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Category Archives: Debatte

Kapitalismus – Wirtschaftssystem mit Imageproblem

Konjunktur in Deutschland

55 Prozent der für das Edelman Trust Barometerbefragten Menschen in Deutschland finden, dass Kapitalismus der Welt mehr schadet als nützt. Dazu passt ein weiteres Ergebnis der Studie: Nur 23 Prozent der Deutschen sind bezüglich ihrer ökonomischen Zukunft optimistisch. Wie verbreitet die Systemskepsis ist, zeigt der Blick auf die Statista-Grafik. In Indien halten beispielsweise drei Viertel der Befragten den Kapitalismus für schädlich, nicht viel weniger denken das in Frankreich. Von den 28 abgedeckten Ländern hat das aktuelle Wirtschaftssystem nur in einer Handvoll kein ausgewachsenes Imageproblem – allen voran Japan, wo nur 35 Prozent den Kapitalismus eher für schädlich halten.

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Stiftung Finanzbildung ist Mitglied beim Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB)

Das Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) ist eine Initiative von Lehrkräften, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft. Es setzt sich ein für eine Verankerung ökonomischer Bildung in allen weiterführenden Schulen in Deutschland – in angemessenem Umfang, auf fundierte und objektive Weise vermittelt sowie verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler. Dazu macht sich die Initiative auch für eine bessere fachbezogene Qualifizierung der Lehrkräfte stark und vernetzt alle relevanten Akteure der ökonomischen Bildung in Deutschland miteinander. Aktuell unterstützen mehr als 50 Institutionen das Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland.

Die Stiftung Finanzbildung wird sich gerne in diesem überregionalen Bündnis einbringen. Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit mit dem BÖB auf dem ersten Deutschen Finanzbildungsforum in Landshut im Oktober 2020.

Den Bericht zur Auftaktveranstaltung am 29.11.2019 des Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) können Sie hier lesen.

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FOR – family office report Nr. 13 Januar 2020

Sieben nicht sehr wahrscheinliche finanzökonomische Vorhersagen

Der Jahreswechsel ist nicht nur die Zeit um zurückzuschauen, sondern auch der Moment nach vorne zu blicken. Die gro-ßen volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken und Vermögensverwalter versuchen sich in einer möglichst präzisen Voraussage der Indexwerte zum Ende der nächsten Periode. Sicher ist nur, dass exakt dies nicht eintreten wird. Der US-amerikanische Erzähler und Satiriker Mark Twain (1835 – 1910) sagte einmal:„Voraussagen soll man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft.“ Wenn ein Professor wie Max Otte seit der Vorhersage einer offensichtlichen Marktschieflage nun als Crash-Guru gesehen wird, kann er nur der damaligen US Regierung danken. Wenn diese nicht die Investmentbank Lehman-Brother fallen hätte lassen, wäre wohl der Crash ausgeblieben und die Bankindustrie hätte nur leicht gehustet. So werden wohl Götter kreiert…

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Mehrheit der DAX-Investoren kommt aus dem Ausland

von Matthias Janson, 27.01.2020

Der DAX wird bei ausländischen Investoren immer beliebter. Wie die Statista-Grafik auf Basis einer Erhebung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY, PDF-Download) zeigt, kamen im Jahr 2018 bei einer Gruppe von 23 DAX-Unternehmen nur noch 33 Prozent der Investoren aus dem Inland. Im Jahr 2005 waren es noch 45 Prozent. Der deutlich überwiegende Teil von 58 Prozent waren ausländische Investoren, viele davon aus dem europäischen Ausland und aus Nordamerika: Allein die beiden US-Investmentgiganten Blackrock und Vanguard halten zusammen etwa ein Siebtel Anteile der 30 größten deutschen Unternehmen. Anleger erhoffen sich einen baldigen Aufschwung des zuletzt geschwächten DAX-Kurses. Bei dem Anteil, der nicht zuzuordnen ist, handelt es sich laut EY überwiegend um Privataktionäre, deren Herkunft sich schwerer feststellen lasse.

