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Landshut, 15.10.2015 – Das 17. Jahrhundert ist das goldene Zeitalter Hollands. Ein reicher Kaufmann erwarb eine Tulpenzwiebel für etwa 500 Gulden. Selbstverständlich diente sie nur zur Verzierung. Als ihm kurz danach ein Bootsmann Waren lieferte, lud er diesen zu einem Essen ein. Der Bote fand einen prächtig gedeckten Tisch vor, von dem er einen frischen Hering und eine Kanne Bier speiste. Nun sah er die Zwiebel liegen, hielt sie für eine gewöhnliche und verzehrte sie in aller Ruhe zu einem weiteren Hering. Diese Mahlzeit kostete den Kaufmann ein kleines Vermögen. Man spricht von der Zeit des Tulpenwahnsinns.

Zeitleiste_TulpenzwiebelDer Auslöser ist im Jahr 1593 zu vermerken, als der Franzose Charles de L’Écluse eine Tulpenzwiebel in die Niederlande importiert hatte. Wenige Jahre später wurden Wohlhabende auf die ursprünglich türkische Pflanze aufmerksam. Sie legten sich private Gärten zu, in denen die Tulpenzwiebeln gezüchtet wurden. Hier traf man sich, unterhielt sich begeistert über diese neuen, exotischen Exemplare, und es entstand ein Tauschgeschäft zwischen den Züchtern.

Aufgrund der hohen Beliebtheit sowie der Seltenheit der Tulipan, entwickelte sie sich zu einem finanziell kostbaren Gut. Künstler ließen die Zwiebel mit in ihre Werke einfließen, andere sammelten sie in Wunderkammern, ein Sammlungskonzept der frühen Museumsgeschichte. Anfang der 1630er Jahre waren erste Preisanstiege zu bemerken, bis die Preise in den Folgejahren
auf ein extrem hohes Niveau explodierten. Die „Semper Augustus“, eine besondere Tulpenzwiebel, war 1624 noch für
1000 Gulden zu erwerben, 1637 benötigte man dafür die 30-fache Menge an Geld. Die teuersten Tulpen kosteten bis zu
30.000 Gulden. Zum Vergleich: Ein Haus bekam man zu diesem Zeitpunkt für 10.000 Gulden, und das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug etwa 150 Gulden.

Spätestens 1634 betraten Spekulanten den Markt, die Tulpen nicht nur in der Hoffnung kauften, sie zu späterer Zeit selbst in ihren Garten zu setzen, sondern sie erwarben, um diese bei steigenden Preisen mit Gewinn zu verkaufen. Solange die Preise stiegen, konnte man quasi nur gewinnen. Auf diese Weise wurden damals viele zum Millionär. Bis am 5. Februar 1637 bei einer der regelmäßigen Versteigerungen keine der angebotenen Pflanzen zu dem erwarteten Preis verkauft werden konnte. Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem das Angebot größer als die Nachfrage war. Die Folgen waren logisch: Binnen weniger Tage brach in den gesamten Niederlanden der Markt zusammen. Der Wert der Tulpen fiel um 95 Prozent. Alle versuchten vergebens ihre Tulpen loszuwerden, Kredite konnten nicht mehr zurückgezahlt werden und wurden nicht mehr gewährt. Viele Händler verloren ihr gesamtes Vermögen, wenn sie es in Tulpen investiert hatten.

Es ist der erste Wirtschaftscrash der Geschichte, bei dem die Wirtschaft in Holland für mehrere Jahre zum Erliegen kam.
Der Staat verbot, die Tulpenzwiebel als Wertobjekt zu handeln und untersagte jede weitere Spekulation. Die Blumenhändler und Gemeinden veranstalteten Treffen und versuchten, einen Weg aus der Krise zu finden. Es wurde Hilfe vom Staat gefordert. Doch dieser entschied sich dazu, nicht zu helfen. Der Staat vertrat die Meinung, dass die Händler selbst ihre Schuld tragen sollen.
Hätte man sich da wohl besser für 2500 Gulden, dem durchschnittlichen Preis einer Tulpe, 15.000 Kilogramm Weizen, 24.000 Kilogramm Roggen, vier fette Ochsen, acht fette Schweine, zwölf fette Schafe, 400 Liter Wein, 4000 Liter Bier, zwei Fässer Butter, 1.000 Pfund Käse, ein Bett, einen Anzug und einen silbernen Trinkbecher anstatt einer einzigen Tulpenzwiebel gekauft.

Philipp Brunner, Schülerredakteur