur Änderung ihres Fahrplans veranlassen.

0 Continue Reading →

Buchempfehlung: International Handbook of Financial Literacy

© Springer-Verlag GmbH

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Diese nüchterne Erkenntnis teilte eine Abiturientin vor einiger Zeit in einem öffentlichen Tweet mit und sorgte damit für Aufsehen. So wie dieser Schülerin geht es vielen jungen Erwachsenen. Sie haben keine oder nur unzureichende Kenntnisse über Wirtschafts- und Finanzthemen. Das Schulfach Finanzbildung wird in Deutschland, wie auch in vielen anderen Staaten, schlichtweg stiefmütterlich behandelt.

Und diejenigen, die sich intensiver mit dem Thema Finanzbildung auseinandersetzen wollen, stoßen auf ein weiteres Problem: die unüberschaubare Menge von Denkansätzen und Themenfeldern.

Abhilfe will hier das Buch International Handbook of Financial Literacy von Carmel Aprea, Eveline Wuttke, Klaus Breuer schaffen. Interessierte wie Lehrpersonal, Studierende und Finanzdienstleister können sich damit eine Übersicht über die verschiedenen Ansätze von Finanzbildung schaffen. Erschienen ist das Buch im Springer Science Verlag.

0 Continue Reading →

Offener Brief an Herrn Kardinal Rainer Woelki zur Weihnachtsansprache 2017

Kardinal Rainer Woelki

Offener Brief an Herrn Kardinal Rainer Woelki zur Weihnachtsansprache 2017 mit dem Thema „Immobilienspekulation menschenverachtend“

Sehr geehrter Herr Kardinal Woelki,

zum Weihnachtsfest 2017 fand Ihre Predigt vor allem in Form der Passage „Immobilienspekulationen sind menschenverachtend“ großen Widerhall in den überregionalen Medien. Ich würde sogar diese Reaktion vergleichen mit dem Satz des heutigen Papstes „die Wirtschaft tötet“. Kapitalismusbashing ist schließlich en vogue.

Es wird berichtet, dass Sie wörtlich gesagt haben: „…Mehr und mehr Menschen sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten können, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind und so preiswerter bezahlbarer Wohnraum fehlt. … Das sei zynisch, im Letzten sogar menschenverachtend!“

Natürlich ist es legitim und auch richtig, als Kirchenmann an das soziale Gewissen von Menschen zu appellieren. Besonders glaubhaft ist es dann, wenn man danach selbst lebt. Denn es gilt bekanntlich der Spruch: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Die Fakten:

Im Finanzbericht 2016 des Erzbistums Köln, dem Sie ja vorstehen, werden Immobilien mit einem Bilanzwert von über 600 Millionen Euro ausgewiesen, davon 277 Wohn- und Geschäftsimmobilien. Dass der reale Wert deutlich höher ist, ist den Bilanzrichtlinien geschuldet. In einem Medienbericht des Spiegels aus dem Jahr 2015 wird der aktuelle Wert eines einzigen Mehrfamilienhauses in der Innenstadt von Köln mit 1,4 Millionen Euro taxiert. In diesem Spiegelartikel wird auch die Beteiligung des Erzbistums an 17 Unternehmen herausgestellt, darunter die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft und der Rheinwohnungsbau. Erstere verwaltet rund 25.000 Wohnungen und letztere, an der das Bistum Köln etwa 41,5 Prozent hält, rund 6.000 Wohnungen.

Im einem ARD-Bericht, der heute noch auf YouTube unter dem Titel „Vergelts Gott“ abrufbar ist, wird ausführlich am Beispiel der Immobilien “Dom Forum“ dargestellt, dass die Kölner kirchliche Vermögensverwaltung klassische und legale Steuervermeidungsstrategien über Briefkastenfirmen in Holland wählt. Diese Vorgehensweise ist die von Immobilienspekulanten.

Neben dem Immobilienbesitz des Erzbistums hält sowohl der Erzbischöfliche Stuhl (gemäß einem ZEIT Beitrag aus 2013 verfügt diese Verwaltungseinheit der Kirche einen Besitz von 166 Millionen, rund 10 Prozent in wohnwirtschaftlichen Investments) als auch das Domkapitel separate Real Estate Investments. Wer allein im Erzbischöflichen Stuhl Erträge von fast 10 Millionen Euro (2012) und im Domkapitel von 144.000 Euro (2015) erwirtschaftet, erzielt Renditen, die ihn als Immobilienspekulant auch dort ausweisen.