© Statista

Quelle: Matthias Janson,https://de.statista.com/infografik/20620/anteil-der-investoren-am-aktienbestand-von-dax-unternehmen-nach-herkunft/

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Kapitalismus – Wirtschaftssystem mit Imageproblem

von Mathias Brandt, 23.01.2020

55 Prozent der für das Edelman Trust Barometer befragten Menschen in Deutschland finden, dass Kapitalismus der Welt mehr schadet als nützt. Dazu passt ein weiteres Ergebnis der Studie: Nur 23 Prozent der Deutschen sind bezüglich ihrer ökonomischen Zukunft optimistisch. Wie verbreitet die Systemskepsis ist, zeigt der Blick auf die Statista-Grafik. In Indien halten beispielsweise drei Viertel der Befragten den Kapitalismus für schädlich, nicht viel weniger denken das in Frankreich. Von den 28 abgedeckten Ländern hat das aktuelle Wirtschaftssystem nur in einer Handvoll kein ausgewachsenes Imageproblem – allen voran Japan, wo nur 35 Prozent den Kapitalismus eher für schädlich halten.

© Statista

Quelle: Mathias Brandt,https://de.statista.com/infografik/20592/befragten-die-glauben-dass-kapitalismus-mehr-schadet-als-nuetzt/

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Steuerwahnsinn macht vor Weihnachten nicht Halt


Bild von Free-Photos auf Pixabay

Frank Schäffler, MdB, Abgeordneten-News vom 13.12.2019:

Rund 29 Millionen echte Weihnachtsbäume kaufen die Deutschen jedes Jahr. Dafür zahlen sie zusammengerechnet gut 700 Millionen Euro. Doch was kaum jemand weiß: Je nach Nadel-Art und Herkunft sind nicht nur die Preise, sondern auch die Steuer unterschiedlich. Insgesamt vier verschiedene Steuersätze gibt es. Das hat eine Kleine Anfrage des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler an die Bundesregierung ergeben. So werden unechte Bäume mit dem normalen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent belegt, bei Naturnadelbäumen variiert der Steuersatz aber je nach Herkunft.
Kauft man eine Nordmanntanne im Baumarkt, im Supermarkt oder am regionalen Verkaufsstand, so wird lediglich ein Steuersatz von 7 Prozent berechnet. Absurd wird es, wenn man den Weihnachtsbaum direkt bei dem Bauer seines Vertrauens kauft: Ist der Baum zufällig im Wald gewachsen und wird dort geschlagen, gilt der Steuersatz für forstwirtschaftliche Erzeugnisse in Höhe von 5,5 Prozent. Hat ihn der Landwirt oder die Baumschule extra in einer Kultur angepflanzt, gilt der landwirtschaftliche Steuersatz in Höhe von 10,7 Prozent. Wenn der Betrieb nicht an diesem Verfahren teilnimmt, zahlt er auf den Weihnachtsbaum wie im Laden sieben Prozent. Gar keine Steuern muss abführen, wer als Privatperson oder Kleinunternehmer einen Baum verkauft.
FDP-Finanzexperte Frank Schäffler kann das nicht nachvollziehen: „Der Mehrwertsteuerirrsinn macht nicht mal vor Weihnachten halt. Wir brauchen endlich eine Reform, die Ausnahmen abschafft und den allgemeinen Mehrwehrsteuersatz entsprechend reduziert.“ Und legt weitere Beispiele nach: „Man kann niemandem erklären, warum Mandel und Marzipan mit dem reduzierten Satz besteuert werden, Weihnachtskekse aber nicht. Oder frische Adventskränze mit dem ermäßigten Steuersatz, aber Adventskränze aus trockenem Material nicht.“ 
Doch an ein Ende des Steuerwirrwarrs ist nicht zu denken, das macht die Antwort des Bundesfinanzministeriums deutlich. Dort erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin Sarah Ryglewski den Weihnachts-Irrsinn mit den „objektiven Unterschieden der Erzeugnisse“ und hält die Regeln „auch weiterhin für angemessen“.

Quelle: Frank Schäffler, MdB, Abgeordneten-News vom 13.12.2019

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Verleger Frank-B. Werner erweitert die Jury des Wettbewerbs „Jugend wirtschaftet!“

Frank-B. Werner

Landshut, 26.11.2019 – Inzwischen zum neunten Mal fördert die Stiftung Finanzbildung mit ihrem Wettbewerb „Jugend wirtschaftet!“ die Auseinandersetzung mit finanz-ökonomischen Themen in der Oberstufe von Gymnasien, Fach- und Berufsoberschulen. Dabei können die Absolventen ihre Facharbeiten beziehungsweise Seminararbeiten zum Wettbewerb einreichen, wenn sich diese rund um den Themenkomplex Finanzen und Wirtschaft drehen.

Viele Fachlehrer stellen sich regelrecht bereits auf den Wettbewerb ein und bieten Seminarthemen dazu an. Durch gezielte Hinweise sowohl in Rundschreiben des Kultusministeriums als auch des bayerischen Wirtschaftsphilologen Verbandes steigt die Zahl der eingereichten Arbeiten kontinuierlich. Die Jurymitglieder müssen somit jedes Jahr bis zu 1.000 Seiten Facharbeiten würdigen. Deshalb ist es notwendig, die Jury weiter zu vergrößern.

