Financial chart on computer

© www.shutterstock.com

Landshut, 25.05.2015 – Wenn derzeit Bankberater oder freie Finanzanlagenvermittler eine Fondsempfehlung aussprechen, sind es meist Mischfonds, die verkauft werden. 2015 waren es 38 Milliarden Euro, die in diese Assetklasse flossen. Seit Jahresbeginn bis April sind es immerhin schon wieder 2,2 Milliarden Euro. Damit sind Mischfonds nach offenen Immobilienfonds in diesem Jahr die zweitstärkste Fondskategorie. Die vermeintlichen Argumente dafür: breite Streuung sowohl in Anleihen und Aktien, Risikopuffer, lukrative Renditen. Leider sind diese Annahmen, die aus einer Vergangenheitsbetrachtung kommen, in ihrer Einfachheit schlichtweg falsch.

Die breite Streuung in ganz unterschiedliche Wertpapierarten erhöht das Risiko. Anleihen steuern in der aktuellen Niedrigzinssituation keine oder nur eine minimale Rendite in das Fondsportfolio bei. Die Anleihenkurse schwanken in dieser Marktphase ähnlich stark wie Aktien. Das bewirkt keinen Puffer, sondern steigert das Risiko. Nach dem Analysehaus Thomson Reuters Lipper notierten 705 von 895 in Deutschland angebotene Mischfonds in diesem Jahr im Minus. Und bei einem in Zukunft steigenden Zinsniveau werden die Anleihekurse überproportional fallen. Befürworter wenden hier ein, dass Zinserhöhungen auf breiter Front nicht zu erkennen sind. Das ist zwar richtig, aber bei einem Anlagehorizont von mindestens 5 bis 10 Jahren (in den meisten Beratungsgesprächen reden wir von langfristigen Anlagen), werden auch irgendwann wieder steigende Zinsen zu sehen sein. Andere Verkäufer sprechen von den derzeit immer noch attraktiven Renditen bei Mischfonds. Auch das ist richtig. Aber die Verkäufer verschweigen die eingepreisten Risiken. Ein Großteil der Renditen ist nur möglich, da der Rentenanteil durch Unternehmensanleihen dargestellt wird, mit all seinen erhöhten Risiken.

Mischfonds sind durchaus eine Anlagealternative, wenn sie in der Beratung nicht als Sicherheitspapier mit Toprenditeaussicht dargestellt werden. Wahr ist, dass in vielen Mischfonds eine hohe Volatilität versteckt ist, über die sich der Anleger nicht bewusst ist. So muss festgehalten werden, dass die gemischten Investmentfonds nur deshalb ein solcher Verkaufsschlager sind, weil die Zeichner sich nicht mit dem Anlageprodukt beschäftigen. Deutsche lieben Zinsprodukte. Leider ist diese Liebe nicht mehr zeitgemäß. Ein vernünftig gemanagter Aktiendividendenfonds oder Aktienindexfonds hat wahrscheinlich die gleichen oder sogar geringere Risiken als die umjubelte Assetgattung Mischfonds. Experten bestätigen den Eindruck, dass die Ergebnisse der Mischfonds in der Vergangenheit sich nicht mehr im aktuellen Marktumfeld wiederholen lassen werden.

Dies zeigt auch eine Studie von Feri EuroRating, die auf der Frühjahrstagung Ende April in Frankfurt vorgestellt wurde. Die Erkenntnis: Mischfonds verlieren in fallenden Märkten überproportional. Vor allem haben die Fondsanalysten aus Hamburg ermittelt, dass die Schwankungsbreite – also die maximal eintretenden Verluste – bei Mischfonds im Abwärtstrend sogar höher waren als bei reinen vergleichbaren Aktienportfolios. Das sollte schon zu denken geben. Aber wie bei allen Assets gibt es gute und schlechte Manager, die auch im Abwärtstrend ordentliche Ergebnisse gegen den Markttrend abliefern. Bei der Feri Studie waren dies MFS Meridian Funds-Prudent Wealth (ISIN LU0337786437), Nordea 1 – Stable Return (ISIN LU0227384020), ACATIS – Gane Value event Fonds UI (ISIN DE000A0X7541) und schließlich Flossbach von Storch – Multiple Opportunities (ISIN LU0323578657). Alle diese Fonds sind aus der Vergleichgruppe Balanced Flexible genommen.

Resümee: Mischfonds sind nicht die oft dargestellte eierlegende Wollmilchsau, sondern eine Assetklasse mit Risiken und entsprechender Volatilität. Deshalb sollte sie nicht als sichere Bank verkauft werden. Vielleicht ist bei entsprechender Aufklärung der Anleger dann sogar eher dazu bereit, einen Aktienfonds als Alternative zu wählen.

Autor: Edmund Pelikan