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Frankfurt, 14.01.2017 – Die DVFA Kommission Immobilien begrüßt dem Grunde nach gesetzliche Vorgaben in Bezug auf die Kreditwürdigkeitsprüfung bei der Vergabe von Wohnimmobilienkrediten. Teile der Regelungen des am 21.12.2016 vom Bundeskabinett beschlossenen Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetzes könnten jedoch eine gesamtwirtschaftlich kontraproduktive Wirkung entfalten und sollten in Teilbereichen überarbeitet werden.

Eine aktuelle Stellungnahme der DVFA Kommission Immobilien bringt die Marktwahrnehmung der DVFA Kommission Immobilien zum Ausdruck und ordnet die aktuelle Diskussion zur Lage am deutschen Immobilienmarkt und zur Sinnhaftigkeit weiterer Vorgaben bzw. Standards zur Immobilienkreditvergabe ein. Darüber hinaus gibt die Kommission Hinweise, um das Bewusstsein für eine risikoadäquate Preisbildung weiterhin sicher zu stellen. Die Hinweise betreffen folgende Punkte:

Kommission sieht keine allgemeine Blasenbildung in deutschen Immobilienmärkten
Im aktuellen Marktumfeld sind rein spekulative Projektentwicklungen nicht im größeren Umfang zu beobachten. Auch besteht nach wie vor ein (signifikanter) realer Bedarf an Wohnraum – insbesondere in Ballungsräumen, der nicht durch äquivalentes Angebotswachstum kurzfristig gedeckt werden kann.

Attraktivität der Anlageklasse „Immobilie“ weiterhin vergleichsweise hoch
Durch die anhaltend hohe Sparquote besteht ein unverändert massiver Anlagedruck zur rentierlichen Investition von großen Kapitalbeträgen.

Systemrisiken können erwachsen
Im Fall einer Preiskorrektur an den Immobilienmärkten durch steigende Zinsen können sich negative Implikationen ergeben. Zu Recht haben bspw. der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) oder der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) sowie weitere Organisationen auf mögliche Gefahrenpotenziale hingewiesen.

„Erschwinglichkeit“ ist zentraler Aspekt der Wohnungsmärkte
Für Familien und andere Erwerber, die Wohnimmobilien kaufen wollen, spielt die Erschwinglichkeit von Immobilien eine wichtige Rolle: Für A-Städte, große ostdeutsche Städte und  Universitätsstädte hat sich die Erschwinglichkeit seit 2008 kontinuierlich verschlechtert. Dennoch kann im komparativen Ländervergleich auch hier festgestellt werden, dass die Erschwinglichkeit in
Deutschland weiterhin wesentlich besser ist als in anderen Ländern der EU.

Experten setzen auf Berücksichtigung risikoadjustierter Preise durch den Markt
Die Intention der Bundesregierung und des Europäischen Parlaments einer Blasenbildung der Immobilienmärkte entgegenzutreten, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Gleichwohl sind die Preisanstiege Folge des durch die EZB geschaffenen Niedrigzinsumfeldes und somit Vermögens zu erreichen.

„Best practice“ zur Vermeidung von Gefahrenpotenzialen – marktbezogene Lösung
In Folge der Niedrigzinspolitik der EZB kam es zu einer massiven Vermögenspreisinflation. Das Preisniveau praktisch aller Immobilienmarktsegmente notiert nahe der Allzeithöchststände. In
dieser Situation gibt es Instrumente zum Verständnis und damit zur Vermeidung von Risiken, die im Fall einer Marktkorrektur schlagend werden, und die hilfreich sein können.

Prof. Bienert, Leiter DVFA Kommission Immobilien, kommentiert: “Die DVFA Kommission Immobilien gibt in Kooperation mit IRE|BS International Real Estate Business School über die aktuelle Stellungnahme konkrete Hinweise, um das am 21.12.2016 vom Bundeskabinett beschlossene Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetzes konstruktiv nachzubessern. Wir positionieren uns damit auch unter Einbezug der aktuellen Situation am Immobilienmarkt.“

Quelle: DVFA e.V