Dieses Jahr wird nun der Verleger Frank-B. Werner, Geschäftsführer des Münchner Finanzen Verlags und Herausgeber von Finanzmedien, wie EURO, EURO am Sonntag, Börse Online und des Anlegerportals boerse-online.de., in die Jury berufen. Werner studierte Volkswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte 1987 mit der Dissertation „Kurzfristige Wechselkursschwankungen und neue Märkte für Kurssicherungsinstrumente“. Er ist gleichfalls Juror beim DJP (Deutscher Journalistenpreis) und beim Helmut-Schmidt-Journalistenpreis. Im FINANZEN Verlag initiierte er Finanzbildungsinitiativen, wie die Euro Akademie, die in webbasierten Kursen Einsteigern leichtverständlich das Basiswissen für die Geldanlage nahebringt.

„Werner ist wohl einer der profiliertesten Medienunternehmer in der deutschen Finanzwelt und wir sind glücklich, Ihn als Unterstützer für die Stiftung Finanzbildung gewonnen zu haben“, so Edmund Pelikan, Stiftungsgeschäftsführer, „er wird nicht nur als Jurymitglied beim Wettbewerb „Jugend wirtschaftet!“ zur Verfügung stehen, sondern auch den für 2020 geplanten „Deutschen Finanzbildungstag“ mit seiner Expertise fachlich und medial begleiten.“

Frank-B. Werner bemerkt zu seinem Engagement: „Edmund Pelikan leistet seit vielen Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit, und ich freue mich als Jurymitglied künftig auch einen kleinen Beitrag zum Gelingen des Wettbewerbs „Jugend wirtschaftet!“ leisten zu können.“

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Exporo: Bundesbürger halten Investitionen in Immobilien für guten Schutz vor Minus-Zinsen

© Shutterstock

Hamburg, 18.11.2019 (OPM) – Die überwiegende Mehrheit der Deutschen hält Investitionen in Immobilien für sehr wertstabil und für eine gute Maßnahme, sich vor einer Minderung des Geldwertes zu schützen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage des Hamburger Fintechs Exporo zum Thema „Anlageverhalten in der Niedrigzinsphase”, zu der im November diesen Jahres 1.000 Bundesbürger befragt wurden.

Viele Menschen fürchten sich vor einer Verminderung des Geldwertes durch stetig sinkende Zinsen. Es verwundert daher nicht, dass mehr als 75 Prozent aller Bundesbürger Immobilien für sehr wertstabil halten. Allerdings empfinden sie die nötigen Anlagesummen, um in “Betongold” investieren zu können, als sehr hoch. 

Über 70 Prozent der Befragten halten Investitionen in Immobilien darüber hinaus auch für einen guten Schutz vor den aktuellen Niedrig- bzw. Minuszinsen. Allerdings nimmt dieses Vertrauen in Immobilien mit zunehmendem Alter ab: Bei den 18 bis 30 Jährigen sind es 76,2 Prozent, bei den 31 bis 45 Jährigen noch 70,7 Prozent und bei den über 45 Jährigen nur noch 68,2 Prozent.

Sparen dagegen wird in allen Altersklassen immer unbeliebter: 65 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Sparen sie nicht vor einer Verminderung des Geldwertes schützt. 

Gewisse Anlagerisiken eingehen will die Mehrheit (51,9 Prozent) der Befragten jedoch nicht. Das gilt auch für Risiken, die die Befragten selber einschätzen und beurteilen können. 

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei der Frage an die Interviewpartner, ob  sie generell erwägen, in Sachwerte zu investieren. Nur 46 Prozent der Umfrageteilnehmer überlegen, aktiv in Sachwerte zu investieren um ihr Erspartes vor Minuszinsen zu schützen. Auch wenn Investitionen in Sachwerte schon zu geringen Anlagesummen ab 500 Euro zu tätigen sind, bleiben 54 Prozent  skeptisch.

Quelle: Exporo AG

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IMMAC research: Bis 2030 feiern jeden Monat rund 100.000 Personen ihren 65. Geburtstag

© pixabay

Bis 2030 feiern jeden Monat rund 100.000 Personen ihren 65. Geburtstag. Dies geht aus einer Analyse von IMMAC research hervor, die auf der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes basiert. Aus dem demographischen Wandel ergeben sich große gesellschaftliche Veränderungen, die auch heute schon vielfach zu spüren sind. Das ergibt die Recherche von IMMAC research, der hausinternen Marktbeobachtungsabteilung der IMMAC group aus Hamburg.

