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Landshut, 21.06.2016 – Jeder kann Fondsmanager – das ist die Meinung vieler. Was in jedem Fall stimmt: Wenn ein Prominenter für einen Fonds steht oder diesen sogar verwaltet, fliegen diesem Finanzprodukt zunächst einmal satt Anlegergelder zu. Der 2015 ins Leben gerufene Dirk Müller Fonds – der exakte Name lautet Dirk Müller Premium Aktien R (ISIN: DE000A111ZF1) – verwaltet inzwischen etwa 75 Millionen Euro, der von TV-Prolet Robert Geiss promotete Fonds Patriarch-Classic Dividenden 4 Plus A (ISIN: LU0967739193) fast 23 Millionen Euro.

Das war in etwa auch die Marke des Fonds von Stefan Riße in der Spitze. Der 2012 lancierte Fonds verschrieb sich dem Thema Inflationsschutz, was auch der Inhalt des Wirtschaftsbestsellers „Die Inflation kommt“ des prominenten n-tv Stars und Focus-Money Autors war. Dort wurde zur Emission 2012 auch der Fonds angepriesen und als „Allwetter-Spezialist“ vorgestellt. Der Name war Programm: Riße Inflation Opportunities UI (ISIN DE000A1JUV86). Focus Money schrieb damals: „Fonds für harte Zeiten. …. Das verlangt aktives Handeln und konsequentes Nutzen von Gelegenheiten. … Er könnte durchaus ein Erfolg werden. Dafür sprechen neben der Erfahrung des Managements das Instrumentarium und der Ansatz des Fonds ….“ Bereits nach weniger als vier Jahren wurde der Investmentfonds von Riße nach einem zuletzt nur noch verwalteten Vermögen von etwas über drei Millionen Euro und einem massiven Kursabsturz gegen den Markttrend ab Sommer 2014 in aller Stille abgewickelt. In einem Medieninterview gegenüber Fonds professionell sagte Riße: „Ich bin als Portfoliomanager gescheitert.“

Aber wie sieht es mit den anderen Promifonds aus?

Der Dirk Müller Fonds, der unter der Fondsgesellschaft Warburg Invest emittiert ist und durch FOCAM gemanagt wird, bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zum einen ist er mit einer Total Expense Ratio von 1,69 Prozent nicht gerade der billige Jakob. Ist aber auch nicht verwunderlich, es müssen ja sowohl der Fondsmanager als auch der Namensgeber bezahlt werden. Bei einem Fondsvolumen von derzeit 75 Millionen Euro reden wir also von XXX Millionen Euro Kosten pro Jahr. Und das,obwohl der Fonds in der Performance für ein Jahr bei einem Minus von rund 5 Prozent liegt. Der aktuelle Fondspreis liegt zwischen 91 und 92 Euro. Immerhin sind fast 88 Prozent in Aktien investiert. Die Streuung der Branchen ist breit. Verwundert ist man, dass mit über 45 Prozent die USA im Regionalfokus mit weitem Abstand die Topposition einnimmt, aber im Währungsfokus mit fast 86 Prozent Euroinvestitionen die große Bedeutung spielen. Ein Widerspruch, der sicher ein Grund für die derzeitige Performanceschwäche ist. Fazit: Kein tolles Ergebnis für jemanden, der nahezu täglich erklärt, wie die Finanzwelt wirklich funktioniert. Vieles was Dirk Müller sagt, ist durchaus richtig, aber das in eine Fondsstrategie zu packen, scheint problematisch.

Noch heftiger sieht es bei dem Geiss-Fonds von Patriarch aus. Zum einen ist der Unterschied, dass Fernsehikone Robert Geiss nur Werbefigur ist und – hoffentlich – nichts mit dem Fondsmanagement zu tun hat. Denn mit markigen Sprüchen und Prologehabe bringt man kein Investment voran. Da es aber so schlecht läuft, kann wahrscheinlich dem Robääääärt, wie er von seiner Frau gerufen wird, nur eine vermeintlich üppige Gage für die eher fragwürdige Kampagne „Reich mit Geiss“ dieses Projekt versüßen. Der in der Kategorie „Aktienfonds International“ eingeordnete Fonds, der ebenfalls stolze 1,52 Prozent Total Expense Ratio ausweist, performt in Jahresfrist mit einem Minus von knapp 10 Prozent. Der aktuelle Fondspreis liegt um die 10,20 Euro. Trotz 100 Prozent Aktien und des Fokus auf Telekommunikation (ca. 27 %) und Versicherungen (ca. 15 %) ist das Portfolio sehr Deutschland lastig (ca. 44 %) und Brexit sensibel (GB-Anteil ca. 17 %). Sehr bedenklich ist die noch aktuelle Werbung auf der Werbeseite www.reich-mit-geiss.de. Dort wird noch mit einer positiven Jahresperformance von 10,22 Prozent geworben. Nur der kritische Webnutzer sieht den Hinweis zum Stand dieser Information am 09.11.2015. Das bedeutet, dass die Werbeverantwortlichen knapp ein halbes Jahr später und nach einem Kursabsturz von 11,42 Euro auf etwa 10,20 Euro noch immer mit alten Zahlen um die Gunst der Anleger buhlen. In Zeiten des KAGB und des Kleinanlegerschutzgesetzes mit all den gesetzlichen Warnhinweisen ist das mehr als verwunderlich.

Festzuhalten ist, dass die Promis auch nur mit Wasser kochen, wenn sie überhaupt mitkochen und nicht nur Werbefiguren sind. Das Beispiel Stefan Riße zeigt aber auch, dass Promis scheitern können, manchmal auch wegen Selbstüberschätzung scheitern müssen. Denn dem Markt kann man sich in der Regel nicht entziehen ohne große Risiken einzugehen. Und das geht nicht selten nach hinten los.

Edmund Pelikan