Hier nun meine Fragen an Sie, verehrter Kardinal Woelki:

Kennen Sie diese Finanzinvestitionen Ihres Bistums vor Ihrer Predigt, wodurch sich das Erzbistum Köln als Immobilienspekulant outet?

Ist deshalb die katholische Kirche in Köln zynisch und menschenverachtend?

Bitte erläutern Sie mir diesen elementaren Widerspruch, den Sie einerseits in der Predigt fordern, andererseits aber in der täglichen Finanzverwaltung Ihres Bistums selbst nicht erfüllen?

Kurz gesagt: Weder tötet die Wirtschaft noch sind Immobilienspekulanten zynisch oder menschenverachtend. Sicher kommt es immer auf die Menschen an, die Verantwortung in Unternehmen und Funktionen tragen. In der Immobilienwirtschaft werden Risiken und Investitionen eingegangen, denen ein bestimmter Ertrag gegenüberstehen muss. In Zeiten schwieriger Marktlagen kommt es nicht selten deshalb auch zu Insolvenzen von Immobilienunternehmen. Und Sie verstehen mich richtig, dass ich dies auch den Vermögensverwaltern der Kirchen zugestehe. Und wenn Papst Alexander VI. über Keuschheit predigte, ist das genauso glaubhaft, wie wenn heute die Kardinäle der Erzbistümer Köln oder München über Armut, Sozialgerechtigkeit oder eben Immobilienspekulation von der Kanzel sprechen.

Die Kirche sollte deshalb durchaus überlegen, auf ihre Privilegien zu verzichten, wie Notargebührvorteile, wie Steuervorteile, wie Verbot von Betriebsräten in kirchlichen Unternehmen usw.. Das wäre weder zynisch und auch nicht menschenverachtend, sondern glaubwürdig.

Wenn ich Zitate wie von Ihnen lese, erinnere ich mich gerne an das Finale des Film „In den Schuhen des Fischers“. Und diese Vision stammt aus dem Jahre 1968!

Ich freue mich auf Ihre Argumente!

Mit freundlichen Grüßen

Edmund Pelikan
Sachverständiger und Publizist für Sachwerte und Investmentvermögen
Gründer der Stiftung Finanzbildung gemeinnützige UG

0 Continue Reading →

Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung vergibt fünf Preise für herausragenden Wirtschaftsjournalismus und verabschiedet ihren langjährigen Juror Professor Michael Hüther

Essen. 22. November 2017 – Die Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung vergab am 21. November 2017 zum 32. Mal ihre Preise für ausgezeichneten Wirtschaftsjournalismus: Vier Auszeichnungen und ein Stipendium gingen an Journalisten und Journalistinnen aus Druckmedien und Fernsehen. Die feierliche Verleihung fand mit freundlicher Unterstützung der R+V Allgemeine Versicherung AG in der Niederlassung der DZ Bank AG in Frankfurt am Main statt. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Finanztip Verbraucherinformation gGmbH, appellierte an die Preisträger und zahlreichen Gäste der Veranstaltung, Leser und Zuschauer klüger zu machen, damit sie bessere Entscheidungen treffen können: dies sei die einzige und wahre Alternative zu journalistischem Zynismus. Abschied nehmen musste die Jury des Vogel-Preises von Professor Michael Hüther, Direktor des IW Köln, der nach zwölf Jahren das Vergabekomitee der Stiftung auf eigenen Wunsch verließ.

Die vier mit 3.000 Euro dotierten Vogel-Preise erhielten im Jahr 2017:

Nicola Meier, Hamburg für das Dossier „Wer rettet Klara?“, erschienen in DIE ZEIT 39/2016 am 15. September 2016

Juror Michael Boll, Verleger des Solinger Tageblatts: „In dem hervorragend geschriebenen, aufwändig recherchierten und spannend aufgebauten Artikel geht es um die brisante Frage, unter welchen Bedingungen ein Pharmaunternehmen todkranken Patienten auf deren eigenes Risiko ein noch nicht zugelassenes Medikament herausgeben sollte (sog. „compassionate use“). So eindeutig, wie diese Frage auf den ersten Blick zu beantworten scheint, ist es nicht. Die Autorin schafft es, sehr feinfühlig anhand des Beispiels von Klara, die an der seltenen, tödlich verlaufenden Stoffwechsel-Erkrankung NCL2 leidet, die Situation der betroffenen Patienten zu schildern, ohne in das übliche Muster zu verfallen, die vermeintlich skrupellosen Pharmaunternehmen anzuprangern. Im Gegenteil: Auch der Sichtweise der Pharmaunternehmen, die oft gute (und nicht ausschließlich ökonomische) Gründe haben, die Medikamente nicht herauszugeben, wird viel Platz eingeräumt. Schließlich kommen auch die medizinethische Sichtweise und die Rolle von Journalisten und sozialen Medien zu Wort. Ein komplexes Thema im Spannungsfeld von Wirtschaft, Medizin und Ethik – journalistisch herausragend aufbereitet.“

