Landshut, 04.07.2016 – Schaut man sich den Index der International Securities Exchange in New York (ISE) an, muss man klar Ja sagen. Dieser „Sünden-Index“ bildet die Entwicklung der bedeutendsten Tabakkonzerne, Alkoholhersteller und Kasinobetreiber der USA ab und legte in den letzten Jahren um 300 Prozent zu, der US Leitindex S&P 500 nur um gut 100 Prozent.

Nein zu unethischen Investments hingegen sagen immer mehr Versicherer, die Allianz und die AXA ziehen sich aus Tabakaktien zurück und riskieren damit, den Kunden eine Underperformance zu liefern, denn tatsächlich sind die SündenInvestments sehr einträglich.

Das zeigt besonders eindrucksvoll ein Vergleich des bislang einzigen „Sündenfonds“ mit einem ethisch korrekten Fonds. Der „böse“, im August 2002 aufgelegte, US Barrier Fund hat den „guten“ Vanguard FTSE Social Index Fund um nicht weniger als 100 Prozentpunkte geschlagen.

Zu den größten Positionen des US Barrier Fund zählen einige Tabak-Multis wie Reynolds, Altria oder Imperial Brands, aber auch Glücksspielanbieter und Alkoholhersteller sind vertreten. Auch zu den best gelaufenen Aktien gehört der Waffenhersteller Smith & Wesson, sie habe seit der Jahrtausendwende durchschnittlich 21 Prozent Jahresrendite erwirtschaftet.

Stellt sich die Frage, warum sich viel Zaster mit Laster machen lässt. Dafür sehen die Forscher mehrere Gründe. Die Sünden-Investments unterliegen keinen radikalen Technologie-Veränderungen. Selbst wenn die Gesetze für die Tabak-Industrie immer mehr verschärft werden, rauchen die Leute weiter. Außerdem beschert das Bevölkerungswachstum auf der Erde den Konzernen weitere Zuwächse, und die Papiere werfen hohe Dividenden ab, was gerade in einer Niedrigzinsphase gut ankommt.

Außerdem sind die meisten Sündenbranchen weniger konjunkturabhängig. Denn Tabak- und Alkoholkonsum nehmen in wirtschaftlich schwachen Zeiten nicht ab – im Gegenteil. Der Alkoholverbrauch, das Rauchen und Glückspiel haben als menschliche Laster auch in ökonomischen Schwächephasen oder trotz staatlichen Verbots Bestand. Das sah man besonders gut zur amerikanischen Prohibition.

Dass aber sogar zu Zeiten des Brexit die Formel gilt, überrascht. Tabak und Alkoholtitel profitierten von der Entscheidung der Engländer, die EU zu verlassen. Bei Gold hatte man das erwartet, bei sündhaften Aktien eher nicht. Manche Aktienwerte explodierten regelrecht zwischen dem schwarzen Freitag (24.06.2016) und dem Beginn der darauffolgenden Woche (28.06.2016), wie das Handelsblatt herausgearbeitet hatte.

Nun muss aber jeder selbst entscheiden, ob er für oder gegen Sünden-Investments ist, nach Ansicht einiger Experten ist die Börse aber nicht gemacht für Gutmenschen.