Um die Ökonomische Bildung in Deutschland ist es nicht gut bestellt. So erfüllen elf von 16 Bundesländern nicht einmal 50 Prozent der Anforderungen, die für ein normales Nebenfach Wirtschaft nötig wären. Ökonomische Bildung ist in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern am besten, in Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland am schlechtesten aufgestellt.

Köln, 17.05.2021. Ökonomische Bildung in Deutschland hat es seit jeher schwer – doch wie dramatisch der Mangel ist, zeigt erstmals die Studie „Ökonomische Bildung in Deutschland“, die die Flossbach von Storch Stiftung gemeinsam mit dem Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg erstellt hat. Die Wissenschaftler des IÖB haben zum einen den Stand der Ökonomischen Bildung an deutschen Schulen sowohl im gymnasialen als auch nicht-gymnasialen Bereich erhoben. Zum anderen haben sie erfasst, wie Ökonomische Bildung an den Hochschulen in den Lehramtsstudiengängen und über Professuren verankert ist. Die Studienergebnisse beider Untersuchungsgebiete fließen als Teilindizes in den Gesamtindex Ökonomische Bildung in Deutschland (OeBiX) ein.

Kein Bundesland erfüllt die Anforderungen für ein Nebenfach „Wirtschaft“

Das Ergebnis: Elf von 16 Bundesländern erfüllen im Gesamtindex OeBiX nicht einmal die Hälfte der Anforderungen, die für ein normales Nebenfach, so auch „Wirtschaft“ gelten müssten. Am besten schneiden bei der Ökonomischen Bildung in der OeBiX-Studie Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern ab, am schlechtesten Rheinland-Pfalz, Sachsen und das Saarland (siehe Charts am Ende der Presseinformation).

Teilindex Lehrkräftebildung

Im Teilindex Lehrkräftebildung erfüllen nur fünf Bundesländer – Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein – mehr als die Hälfte der Anforderungen. Am besten schneidet dort Baden-Württemberg mit mehr 85 Prozent ab. Die letzten drei Plätze belegen Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bremen.

Teilindex Schule

Im Teilindex Schule sieht es etwas besser aus: Dort erfüllen zumindest sieben Bundesländer – Niedersachsen, Bremen, Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein – mehr als die Hälfte der Anforderungen, die letzten Plätze belegen Rheinland-Pfalz, Sachsen und Hamburg.

Deutschlandweit Ökonomische Bildung nicht hinreichend verankert

„Die Studienergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass trotz aller Anstrengungen und Beteuerungen von (Bildungs-) Politikern Ökonomische Bildung in Deutschland bei Weitem nicht hinreichend verankert ist, wenn man von einem normalen Fach Wirtschaft als Nebenfach im Pflichtbereich ausgeht“, sagt Prof. Dr. Dirk Loerwald, Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg. Die Studie belegt das u. a. an einer der eingängigsten Messgrößen: den Unterrichtsstunden. Geht man bei einem Pflichtfach in der Sekundarstufe I von sechs Kontingentstunden aus (z. B. drei Schuljahre, in denen Schülerinnen und Schüler jeweils zwei Wochenstunden Wirtschaftsunterricht erhalten), dann verfehlen alle Bundesländer sowohl am Gymnasium als auch an nicht-gymnasialen Schulformen das Ziel – zum Teil sehr deutlich. „In keinem Bundesland gelingt es, ökonomische Bildungsinhalte so in den Lehrplänen zu verankern, dass sie vom Umfang her einem normalen Nebenfach entsprechen“, sagt Loerwald.

Das Drama beginnt an den Hochschulen

Oft dreht sich die öffentliche Diskussion zur Ökonomischen Bildung nur um die Schule, blendet aber die Lehrkräftebildung an den Hochschulen aus. Hier bringt die OeBiX-Studie erstmals Licht ins Dunkel, weil auch die Bereiche Hochschule und Studium bundesweit untersucht wurden. „An den Hochschulen beginnt das eigentliche Drama um die mangelhafte Ökonomische Bildung“, sagt Loerwald. Denn wenn nicht genügend Lehrkräfte ausgebildet werden, es an fachdidaktischen Professuren mangelt und die ökonomischen Inhalte in den Lehramtsstudiengängen zum Teil Mangelware sind, dann kann keine professionelle grundständige Lehrkräftebildung erfolgen – und damit verlängert sich das Problem um Jahre.

Schulfach „Wirtschaft“ darf kein Etikettenschwindel sein

„Ökonomische Bildung gehört zur Allgemeinbildung. Deshalb sollte sie von grundständig wirtschaftlich ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden, so dass junge Menschen auch auf diesem Gebiet fundiert auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden“, sagt Kurt von Storch, Vorsitzender des Kuratoriums der Flossbach von Storch Stiftung. Und so sei begrüßenswert, wenn in Bundesländern, wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen, das Schulfach Wirtschaft-Politik gestärkt werde. „Aber es hilft nichts, wenn diese Fächer nicht inhaltlich gefüllt werden können, z. B. weil es an qualifizierten Lehrkräften mangelt. Dann betreibt die Politik mit der Umbenennung nicht viel mehr als Etikettenschwindel“, so von Storch. „Mit der OeBiX-Studie wollen wir den Verantwortlichen im Bildungssystem Impulse geben. Die OeBiX-Studie ist die Grundlage, auf der sich Lösungen für die Ökonomische Bildung im föderalen Bildungssystem entwickeln lassen, weil sie zeigt, wo es schon ganz gut läuft und wo überall noch Verbesserungspotenzial liegt“, sagt von Storch.

Alle Ergebnisse der OeBiX-Studie finden Sie hier: www.oebix-studie.de

Quelle: Flossbach von Storch Stiftung -Verena von Hugo, Vorstand