Gianna Niewel, Trier, für die Seite-3-Reportage „Der nachtblaue Orden“, erschienen in Süddeutsche Zeitung am 2. Dezember 2016

Juror Thomas Tuma, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt : „Herbst 2016, die Republik bereitet sich längst auf Weihnachten vor. Die Einzigen, die die Stimmung verderben, sind die Piloten der Lufthansa. Tagelang legen sie den Flugverkehr lahm. Ihre Sparten¬gewerkschaft Cockpit fordert eine Tariferhöhung von 22 Prozent, rückwirkend für die letzten fünf Jahre, in denen ihr Gehalt nicht erhöht wurde. Es geht um viel mehr als um das Geld und die Piloten. Es geht um die große Macht kleiner Spartengewerkschaften generell. Es geht um Tarifeinheit, aber auch um die Frage, wie weit sich unsere Gesellschaft noch fragmentiert. Auch wir beim Handelsblatt haben darüber vielfältig berichtet, aber leider nie so kraftvoll den großen Wurf wagend, wie es Gianna Niewel mit einer einzigen ‚Seite 3‘ in der „Süddeutschen“ gelungen ist. Ich bin wirklich neidisch auf die SZ-Kollegen und ihr neues und noch junges Top-Talent, das schon derart durchkomponierte Stücke abliefert – geschrieben mit ebenso viel Selbstvertrauen und Sicherheit, Weisheit und zugleich Demut. Ich wünsche dem Wirtschaftsjournalismus, dass unsere Preisträgerin gerade da weitermacht: Wirtschaft braucht Beobachterinnen wie sie.“

Markus Koch und Matthias Praxenthaler (Moderation und Produktion) für den Livestream „Auf der Couch by Markus Koch – 3 Shows und 3 wichtige Fragen“, Folge 3, 29. November 2016, 19:30 Uhr
Diverse Onlineplattformen und www.aufdercouch.net

Juror Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V.: „Bei Markus Koch auf der Couch wird eingelöst, was vielfach als Mangel benannt: Gute Unterhaltung zum Thema ‚finanzielle Bildung‘. Niedrigschwellig in angenehmer Atmosphäre werden auch schwierige Themen unserer Finanzwelt – wie Robo Advice und Behavioral Finance – aufbereitet und vermittelt.“

Ariane Riecker und Dirk Schneider (Autoren) sowie Marianne Harr (Mitarbeit), Prof. Olaf Jacobs (Hoferichter & Jacobs GmbH, Produktion) und Silke Heinz (MDR, Redaktion) für die dreiteilige Reportage „Wer bezahlt den Osten“
Teil 1 – Geben & Nehmen, 30. Mai 2017, 22:05 Uhr
Teil 2 – Soll & Haben, 6. Juni 2017, 22:50 Uhr
Teil 3 – Gewinn & Verlust, 13. Juni 2017, 22:05 Uhr
Mitteldeutscher Rundfunk

Juror Reinhard Schlieker, Zweites Deutsches Fernsehen: „Wer bezahlt den Osten – das ist eine dreiteilige Chronik der wilden Jahre nach der Wiedervereinigung. Mit zahlreichen Beispielen von tollkühnen Investoren, harten Bürokraten und ausufernden Kosten. Schicksale einzelner und das Wohlergehen oder Untergehen ganzer Industrien werden in Beziehung zueinander gesetzt. Auch wenn es sich vorwiegend um eine historische Betrachtung handelt, wirken die Geschehnisse von damals täglich in unsere aktuelle Gegenwart hinein: in finanzieller, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Der Bezug zum Thema Soziale Marktwirtschaft ist geradezu Kernelement dieser hervorragenden Serie. Dabei wird durchaus problematisiert, dass viele Menschen in der ehemaligen DDR von der Geschwindigkeit des Wandels überfahren worden sind. Und dass viele im Namen der Marktwirtschaft versuchten, ihren eigenen Vorteil zu suchen – und dies auf rücksichtslose Weise. An Beispielen wagemutiger Unternehmer wird jedoch auch gezeigt, dass der unternehmerische Geist dazu angetan ist, ganze Landstriche neu zu beleben. Die Autoren haben für den MDR ein zeithistorisches Werk von bleibender Bedeutung geschaffen.“