Was passiert mit der Stadt, der Gesellschaft und ihrer Versorgung, wenn alle Einwohner einer Stadt wie Kaiserslautern monatlich ihren 65. Geburtstag feiern?

Stellt man sich jene fiktive Stadt vor, in der nur 65-Jährige leben, so hat dies sicherlich große Auswirkungen auf das innerstädtische Bild. Büroflächen werden vermutlich leer stehen, genauso wie Großteile der ehemals 1-A-Innenstadtlagen im Erdgeschoss. Hintergrund ist einerseits die abnehmende Erwerbstätigkeit und andererseits die voraussichtlich nachlassende Kaufkraft aufgrund geringerer Einkommen im Alter. Busse und Bahnen werden ihren Betrieb nur schwer aufrechterhalten können. Der 65-jährige Taxifahrer stockt seine Rente mit täglich drei Stunden Arbeit auf. Dies wird die Nachfrage wahrscheinlich nicht decken. Auch der 65-jährige Arzt tritt kürzer und wird keinen Vollzeitjob mehr ausüben. 

Laut Statistik liegt aktuell die vollstationäre Pflegequote bei 4,27 Prozent. Von den rund 100.000 Einwohnern der fiktiven Stadt werden also statistisch ca. 4.270 Personen in einem Pflegeheim versorgt. Bei einer durchschnittlichen Größe von 80 Plätzen pro Heim müssen in der Stadt also 53 Pflegeheime zur Verfügung stehen. Dies werden die einzigen Immobilien sein, die nicht leer stehen werden. Gepflegt werden die Pflegebedürftigen von Robotern und täglich in die Stadt pendelnden Pflegefachkräften.

Auch wenn es sich hierbei um ein ausgedachtes Szenario handelt, wird zukünftig die sich verändernde Altersstruktur Auswirkungen auf das gesellschaftliche Umfeld haben. Beim Immobilienankauf sollte also auch heute schon bei der Marktbeurteilung auf Themen wie die Altersstruktur innerhalb einer Gemeinde geachtet werden. Im Fokus von IMMAC stehen nur Standorte, die langfristig attraktiv sind und eine rentable Nachnutzung ermöglichen. „Man sollte sich vor dem Hintergrund der anhaltenden Renditekompression auch in anderen etablierten Assetklassen und dem leicht zugänglichen Thema des demographischen Wandels jedoch nicht täuschen lassen. Das Pflegeheim ist und bleibt eine anspruchsvolle Assetklasse, die eine hohe Marktkompetenz erfordert“, so Jens Wolfhagen, Mitglied des Vorstands der IMMAC group. Wer heute an falschen Standorten womöglich gut ausgelastete Pflegeheime kauft, kann schon morgen ein großes Risiko im Portfolio haben. Gründe hierfür kann der jüngst fertigstellte Neubau nebenan, eine nachlassende Nachfrage aufgrund der lokalen Altersstruktur oder aber ein Betriebsausfall durch Betreiberverschulden sein. All diese unterschiedlichen Faktoren werden von der IMMAC – dem Spezialisten für Sozial- und Betreiberimmobilien – berücksichtigt. Hierdurch ergeben sich Wohnraumlösungen für Betagte als Investitionsmöglichkeit auch für private Anleger als Beimischung des persönlichen Portfolios eignen.

Quelle: IMMAC

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Vatikanstaat ist pleite – oder wie Fehlmeldungen entstehen

© pixabay

Ein Impuls für Vermögensverwalter

Die Schlagzeilen überschlugen sich Ende Oktober. Die Aufmacher reichten von „Heiliger Crash“ über „Steht der Vatikan kurz vor dem Bankrott“ bis hin zu „Der Vatikan ist in vier Jahren pleite“. Basis dieser Meldungen ist das neue Buch des angesehenen Investigativjournalisten Gianluigi Nuzzi: „Guidizio universale“, was soviel wie „Das jüngste Gericht“ bedeutet. Detailreich werden dort Fakten und Einschätzungen einer drohenden finanziellen Misere beschrieben, die er durch Aktenstudium von mehr als 3.000 bisher noch nie veröffentlichten Dokumenten zusammengetragen hat. Nuzzi erhebt dabei schwere Missmanagement-Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen des Kirchenstaates.

