Berlin, 15. Juni 2020 (OPM):

  • In der Schule darf es nach Aufhebung des Corona-Lockdowns keine Rückkehr zum „Business as usual“ geben
  • Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) fordert bessere Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen
  • Chancen der Digitalisierung müssen jetzt für längst überfällige Ergänzung der Lehrinhalte genutzt werden

Wenige Monate nach Gründung des Bündnisses Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) zeigt sich durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie erneut, wie wichtig das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge in unserer Gesellschaft ist. Um die gesellschaftlichen und individuellen Folgen der Krise abzumildern, Eigenverantwortung und Chancengleichheit ebenso wie die Legitimität wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu stärken, muss ökonomische Bildung jetzt verpflichtender Bestandteil der Bildung und Ausbildung aller jungen Menschen werden. Die von der Pandemie erzwungene Beschleunigung der Digitalisierung der Schulen bietet hierzu eine historische Chance.
Die von der Corona-Pandemie erzwungene Beschleunigung der Digitalisierung im Bereich der Schule muss dringend auch zur Modernisierung der Lerninhalte genutzt werden. Insbesondere eine Stärkung der ökonomischen Bildung ist dabei wichtig, angebracht und zeitgemäß.
Diese Forderung richtet das von über 70 Institutionen aus Schule, Wissenschaft und Wirtschaft getragene Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB) anlässlich der Wiederaufnahme des Schulbetriebs im Sommer 2020 an die zuständigen Ministerien aller Bundesländer.
Unternehmertum und Selbstverantwortung müssen als Konjunkturmotor angesehen werden, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. Der Weg in die Selbstständigkeit könnte für viele eine Möglichkeit sein, wenn sie über wirtschaftliches Hintergrundwissen verfügen würden. Subventionen und Sozialleistungen, die durch die Krise erforderlich werden, entspringen ökonomischen Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft und müssen von Bürgerinnen und Bürgern vor dem Hintergrund von wirtschaftlicher Stärke, Stabilität und Nachhaltigkeit beurteilt werden können.
Dazu Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer: „Die aktuelle wirtschaftliche Situation, wie sie durch die Pandemie verursacht wurde, ist nicht nur eine bis dato unvorstellbare Belastung für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem. Sie ist auch mit enormen wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden. Deswegen müssen fachlich ausgebildete Lehrkräfte den Heranwachsenden heute mehr denn je vermitteln, wie Wirtschaft, Gesellschaft und persönliche Entwicklung zusammenhängen und zusammenwirken.“
Den Zusammenhang zwischen der Krise und der Notwendigkeit einer besseren ökonomischen Bildung unterstreicht Dirk Loerwald, Professor für Ökonomische Bildung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Geschäftsführer des Instituts für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg:

„Mit dem aktuell geschnürten Konjunkturpaket der Bundesregierung tun sich Themen und Inhalte auf, die für viele Bürger schwer durchschaubar sind und die die Komplexität der sozialstaatlichen und ökonomischen Zusammenhänge offenbaren. Es bedarf einer gewissen gesamtwirtschaftlichen Grundbildung, um diese Maßnahmen und ihre langfristigen Auswirkungen verstehen zu können.“
Nicht zuletzt verdeutlicht die Krise, wie irrational manche Verbraucherentscheidungen getroffen werden. Exzessive Hamsterkäufe von Alltagswaren, übermäßig zunehmende Onlinekäufe und damit verbundene verschwenderische Ausgaben zeigen, wie wenig das eigene Tun in einer Krisenzeit hinterfragt wird. Vor allem für Jugendliche wären ein kompetenter Umgang mit dem eigenen Geld, individuelle Absicherung von Lebensrisiken und ein vernünftiges Verbraucherverhalten wichtig.
Dazu Verena von Hugo, Vorstand der Flossbach von Storch Stiftung: „Um als aufgeklärter Mensch ein Leben in Unabhängigkeit führen zu können, braucht man auch fundierte Wirtschaftskenntnisse. Es gilt ökonomische Zusammenhänge zu erfassen, die aus der Krise erwachsenden Herausforderungen besser zu meistern und sich bietende Chancen zu nutzen.“

Quelle: Bündnis Ökonomische Bildung