©shutterstockLandshut, 04.02.2016 – Hawala – aus dem arabischen Wortstamm hwl, was so viel wie wechseln und überweisen bedeutet – ist ein etwas anderes Banksystem.

Traditionell stammt es aus der muslimischen Welt, wird vom Koran bestärkt und ist vor allem in armen und wirtschaftlich schwachen Ländern vorzufinden. Dort gibt es meist keine staatlichen Banken oder, aber falls welche vorhanden sind, dann ist es meistens trotzdem ratsamer, dem bekannten Hawala-Anbieter an der nächsten Ecke zu vertrauen als einer Bank, die dem nicht selten korrupten Staat unterliegt.

Das Prinzip könnte simpler nicht sein. Man braucht lediglich ein Telefon, einen Mittelsmann und eine Menge Vertrauen. Will man zum Beispiel einer bestimmten Person in, sagen wir mal, Somalia einen Betrag zukommen lassen, so geht man zu einem Hawala-Anbieter, welcher meist ein kleines Reisebüro, einen Friseurladen oder Marktstand nebenbei führt. Diesem übergibt man die Summe bar, bekommt dafür einen Code, den man dann dem Empfänger weitersagt. Wenn nun dieser zum bestimmten Mittelsmann in seiner Ortschaft geht und den vereinbarten Code vorlegt, wird ihm das Geld übergeben. Im Prinzip ist es eine herkömmliche Überweisung, bei der man ja auch einen Betrag von Person A zu Person B bringt.

Wie man sieht, braucht man bei Hawala keine Bank, kein Konto, keine lästigen Formulare, nur hin und wieder wird nach dem Personalausweis gefragt. Mehr nicht.

Dies ist dann meist der Moment, in welchem man sich fragt, ob das nicht vielleicht ausgenutzt wird.

Etwa von Terroristen?

Das Bundeskriminalamt zum Beispiel sieht Hawala mit äußerst kritischen Augen. Geldtransfer ohne Nachverfolgung ist schließlich eine perfekte Methode, um Terroranschläge in der ganzen Welt zu finanzieren. Es gibt nicht einmal eine zentrale Hawala-Aufsichtsbehörde. Es sind nur die Anbieter, die dazu verpflichtet sind, Unregelmäßigkeiten, wie hohe Summen oder des öfteren derselbe Kunde, zu melden. Auf diesem Weg wurden in den 1990er Jahren mehrere Fälle von Menschenschmuggel bekannt, deren Schlepper per Hawala bezahlt wurden. Ebenso weiß man bereits, dass die Organisation al-Qaida teilweise diese Wege nutzt. Für den Anschlag am 11. September 2001 wurden jedoch nur offizielle Bankwege genutzt.

Hawala-Unternehmen sind meist ganz legal, doch wegen des möglichen Missbrauches werden sie schnell als terroristisch oder kriminell verdächtigt. Eigentlich wird Hawala oft wie eine normale Überweisung von Großfamilien und Clans genutzt oder aber zur Bezahlung von Mitarbeitern. Sogar die Firma Siemens wickelt Zahlungen in den betroffenen Ländern per Hawala ab. Die Mitbürger des Geschäftsführers eines der größten somalischen Hawala-Unternehmen hätten ohne dieses System den Bürgerkrieg nicht überlebt. Manche herkömmlichen Banken wie die Western Union bieten einen ähnlichen Dienst an, nur dass der Geldtransfer bei ihnen mit 20 Euro recht teuer ist und einige Wochen dauert. Im Gegensatz dazu braucht ein Hawala-Anbieter nicht mehr als drei Tage und verlangt dafür selten über 10 Euro. Dabei ist noch zu beachten, dass selbst die allpräsente Transaktionsfirma Western Union nicht den letzten Winkel der Welt so gut erreicht wie ein Hawala-Unternehmer.

In Deutschland ist das Geschäft noch recht klein. Mit seinen 60 eingetragenen Institutionen werden monatlich um die 100.000 Euro von A nach B gebracht. Weltweit schätzt man das Transaktionsvolumen auf etwa 100 Milliarden Euro, doch da man Hawala nicht kontrollieren kann, ist es möglich, dass es auch dreimal so viel ist.

 

Autorin: Thomanek Laura, Schülerredakteurin bei epk media GmbH