Richtig und unbestritten ist, dass, dem Buch und unabhängigen Quellen zur Folge, sich die Einnahmen aus den Diözesen – vor allem die aus Deutschland und den USA – seit 2006 deutlich reduziert haben. Es heißt, dass diese sich von über 100 Millionen Euro p.a. auf rund 50 Millionen Euro halbiert hätten. Der Vorwurf, dass davon lediglich 20 Prozent an soziale und karitative Einrichtungen der Kirche gehen, ist hierbei eher ein ethisches wie ökonomisches Dilemma. Das Hauptproblem ist gemäß den Recherchen von Nuzzi in der Güter- und Immobilienverwaltung des Kirchenstaates, dem sogenannten APSA, zu sehen. Man liest, dass von 4.421 verwalteten Immobilien 800 leer stehen sowie von den verbleibenden Immobilien 15 Prozent mietfrei und die Hälfte unter Preis vermietet sind. Da kommt einem der Skandal vor Jahren in den Sinn, wo ein führender Kardinal eine 400 Quadratmeter-Wohnung in für sich und sein Personal aufwendig renovieren ließ. Dazu muss man wissen, dass Kardinäle meist mietfrei in Objekten der Kirche leben. Dies alles hat zur Folge, dass das Defizit der ASPA derzeit bei 63,3 Millionen Euro liegen soll, was eine Steigerung von 200 Prozent in den letzten fünf Jahren bedeutet.

Soweit so gut. Jetzt kommt aber der kritische Blickwinkel auf die plakative Überschrift. Und hier darf ich mit einem Einblick aus dem Buch „Das Märchen vom reichen Land“ von Daniel Stelter aufklären. Stelter schreibt ein ganzes Kapitel über den Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. Hier zeigt er, dass Deutschland mit einem Bruttoinlandsprodukt – also im Bereich Einkommen (=Flussgröße) – von rund 48.000 USD pro Kopf, auf Platz 20, zu den bestverdienenden Ländern gehört. Jedoch besitzen die Deutschen wenig Vermögen (=Bestandsgröße). Selbst der kapitalismuskritische Reichtumsforscher Thomas Piketty, der umfangreiches Datenmaterial zur Entwicklung von Vermögen in den einzelnen Euroländern ausgewertet hat, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Deutschen besitzen im Durchschnitt weniger Vermögen als die Italiener, Franzosen oder Spanier. Dies nur zur Erläuterung des Unterschieds zwischen Einkommen und Vermögen.

Zurück zum Vatikan: Gerne würde man ein Bruttoinlandsprodukt für den Vatikan ausweisen, aber dies wird für die weniger als 500 Staatsbürger nicht ermittelt. Aber wenn man einen Blick in den kommunizierten Jahreshaushalt von etwa 300 Millionen Euro wirft und allein das Immobilienvermögen, welches rund 3 Milliarden Euro umfassen soll, dagegenstellt, kann von einer Pleite keine Rede sein. Und das Immobilienvermögen ist ja nur ein Teil des kirchlichen Vermögens. Die unschätzbaren Kunstschätze, das weitverzweigte und intransparente Stiftungs- und Firmengeflecht spricht eine deutliche Sprache: Der Vatikan ist reich und wenn es eine Steigerung von „am reichsten“ gäbe, würde dies für den Vatikan zutreffen. Maximal steckt der Kirchenstaat in Liquiditätsproblemen. Diese basieren – und hier ist ein Buch wie das von Gianluigi Nuzzi zur Offenlegung unschätzbar – auf Missmanagement, Korruption und totaler Unkenntnis von finanzökonomischen Regeln und vermögensverwaltungstechnischen Methoden. Dieses Problem ist aber nicht nur auf den Vatikan in Italien beschränkt. In Deutschland zeigt der Millionenschaden beim Bistum Eichstätt, welch wirtschaftlicher Dilettantismus hier für die Verwaltung der Gelder zuständig ist. Und dies potenziert sich in der römischen Kurie um ein Vielfaches.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Bei seinem kolportiert exorbitanten Vermögen ist der Vatikan bei weitem nicht pleite, maximal steckt er in Zahlungsschwierigkeiten. Bei entsprechender Vermögensverwaltung könnte der Kirchenstaat wahrscheinlich autark sein und allein aus seinem Vermögen überleben.
  • Ein „Sozialunternehmen“ wie die Kirche und der Kirchenstaat sollten eine professionelle Vermögensverwaltung in Gelddingen unbedingt beherzigen, und dass nicht nur weil es auch um Spendengelder geht.
  • Auch in einer absoluten Wahlmonarchie, wie der des Vatikanstaats, ist es an der Zeit für Transparenz und Offenlegung zu sorgen.

Autor: Edmund Pelikan

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