Ein Bericht von Ludwig Riepl

© Schuld und Schein

© Schuld und Schein

Landshut, 04.04.2016 – Mit dem lieben Geld hat jeder seine Not. Das beginnt mit einem Klumpen Gold und seiner „sicheren“ Unterbringung und endet mit bedruckten Zetteln, deren real einlösbaren Wert heute zunehmend viele in Frage stellen. Verzichten kann man auf Geld trotzdem nicht, es ist wie das Motorenöl in der Mechanik das Schmiermittel der modernen Wirtschaft. Und es ist mittlerweile zur Spielwiese von pragmatischen Bastlern in den Notenbanken und politischen Besserwissern geworden. Darum kommt man nicht darum, sich mit dem Stoff, der Träume realisieren hilft und in den Ruin treiben kann, zu beschäftigen. Wer es ganz genau wissen will, schaut sich das Theaterstück „Schuld und Schein“ im Münchner Metropoltheater an. Den fünf Schauspielern gelingt unter der Regie von Jochen Schölch ein erfrischend munterer Parforceritt zum Thema Geld, Geschichte und Politik.

Schon die Rollenverteilung macht klar, dass es nicht unkritisch zur Sache geht: Dem naiven Anleger – er wechselt im Lauf der Geschichte vom Goldbesitzer zum Aktienkäufer  – stehen drei Instanzen gegenüber, die ein kapitales Interesse an ihm oder besser gesagt an seinem Geld haben. In einer doppelt besetzten Position balgen sich zwei Banker um die Barschaft – falls sie nicht gerade solidarisch ihre Privilegien verteidigen müssen. Denn auch die Obrigkeit – Kaiser, Kanzler & Konsorten – hat Ansprüche. Keiner will zu kurz kommen. Und muss dazu der staatliche Zugriff af den zu Geld gekommenen Bürgers mit Hilfe der Banken perfektioniert werden.

Als fünfte Spielfigur kommt der Conferencier ins Spiel, er kommentiert und komplementiert wo nötig das Szenario als Unternehmer und Anleger – bringt seine Stimme aber auch überzeugend musikalisch zur Geltung. Ein Highlight: Je papierener der Reichtum zur Schau getragen wird, umso mehr swingt die Bühne. Geld ist und bleibt auch für Songschreiber ein wichtiges Thema. Die gekonnten musikalischen Einlagen lockern und lösen die Anspannung, mit denen das Publikum wie gebannt dem immer neu strukturierten Kreislauf des Geldes folgt. Locker skizzierte historische Verbindungen fördern vor dem Tableau der chamäleonartigen Variationen von Reichtum verblüffende Einsichten zu Tage – etwa den Unterschied zwischen der realienbezogenen Geldvorstellung bei Otto-Normalanleger und dem freischwebenden Fiatgeld der Finanzwelt.

Spannung und Unterhaltung kommen in diesem Stück über Schuld und Schein nicht zu kurz. Wer dem flüchtigen Eindruck der Aufklärung zusätzlichen Nachdruck verschaffen will, kann das Textbuch kostenlos unter www.schuldundschein.de herunterladen. Er muss dann zwar auf die Lust am Zuschauen und die überzeugende Performance von Butz Buse, Paul Kaiser, Philipp Moschitz, Marc-Philipp Kochendörfer und Hubert Schedlbauer verzichten, kann dafür aber in 14 Stationen in aller Ruhe die Mechanismen des Geldmarktes studieren. Der Autor Ulf Schmidt entwickelt in seinem „Geldstück“ die Unterschiede von Eigentum und Besitz ebenso wie die Basics von Wettbewerb und Unternehmensbeteiligung. Das Ganze steht stets mit beiden Beinen fest auf dem Boden, denn Bankinteressen sind ebenso omnipräsent wie die Staatsfinanzen oder der Poker um künstlich herbeigeführte Inflation und die Bargeldüberflutung durch die Zentralbanken.

Wer aus diesem Stück herausgeht, wird sich den vielen begeisterten Kritiken – „Super! Wahnsinn! Megawichtig! Das muss man gesehen haben! – anschließen. Die Aufführung von „Schuld und Schein“ im Metropoltheater ist als erhellender Crashkurs subversiv. Wer komplizierte Ökonomie auf den Punkt gebracht erlebt, fällt auf die offizielle Geldpropaganda nicht mehr herein. Letztes Beispiel der Märchenstunden: Der 500-Euro-Schein muss lediglich aus hygienischen Gründen abgeschafft werden, weil sonst böse Kriminelle darin baden könnten wie Dagobert Duck in seinen Talern.

 

Alle SCHULD UND SCHEIN Vorstellungen in München auf einen Blick

Fr., 11.03.2016, 20.00 Uhr (ausverkauft)
Di., 15.03.2016, 20.00 Uhr (ausverkauft)
Do., 17.03.2016, 20.00 Uhr (ausverkauft)
Mo., 21.03.2016, 20.00 Uhr (ausverkauft)
Do., 24.03.2016, 20.00 Uhr
Sa., 02.04.2016, 20.00 Uhr
Fr., 08.04.2016, 20.00 Uhr
So., 24.04.2016, 19.00 Uhr
Mo., 25.04.2016, 20.00 Uhr (Nachgespräch mit Jochen Schölch)

 

Kartenpreise

€ 23,-/ € 19,-
Ermäßigung € 4,- auf alle Kartenpreise
Junior-Ermäßigung (für Schüler, Studenten, FSJler und Auszubildende bis zum 27. Lebensjahr) € 6,- auf alle Kartenpreise

Montag und Dienstag = Theatertag
€ 4,- Ermäßigung auf alle Kartenpreise

 

Kartenbestellung
Tel. 089/ 32 19 55 33
Fax 089/ 32 19 55 44
info@metropoltheater.com

 

Ausschnitte aus den Pressestimmen:

„Spekulation und Börsencrash visualisiert Schölch minimalistisch … mit anbetungswürdig fantasie­satter Bühnenwirksamkeit.“ (AZ)

 

„… herrlich unterhaltsame Karikatur auf die (üblichen) Erklärungsmodelle… man lacht mindestens genauso viel wie man grübelt. Das kritische Potential… schafft den Raum, in dem tatsächlich nach den Ursachen der Probleme geforscht werden kann.“ (SZ)

 

„… Der Zuschauer sieht, wie ein Stück Gold immer mehr Schuldscheine hervorbringt, wie das System sich immer weiter aufbläht und irgendwann platzt.“ (Die Deutsche Bühne)

 

“… Super! Wahnsinn! Megawichtig! Das muss man gesehen haben! Vor allem wenn man regelmäßig ein Geldinstitut kontaktiert. (theaterkritiken.com)

 

„… man kann sich nicht oft genug wundern, wie genau Schölch die Szenen timt und wie geschickt er die Stärken Einzelner zu einer Motivationsspritze für die Anderen umzubiegen versteht …“ (nachtkritik.de)

 

„… gehört sofort in den Wirtschaftsunterricht aller Schulen … (getreu dem Zitat von Henry Ford): „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“ (Landshuter Zeitung / Straubinger Tagblatt)