shutterstock_Dimoza_AnlagebaumLandshut, 14.07.2016 – „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen!“ Diese Kritik einer siebzehnjährigen Schülerin aus Köln via Twitter war Anlass genug für die Finanzvermittlerfirma AVL, die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zu beauftragen, eine repräsentative Umfrage durchzuführen, bei der das Interesse am Finanzwesen geprüft werden sollte.

Bei der Umfrage nahmen insgesamt 1088 Personen teil. Sowohl Männer als auch Frauen ab 14 Jahren waren involviert. Anhand der verschiedenen Fragen, die in dieser Umfrage gemacht wurden, möchte ich mittels dieser im Folgenden analysieren, welche Gründe die jeweiligen Antworten für eine Rolle spielen könnten.

Bei der ersten Frage, in der insgesamt 75  (sieben Prozent der Gesamtteilnehmer) Jugendliche im Alter von 14-19 Jahren befragt wurden, gaben nur 10 davon an, sich für Finanzthemen zu interessieren. Woran liegt es also, dass 65 der Befragten dieser Alterskategorie überhaupt kein Interesse aufbringen?

Zum einen muss man sich überlegen, inwiefern Jugendliche diesen Alters überhaupt von dieser finanziellen Thematik betroffen sind. Es ist anzuführen, dass vor allem die 14-15 jährigen, die zwei Prozent bei der Umfrage ausmachen, sich  weder in einem Arbeitsverhältnis noch in einem Studium befinden. Daher kann man davon ausgehen, dass ökonomische Fragen und Finanzthemen einfach viel zu abstrakt und komplex sind, als dass sich diese Zielgruppe damit auseinandersetzen würde.

Da jedoch auch ein großer Anteil der 16-19 jährigen laut der Umfrage Desinteresse zeigt, ist anzunehmen ,dass finanzwissenschaftliche Themen generell ein schwieriges Thema für junge Menschen darstellen , mit dem sie sich noch nicht befassen wollen oder müssen. Beispielsweise werden Jugendlichen zu viele Aufgaben des alltäglichen Lebens im Bereich der Finanzen, wie ein Konto anzulegen meistens von den Eltern abgenommen. Somit ist es schwieriger eine Grundlage für ein späteres eigenständiges Leben aufzubauen. Wenn außerdem diese Sensibilisierung für wirtschaftliche Themen auch in der Schule nicht stattgefunden hat, ist es nicht verwunderlich , dass die Mehrzahl der Jugendlichen der Thematik keinerlei Beachtung schenkt. Denn wie soll man ohne jeglichen Input von außen überhaupt Interesse entwickeln können?

Anders verhält es sich bei den Altersgruppen ab 20, bei denen das Interesse zunehmend vorhanden ist. Das könnte vor allem daran liegen, dass (junge) Erwachsene gezwungen sind, sich vermehrt mit finanzwissenschaftlichen Aspekten des Lebens zu beschäftigen, womit sich schon eine ganz andere Grundeinstellung ergibt.

Um Henry Ford, den bekannten Automobilhersteller (1863-1947) zu zitieren: „Das höchste Ziel von Kapital ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens.“ 

Das würde erklären, warum das Interesse bei Geldanlagen und der Altersvorsorge bei allen Altersgruppen prozentual gesehen im Vordergrund steht.

Auffallend ist auch, dass die Neugierde umso größer wird, je höher die schulische Bildung ausfällt. Das mag wohl auch daran liegen, dass bessere Schulabschlüsse mit finanziell höherwertigen Berufen einhergehen und ergo mehr Geldmittel zur Verfügung stehen.

Warum sollte sich ein Geringverdiener für das Investment von Immobilien oder Geldanlagen interessieren, wenn diese Möglichkeit gar nicht oder in einem nur sehr kleinem Umfang gegeben ist? Diese Schlussfolgerung kann man auch an Ergebnissen der Umfrage festmachen, denn mit steigendem Nettoeinkommen steigt auch das Interesse der Befragten am Thema.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wichtig ist in Zukunft insbesondere junge Menschen für wirtschaftliche Themen zu sensibilisieren und zu begeistern. Denn der richtige Umgang mit Geld und die Fähigkeit richtige Entscheidungen treffen zu können, tragen maßgeblich zu einem finanziell sorgenfreiem Leben bei.

In erster Linie sollten alle Schulformen so früh wie möglich mit dem Wirtschaftsunterricht beginnen und nicht erst ab der neunten oder zehnten Klasse, wie es in den meisten Schulen der Fall ist. Aus der Studie geht auch hervor, dass sich die 14 bis 19-jährigen mit 65,5 Prozent wünschen, von Fachlehrern an ihrer Schule über finanzielle Themen unterrichtet zu werden.

Insofern wäre es vielleicht auch an der Zeit Lehrer die beispielsweise Mathematik unterrichten und ein Grundverständnis für logische und abstrakte Zusammenhänge mitbringen durch speziell für Lehrer ausgerichtete „Finanzkurse“ für einen Unterricht im Fach Wirtschaft zu befähigen.

Denn je früher man beginnt sich mit einer Thematik auseinander zu setzen und ein Grundgerüst aufzubauen , desto leichter wird man später komplexere Zusammenhänge verstehen .

Man kann also nur an die Kultusministerien appellieren etwas zu verändern, sodass Twitterposts über mangelnde wirtschaftliche Kenntnisse nur noch zu Einzelfällen werden.

 

Autorin : Alina Wagner