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Liebe Leser des InvestAnalyseBrief,

die von mir immer wieder zitierten politischen Märkte gewinnen durch die aktuellen Veröffentlichungen am Rande des Trump-Putin-Gipfels traurige Bestätigung. Im Vorfeld ließ der russische Präsident die von seinem Land gehaltenen US-Staatsanleihen von etwa 80 Milliarden US-Dollar auf jetzt knapp 15 Milliarden US-Dollar schrumpfen. Dieser strategische Verkauf bewirkte, dass die Renditen der zehnjährigen Anleihen in den letzten beiden Monaten von 2,7 auf 3,1 Prozent in die Höhe schnellten. Ein geschickter und mächtiger Schachzug des taktischen Russen, um Trump seine Wirtschaftsmacht zu demonstrieren. Die politische Dimension dieses Handelns ist auch im Zeitpunkt abzulesen: Just zu Beginn dieser Aktion schossen die Amerikaner – sprich Trump – durch unerwartete Sanktionen einen russischen Aluminiumkonzern aus dem Rennen. Das Spiel eines Gegenschlages, den Trump ernst nimmt, versteht Wladimir Putin wie kein Zweiter.

Eine negative Signalwirkung für den Finanzmarkt geht auch von dem Dresdner Urteil gegen die Ex-Infinus-Manager aus. Betroffen sind rund 22.000 Anleger, etwas über 300 Millionen Euro stehen im Feuer. Das Urteil: gewerbsmäßiger Bandenbetrug in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrug. Dem Gericht nach ist ein „Schneeballsytem“ betrieben worden. Der Hauptangeklagte erhielt acht Jahre Haft sowie vier Mitangeklagte Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren und vier Monaten bis sechs Jahren. Dem Rechtsstaat ist damit Genüge getan, obwohl Kapitalmarktbeobachter als Verteidigung ein Deloitte-Gutachten als Basis für das Geschäftsmodell anführen. So oder so, dem Anleger hilft dies wenig. Denn nach Einschätzungen des Insolvenzverwalters über das ehemalige Vermögen der Infinus rechnet dieser mit einer Quote von etwa 20 Prozent aus der Insolvenzmasse der AG und dem beschlagnahmten Vermögen der Angeklagten. Lesenswert in diesem Zusammenhang ist ein Interview von n-tv online vom 09.07.2018 mit dem Sachverständigen und Anwalt Lambertus Fuhrmann.

Global, international und national werden uns ökonomisch die nun begonnenen Handelskriege viele Überraschungen bereiten. Trump lässt diese bewusst eskalieren, in der naiven Haltung, dass sich China genauso einschüchtern lässt wie Europa. Der amerikanische Präsident denkt nie weiter als bis zum nächsten Schritt. Das ist seine Achillesferse. Er glaubt fest an die Wirkung seiner Verbalangriffe, die ihm in seinen Immobiliengeschäften immer geholfen haben. Politik und Volkswirtschaft funktionieren aber nicht so. Selbst das ungeschriebene Tabu, sich zu Entscheidungen der FED zu äußern, missachtet er. Mit diesem Präsidenten, der fast ausnahmslos auf devote europäische Politiker trifft, wird die ökonomische und sicherheitspolitische Nachkriegsordnung zusammenbrechen. Die Amerikaner sind weiter die besten Freunde der Europäer, nicht aber Trump und seine Vasallen. Es ist Zeit, dass Europa sich über nationale Grenzen hinweg stark macht. Denn nur gemeinsam kann sich Europa mit seinen eigenen zahlreichen Problemen in der Zwickmühle zwischen den Schwergewichten Russland und USA wirtschaftlich behaupten.

Bleiben Sie kritisch und zeigen Sie #finanzbewusstsein!

Ihr Edmund Pelikan

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