©InvestAnalyseBrief

Liebe Leser des InvestAnalyseBrief,

eine Studie des „investment lab heilbronn“ hat sich die Ergebnisse von Finanzanalysen näher angesehen und kommt zu einem interessanten Ergebnis. Finanzanalysten erstellen Kurs- und Gewinnprognosen nicht ausschließlich nach objektiven Kriterien, sondern stark nach individuellen Persönlichkeits-Präferenzen. Insgesamt ergab die wissenschaftliche Untersuchung, dass zum Beispiel Unternehmen mit einem extrovertiertem CEO von Analysten besser bewertet werden, als Firmen mit einem zurückhaltenden Chef. Basis der Untersuchung waren 173 Bewertungen von Finanzanalysten aus 12 Ländern. Das Erstaunliche ist, dass die Persönlichkeit des Vorstandes bei sonst gleichen Zahlen die Kurs- und Gewinnprognosen beeinflusst. Kurz gesagt: Auf den Busch klopfen scheint sogar Zahlenmenschen zu beeindrucken.
Übertragen wir das Thema in die USA, dann kann ein narzisstischer und scheinbar grenzdebiler USPräsident, allein durch Twitterbeiträge über zu teure Benzinpreise, die Börsenkurse der Erdölindustrie in den Keller schicken. Zu Amtsbeginn hat er dies bereits mit der Boing-Aktie gemacht. Die Erkenntnis aus der Heilbronner Studie: Menschen beeinflussen die Märkte und Kurse viel mehr, als es die homo oeconomicus geleitete Finanzindustrie glauben mag.
Und sonst: Die Weltuntergangsstimmung ist in der Sachwertbranche angekommen. Grund ist die Insolvenz von diversen Firmen im Reich der Grünwalder P&R. Im Feuer stehen rund 3,5 Milliarden Euro. Alle Medien berichteten davon. Die Realsatire an diesem Fall ist wohl, dass der Anbieter, nach ersten Medienberichten, den Anlegern in den letzten Jahren zu viel ausgeschüttet hat, also mehr Erträge ausgezahlt hat, als die Vermietung und der Verkauf der Container eigentlich eingebracht haben. Dem Vernehmen nach war der Grund, das Neugeschäft am Laufen zu halten. Auf der Assetmanagementkonferenz von Jürgen Braatz in Hamburg plauderte Anwalt und Votumvorstand Klein aus dem Nähkästen zum Insolvenzfall Magellan, der immer wieder mit der P&R-Pleite verglichen wird. Hier winken – so Klein – derzeit Geldrückzahlungen von etwa 60 Prozent. Das bedeutet scheinbar, der Containermarkt ist stabil, nur das P&R-Geschäftsmodell kippte. Die wahren Gründe werden erst die Insolvenzverwalter nach einer Bestandsaufnahme feststellen. Den ersten Pressemeldungen ist zu entnehmen, dass diese sehr besonnen an die Sanierung gehen und die Container nur sukzessiv auf den Markt geben werden. Weltuntergang also abgesagt: Angekündigt sind für den Spätfrühling und Sommer zahlreiche AIFs und Vermögensanlagen inklusive Anleihen. Schwerpunkt bilden hier weiterhin Immobilien, aber auch Energiefonds gehen an den Start. Interessant ist sicherlich auch die Investment-AG, an die sich zu allererst die Bremer HTB herantraut. Meist positiv beurteilt, könnte dies ein Alternativvehikel werden, um wieder mehr Kunden in den Sachwert zu locken.
Zum Abschluss habe ich einen Hamburg Trip auch für einen Blick hinter die Kulissen der Exporo AG genutzt, deren Anleiheprodukt mit Immobilien in Hannover ich in der letzten Ausgabe deutlich kritisiert haben. Nach eingehenden Gesprächen mit den Fachverantwortlichen und einer intensiven Diskussion meiner kritischen Punkte muss ich resümieren: Die Exporo-Crew macht sich intensive Gedanken über die Demokratisierung der Immobilienanlage und hat sowohl den Kleinanleger als auch das Asset, anders wie von mir vermutet, wirklich im Blick. Teilweise sind Sicherheitsnetze gespannt, die nicht im Anleiheprospekt abgebildet werden. Ich halte zwar die Verpackung in Form einer Schuldverschreibung weiterhin als problematisch, verstehe aber nun, warum dieses Vehikel gewählt wird. Gleichzeitig steigt dadurch aber die Anforderung an die erläuternde Kommunikation. Das soll kein Freibrief sein, auf Kontrolle, Transparenz und lästige Nachfragen zu verzichten, aber – sorry – die „Goldene Himbeere“ gibt es nun leider nicht mehr.

In diesem Sinne – bleiben Sie kritisch,

Ihr Edmund Pelikan

Der aktuelle InvestAnalyseBrief finden Sie hier:

Der Offene InvestAnalyseBrief Nr. 30