– Banking nach Allahs Vorstellungen Iran_bazar

Diejenigen, die Zins nehmen, werden nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist (so dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann). Dies wird ihre Strafe dafür sein, dass sie sagen: ‚Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.‘ Aber Gott hat das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten.

Der Koran, Sure 2,275

Es gibt heute im Jahr 2016 ca. 1,6 Milliarden Muslime auf dieser Welt, womit sie ungefähr 23 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, wie eine Studie der Universität von Puerto Rico zeigt. Da es im Islam recht strenge Regeln zum Umgang mit Geldgeschäften gibt, haben sich viele – meist westliche – Großbanken lange davor gedrückt diesen Markt zu erschließen. Mittlerweile kommen die größten Staatsfonds der Welt aus islamischen Staaten. Der weltweit größte Staatsfonds ist der ADIA-Staatsfonds (aus den Vereinigten Arabischen Emiraten) mit etwa 875 Milliarden Dollar. Da in den letzten Jahren hohe Beteiligungen an westlichen Unternehmen und Konzerne aufgefallen sind, steigt das Interesse für das Scharia-konforme Investment stark.

Die erste Islam-Bank ist in den 70er Jahren entstanden, heute geht man von etwa 300 Banken in 75 Ländern aus, die den Regeln des Islams entsprechen. Das Global Islamic Finance Magazine spricht von einem weltweit zu verwaltenden Gesamtvermögen von 1,2 Billionen Dollar. Auch internationale Banken wie die Deutsche Bank, die Citibank oder HSBC beteiligen sich am Islamic Banking.
Die Regeln, die dabei befolgt werden müssen, sind streng. In erster Linie gibt es das Zinsverbot im Islam, aber auch Unternehmen, die mit Alkohol, Tabak, Waffen, Glückspiel und/oder Pornografie handeln, sind tabu. In Islamischen Finanzmodellen gilt das Gebot der Risikoteilung, Finanzprodukte müssen so konzipiert sein, dass ein Gewinn für die Übernahme des Risikos gezahlt werden kann. Investitionen sollen der Gemeinschaft dienen. Investments müssen von anerkannten islamischen Gelehrten das Einhalten dieser Regeln attestiert bekommen, um als „halal“, also erlaubt, zu gelten.

Die Schwierigkeiten, die für in europäischen Staaten wie Deutschland oder Frankreich lebende Muslimen entstehen, sind weitgreifend. Verzinste Sparkonten und verzinste Kredite sind verboten. Selbst Immobilienfinanzierungen und Versicherungen sind problematisch. Mit der Zeit wurden von Islam-Banken Möglichkeiten gefunden, eine Produktpalette anbieten zu können, die den Regeln des Islams entspricht und trotzdem regulären Anlageprodukten nahekommt.

Scharia-konforme Finanzinstrumente:

Takaful: Ist ein Konzept der Versicherung, das auf Gemeinwohl ausgelegt ist. Es wird nur eine Gebühr an den Betreiber abgegeben, was übrigbleibt, wird wieder ausgezahlt, bei Verlusten muss jeder Versicherte Geld nachzahlen. Damit dient es der Vorsorge und der Absicherung von Risiken.

Sukuk: Sind Anleihen ähnliche Beteiligungen, die sich an das Zinsverbot halten. Die meist nur in großer Stückzahl für Großinvestoren angeboten werden.

Murabaha: Ist die islamische Form der Finanzierung. Die Bank agiert als Zwischenhändler, sie kauft also die Immobilie und verkauft sie dann an den eigentlichen Käufer mit einem Aufschlag weiter. Da das Zinsgeschäft zu einem Handelsgeschäft wird, entspricht es der Scharia. Der Nachteil ist, dass in Deutschland in diesem Fall zweimal Immobiliensteuer gezahlt werden muss.

Muscharaka: Wird zur Projektfinanzierung eingesetzt. Ein Partner, der sich an der Finanzierung beteiligt, wird in Raten ausgezahlt und erhält zusätzlich eine Gebühr. So kann das Zinsverbot eingehalten werden.

Mudaraba: Entspricht der Beteiligungsfinanzierung. Der Kapitalgeber hat keinen Einfluss auf die Geschäftsführung und wird mit einem Anteil am Gewinn ausbezahlt. Dazu muss eine detaillierte Bewertung im Vorfeld vorgenommen werden.

Idschara: Ist eine Art Leasingsystem. Der finanzierte Gegenstand wird für eine Gebühr überlassen, bleibt aber im Eigentum des Finanziers, der Leasingnehmer wird lediglich Nutzer.

Qard Hassan: Bezeichnet eine Islam-konforme Geldverleihung bei der keine Gebühren oder Zinsen anfallen. Wird meist nur in Engpässen als mildtätige Leihgabe angeboten.

Zusätzlich macht das Gebot, dass einem Geldgeschäft immer realwirtschaftliche Werte zugrunde liegen müssen, das Islamic Banking, besonders nach einigen Talfahrten der Börse, verbrieften Ramschhypoteken und riskanten Kreditderivaten, auch für Nicht-Muslime zusehends attraktiver. Es gibt in Deutschland keine islamisch geprägte Bank, die das ganz Programm anbietet, aber die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat sich bereits mehrfach offen für Islamic Banking gezeigt.

David Stegmaier, Schülerredakteur