Das mit 3.000 Euro dotierte Vogel-Stipendium im Jahr 2017 erhielt:

Stefanie Nickel, Hannover, feste freie Mitarbeiterin in der NDR Onlineredaktion, für ihre Rechercheidee „Krieg und Frieden im Klassenzimmer: Nationalismus in Lehrplänen und ethnische Trennung an Schulen in Bosnien und Herzegowina“

Juror Dr. Michael Moerchel, freier Journalist, Bonn: „Stefanie Nickel ist Nachrichtenredakteurin und Autorin in der Onlineredaktion des Norddeutschen Rundfunks. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie Reportagen für Magazine und Zeitungen. An der Leuphana Universität Lüneburg hat sie ein berufsbegleitendes Studium zu Nachhaltigkeit und Journalismus abgeschlossen und dort zu nachhaltigem Wirtschaften, extensiver Landwirtschaft und deren Alternativen gehört. Der Zusammenhang von Bildung und wirtschaftlicher Entwicklung interessiert sie dabei besonders. In ihrer Recherchereise möchte sie die ethnisch getrennten und nationalistisch aufgeladenen Bildungssysteme in Bosnien und Herzegowina und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes analysieren. Ihre als Arbeitsprobe eingereichte Reportage ‚Grünau lebt‘, die in der Zeitschrift Chrismon erschienen ist, schildert in einem einfühlsamen Feature die Entwicklung der Plattenbausiedlung Grünau in Leipzig und hat die Jury restlos überzeugt.“

Die Friedrich und Isabel Vogel Stiftung dankt der R+V Allgemeine Versicherung AG für die freundliche Unterstützung bei der Verleihung der Vogel-Preise 2017.

Über die Vergabe der Vogel-Preise entschieden 2017 die folgenden Juroren: Michael Boll (Verleger des Solinger Tageblatts), Heinrich Meyer (Herausgeber Neue Ruhr Zeitung), Hermann Neusser (Verleger des Bonner General-Anzeigers), Dr. Michael Moerchel (freier Journalist), Peter Brors und Thomas Tuma (stv. Chefredakteure Handelsblatt) Prof. Dr. Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V.) und Reinhard Schlieker (Wirtschaftsredakteur ZDF).

Leitfigur für Dr. Friedrich Vogel und seine Frau Isabel war Ludwig Erhard, dessen Idee der sozialen Marktwirtschaft der Handelsblattgründer und Journalist mit seinen Publikationen unterstützte. Darin sah er seinen Beitrag zum Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten deutschen Wirtschaft. Seine Ideale leben in der 1984 gegründeten Vogel-Stiftung weiter, die jährlich Wirtschaftsjournalisten für ihre beispielhaften Arbeiten auszeichnet.

Die Bewerbungen für den Vogel-Preis 2018 können ab 1. März 2018 wieder eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2018.

Quelle: Friedrich und Isabel Vogel-Stiftung, Pressemitteilung vom 22. November 2017

0 Continue Reading →

Studie: Wissen über Geld wichtiger als Wissen zur Gesundheitsvorsorge

Frankfurt, 25. September 2017– Das Wissen über Geld und persönliche Finanzen ist für die Deutschen der wichtigste Bildungsbereich, noch vor Gesundheit, Politik und Ernährung.

©Shutterstock

Nach Expertenmeinung wird die Bedeutung in den nächsten zehn Jahren sogar weiter ansteigen. Das belegt eine Studie von Kantar EMNID im Auftrag von Union Investment. Wie es tatsächlich um das Wissen rund ums Geld steht – da gehen die Meinungen allerdings auseinander. Während die breite Bevölkerung die eigene Finanzkompetenz als gut einschätzt, sehen das Fachleute ganz anders.

Im Rahmen der Studie von Kantar EMNID wurden eine quantitative bevölkerungsrepräsentative Befragung unter 1.014 Personen im Alter ab 14 Jahren durchgeführt und außerdem 600 Experten aus Finanzindustrie, Journalismus, Lehrerschaft, Politik und Verbraucherschutz befragt. Es zeigt sich, dass die Ansichten über Wissen, Herausforderungen und Verantwortung weit auseinandergehen. Einigkeit besteht allerdings darin, dass das Wissen über Geld und persönliche Finanzen für alle Befragten noch vor Gesundheit, Politik und Ernährung der wichtigste Bildungsbereich ist. Für jeden zweiten Befragten aus der Bevölkerung (52 Prozent) und zwei Drittel der Experten (65 Prozent) hat es heute zwar schon eine hohe Priorität. Tatsächlich ist die faktische Relevanz deutlich geringer, sagen 46 Prozent der Experten. Sie rechnen aber damit, dass die Bedeutung der Finanzbildung in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. 61 Prozent gehen davon aus, dass das Thema in zehn Jahren äußerst oder sehr wichtig sein wird.

