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Landshut, 16.04.2018 (Ein Kommentar von Edmund Pelikan):  Die Stiftung Warentest beziehungsweise ihr Ableger Finanztest gilt als Gradmesser für Verbraucherschutz und fast so was, wie der mediale Arm des Bundesverbands Verbraucherschutz. Wenn die Berliner eine Assetklasse kritisieren, ist das nicht selten der Tod dieser. Als Diskutant war ich mal auf einem Podium mit einem Vertreter eines regionalen Verbraucherschutzvereins und der war scheinbar allwissend. 

In einem gerade veröffentlichten Artikel zu einer Studie wurde nun die Thema Sparen in ETF in den Mittelpunkt gestellt. Das Fazit der Studie: ETF Sparen macht Sinn wegen der geringen Kosten, sicherheitsorientierte Anleger sollten sich auf Anleihen ETF konzentrieren. So weit so gut!

Alles was hier beschrieben wird, ist grundsätzlich nicht falsch. Gleichzeitig entspricht diese Meinung dem absoluten Mainstream. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn inzwischen ist durchaus das Thema ETF nicht mehr unumstritten. Auf dem Punkt bringt dies ein kritisches Buch über Black Rock, einem der führenden Anbieter von ETFs. Denn die Entscheidungen treffen Computer und Algorithmen und es werden blind die Indices nachgebaut. Das was klassisch als Vorteil gesehen wird, birgt auch Risiken. Diese können am besten mit dem Herdentriebvergleich erklärt werden. ETF-Anleger investieren in der Regel immer mit dem Trend!

Der zweite Denkfehler ist die Fehleinschätzung, dass Anleihen und Festverzinsliche Renten etwas für sicherheitsorientierte Anleger sind. Wenn die Marktzinsen steigen – und dieser Zinsanstieg wird kommen – werden die Anleihenkurse in den Keller fallen. Und finanzmathematisch begründet ist, dass je länger die Restlaufzeit ist, umso höher der Wertverlust. Und bei Fonds und ETFs wird der Ausweis der Kursverluste auch wegen der börsentäglichen Kursfeststellung sofort sichtbar sein.

Kurz gesagt: Wie ein Finanzpolitiker nie Risiken für eine 10-jährige Staatsanleihe bejahen wird, wird ein Verbraucherschützer von Finanztest immer verdrängen, dass Anleihen deutliche Risiken innewohnen und auf lange Anlagehorizonte die Aktie oft die bessere Alternative ist.

Quelle: epk media

Noch ergänzend hinzugefügt:

Welt.de schreibt in seiner Ausgabe vom 18.04.2018, dass der IWF vor plötzlicher anspringender Inflation warnt. Der schnell ansteigende Dollar-Zins könnte weltweit übergreifen. Gerade die freigiebige Wirtschaftspolitik von Donald Trump könnte laut Meinung der Experten aus Washington dafür sorgen, dass die Notenbanken ihren Kurs schlagartig ändern müssen.

Wenn die Zinsen steigen und das Geld in den USA wieder knapper wird, hat dies Einfluss auf die Finanzierungsbedingungen weltweit. Daher rät der IWF den Geldhäusern außerhalb der USA, sich unabhängig zu machen.

Aber auch die ETFs sind von der Zinsentwicklung betroffen. Da diese Fonds vermehrt in riskante, hoch verzinsliche Papiere investiert haben, sei die Ansteckungsgefahr bei größeren Kapitalbewegungen auf dem ETF-Markt sehr hoch.