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Liebe Leser des InvestAnalyseBrief,

erst kam der Schock aus Italien, der die Märkte unter Druck brachte. Die dortigen neuen Koalitionäre wünschen sich von der Europäischen Zentralbank einen Schuldenerlass von 250 Milliarden Euro. Durch das Scheitern der Koalition ist dieser ökonomische Irrsinn aufgeschoben, wahrscheinlich aber nicht aufgehoben.

Nun setzt die Europäische Kommission noch ein umstrittenes Programm oben auf: Man will den Weg frei machen, sogenannte „Sovereign Bond Backed Securities“ – kurz SBBS – zu ermöglichen und als neue Form von Staatsanleihen platzieren. Erklärtes Ziel ist, mit den SBBS zur Lösung einiger Probleme auf dem Weg zu einer echten Bankenunion beizutragen. Der nächste Unsinn. Dabei werden europäische Staatsanleihen aus den 19 Euroländern gemäß einem Entwurf einer Euro-Richtlinie zu synthetischen Eurobonds von Banken gebündelt. Der Anteil der Staatsanleihen aus den einzelnen Euroländern richtet sich dabei nach der Größe ihres Anteils an den Einlagen bei der EZB. Suggeriert wird, dass keine Haftungsgemeinschaft besteht, da jedes Land für seine Staatsanleihen haftet. Wie viel von solchen Bekenntnissen gehalten werden kann, zeigt die Griechenlandkrise. Ziel der SBBS ist, dass sich das Interesse der Anleger nicht mehr nur auf jene wenigen Euro-Länder konzentriert, deren Staatsanleihen ein Triple-ARating haben. Durch die Bündelung werden damit auch Anleihen von Italien oder Griechenland mitverkauft. Reizvoll werden die SBBS für Banken durch das regulatorische StaatsanleihenPrivileg, diese nicht mit Eigenkapital hinterlegen zu müssen und sie damit dem hochliquiden Kapital zuzurechnen. Die SBBS sind kurz gesagt ein wichtiges strategisches Element der künftigen europäischen Umverteilung und sind sozusagen ein Status Nascendi.

Es gibt den schönen Buchtitel „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“. Deshalb sollten solche Negativbeispiele nicht Anlass für Kapitalismusbashing sein. Ich bin immer noch der Meinung, dass den größten legitimierten Anlegerbetrug der Staat selbst begeht, sei es durch 100-jährige Anleihen wie bei der Republik Österreich über etwa 6 Milliarden Euro oder durch einen möglichen Schuldenverzicht der EZB gegenüber Italien, wie gerade über 250 Milliarden Euro gefordert. Das aktuelle Bulletin des Vatikans u.a. aus der Feder von Kardinal Peter Turkson setzt dieser Diskussion die Krone auf. Forderungen nach weniger Egoismus der Finanzwelt und mehr Bezug zur Realwirtschaft und den Menschen sind durchaus berechtigt, ja sogar erwünscht. Daraus aber eine Art Finanzkommunismus mit radikaler sachgrundloser Umverteilung zu fordern, wirkt aus dem Mund des größten Vermögensinhabers der Welt wie eine Farce, ebenso wie ich es bereits bei Kardinal Rainer Maria Woelki’s Weihnachtspredigt angemahnt hatte. Oder wollen wir eine Wirtschaftsordnung wie in Venezuela, Kuba oder China? Sowohl Karl Marx als auch Adam Smith irrten. Die soziale Marktwirtschaft als Kapitalismusmodell ist das, worin ich leben möchte und für das ich kämpfe. Wer es nicht glaubt, dem darf ich zum Abschluss das Buch von Hans Rosling „factfulness“ empfehlen.

In diesem Sinne – bleiben Sie kritisch,

Ihr Edmund Pelikan

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