Schlechte Schulnoten für das Finanzwissen der Deutschen
Auseinander gehen die Urteile von Experten und der Bevölkerung bei der Einschätzung des Finanzwissens in Deutschland. Während die Bevölkerung sich selbst die Schulnote 2,5 gibt, erhält sie von den Experten nur eine 3,8. Mehr als 50 Prozent der befragten Bevölkerung bewerten das eigene Wissen mit gut oder sehr gut. Nur 5 Prozent der Experten vergeben diese Noten.

Die größten Defizite verspüren die Deutschen, wenn es um Themen wie Altersvorsorge (89 Prozent), Zinsen und Schulden, Ratenzahlung und Haushaltsbudget (79 Prozent), Zinsen und Sparen (76 Prozent) oder Versicherungen (72 Prozent) geht. Je nach Altersgruppe wechseln die Schwerpunkte. Zudem fällt beim Vergleich zwischen den Antworten der Experten und der Gesamtbevölkerung auf, dass zusätzliches Wissen zum Thema Geldanlage mit Aktien und Fonds von jedem zweiten Experten (53 Prozent), aber nur von jedem dritten Befragten (33 Prozent) aus der Bevölkerung als wichtig erachtet wird.

Woran liegt es, dass die befragten Experten beim Thema Finanzbildung zu einem so kritischen Urteil kommen? Als größte Hindernisse sehen sie eine unzureichende Behandlung des Themas in der Schule (52 Prozent), mangelnde Wissensvermittlung im Elternhaus (50 Prozent) und fehlende Eigenverantwortung junger Menschen (48 Prozent). Als nicht positiv besetztes Lifestyle-Thema benennt knapp die Hälfte der befragten Experten „Desinteresse“ als weiteres großes Hindernis.

Die Hauptverantwortung für die Vermittlung von Finanzwissen weisen Experten derzeit vor allem den Familien (73 Prozent), gefolgt von den Schulen (55 Prozent) zu. Dafür erhalten die Eltern von den Fachleuten allerdings nur eine schwache Schulnote von 3,7. Noch schlechter fallen die Noten für die Vermittlung von Finanzwissen in den Schulen (4,1) aus. Auch die Politik bekommt von den Experten eine 4,0.

Besonders umstritten ist die Rolle der Schule. Nur jeder dritte Deutsche (36 Prozent) gibt an, dass ihm wichtiges, auch heute noch relevantes Finanzwissen in der Schule vermittelt wurde. Die befragten Experten signalisieren vor allem den Schulen, dass diese sich intensiver des Themas annehmen sollen. Impulse erwarten sie dabei von der Politik, die sich selbst aber deutlich weniger in der Verantwortung sieht. Eltern, Politik und Schule erfüllen demnach nicht die Erwartungen und weisen die Verantwortung für Verbesserungen jeweils den anderen gesellschaftlichen Akteuren zu.

Die Studie zeigt, dass die Schule nur ein Teil der Lösung ist, ihre Rolle aber trotzdem deutlich gestärkt werden sollte. 73 Prozent der Bevölkerung wünschen eine bessere Verankerung der Finanzbildung bereits in unteren Jahrgängen, 61 Prozent fordern dafür ein eigenes Schulfach.

Erwachsenenbildung ist wichtiger Baustein
Überraschenderweise sieht ein Großteil der Befragten eine Lösung des Problems in der Öffnung der unternehmensinternen Weiterbildung. Vier von fünf Befragten (83 Prozent) halten es für chancenreich, das Thema Finanzbildung über innerbetriebliche Maßnahmen zu fördern. Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) wünschen sich eine Stärkung der Elternkompetenzen. Auf Platz drei folgt die Schule mit 73 Prozent.

Nach Ansicht von Union Investment zeigen die Studienergebnisse einerseits, wie groß der Handlungsbedarf bei dem Thema ist und wie erheblich teilweise die Unterschiede im Meinungsbild der verschiedenen befragten Gruppen sind.

Quelle: Union Investment, Presseinformation vom 25.09.2017

0 Continue Reading →